E-Auto-Akkus: Kapazität nach 150.000 km im Test

Batterie-Auswertung von 500.000 Schnelltests
Mercedes EQA schlägt Nissan Leaf deutlich

Ein neuer Report zur Akkuleistungsfähigkeit zeigt: Je mehr Kilometer ein E-Auto zurücklegt, desto größer wird die Streuung zwischen den Fahrzeugen – bei 150.000 Kilometern reicht die Spanne bis zu 16 Prozentpunkten.

Roadtrip mit dem Tesla Model Y RWD (Juniper) nach Catsellabate in Süditalien
Foto: Carsten Nallinger

Batteriealterung ist der größte Unsicherheitsfaktor beim Gebrauchtwagenkauf von Elektroautos – eine neue Datenauswertung von Aviloo liefert dazu belastbare Vergleichswerte. So hat etwa ein Mercedes EQA nach 150.000 Kilometern im Schnitt noch fast 94 Prozent seiner ursprünglichen Batteriekapazität – ein Nissan Leaf dagegen nur noch 86,67 Prozent. Das zeigt eine Auswertung von über 500.000 Schnelltests des Batterie-Diagnostikers Aviloo.

EQA, Ioniq 5, i4: Wer die Bestwerte liefert

Wer ein gebrauchtes Elektroauto kauft, fragt sich zwangsläufig: Wie viel Akkukapazität ist eigentlich noch übrig? Der österreichische Batterie-Spezialist AVILOO liefert dazu handfeste Zahlen. Für seinen „Certified EV Battery Report“ hat das Unternehmen mehr als 500.000 seiner Schnelltests ausgewertet, verteilt auf 20 verschiedene E-Auto-Modelle und drei Laufleistungs-Stufen: 50.000, 100.000 und 150.000 Kilometer.

SoH-Medianwerte von Cupra Born bis Hyundai Ioniq 5 bei 50.000, 100.000 und 150.000 Kilometern
KI-generiert, Quelle: Aviloo


SoH-Vergleich, Teil 1: Medianwerte für zehn E-Auto-Modelle bei drei Laufleistungen.

Das Ergebnis nach 150.000 Kilometern: Die Medianwerte reichen von 86,67 bis 93,97 Prozent der Originalkapazität. An der Spitze liegen der Mercedes-Benz EQA (93,97 Prozent), der Hyundai Ioniq 5 (93,79 Prozent) und der BMW i4 (93,62 Prozent). Etwas dahinter folgen Hyundai Kona EV, Volvo XC40 Recharge, Ford Mustang Mach-E und Polestar 2 – allesamt über 92 Prozent.

Model 3 unter Durchschnitt – trotz größter Stichprobe

Am unteren Ende der Skala rangieren der Nissan Leaf ZE1 (86,67 Prozent), der Mini Cooper SE (87,11 Prozent) und der Renault Zoe (87,33 Prozent). Auch Teslas Bestseller Model 3 fällt mit 88,94 Prozent eher unterdurchschnittlich aus. Die deutschen Kompakt-Stromer VW ID.4 und Audi Q4 e-tron sowie Opel Corsa-e und Peugeot e-208 bewegen sich mit Werten zwischen 90,6 und 90,75 Prozent im Mittelfeld.

SoH-Medianwerte von Hyundai Kona EV bis Renault Zoe bei 50.000, 100.000 und 150.000 Kilometern
KI-generiert, Quelle: Aviloo

Nach 150.000 Kilometern stehen der Hyundai Kona EV bei 92,95 Prozent SoH und der Nissan Leaf ZE1 bei 86,67 Prozent.

Interessant ist auch, wie unterschiedlich groß die jeweiligen Stichproben ausfallen. Zum Tesla Model 3 liegen Aviloo über 92.000 Testergebnisse vor, zum Model Y knapp 54.000 – beides mit Abstand die umfangreichsten Datensätze der Untersuchung. Am anderen Ende steht der Ford Mustang Mach-E mit gerade einmal 6.098 Tests, der aber mit 92,53 Prozent nach 150.000 Kilometern zu den stabileren Modellen zählt.

Mini Cooper SE verliert am schnellsten an Kapazität

Beim Blick auf den Kapazitätsverlauf zeigt sich: Jedes Modell verliert mit steigender Laufleistung an Kapazität, doch das Tempo unterscheidet sich deutlich. Der Mini Cooper SE etwa startet bei 50.000 Kilometern noch respektabel bei 94,11 Prozent, fällt dann aber bis 150.000 Kilometer auf 87,11 Prozent ab – einer der stärksten Rückgänge im gesamten Testfeld. Der Hyundai Ioniq 5 dagegen verliert im selben Zeitraum vergleichsweise wenig, von 97,13 auf 93,79 Prozent.

Neben dem Median hat Aviloo auch die Bandbreite der Ergebnisse ausgewertet – jenes Fenster, in dem 99 Prozent aller getesteten Fahrzeuge eines Modells liegen. Und die wird mit steigender Kilometerleistung deutlich größer: Bei 50.000 Kilometern liegt sie je nach Modell zwischen 7,43 und 9,98 Prozentpunkten, bei 150.000 Kilometern schon zwischen 9,42 und 16,39 Prozentpunkten.

AVILOO-CEO Marcus Berger vor einem Elektroauto mit Hinweis auf den Batterietest
Aviloo

Aviloo-CEO Marcus Berger: Sein Unternehmen wertete für den Report nach eigenen Angaben mehr als 500.000 Batterietests aus.

77 bis 94 Prozent: Wie weit die Werte auseinanderliegen

Am breitesten fällt die Streuung beim Mini Cooper SE aus, dessen Werte bei 150.000 Kilometern zwischen 77,46 und 93,85 Prozent liegen können. Ähnlich groß ist die Spanne beim Tesla Model Y (82,90 bis 94,94 Prozent) und beim Nissan Leaf ZE1 (77,82 bis 93,09 Prozent). „Durchschnittswerte verschleiern eine Menge", bringt es Aviloo-Chef Marcus Berger auf den Punkt. Zwei baugleiche Fahrzeuge mit identischer Laufleistung können demnach einen deutlich unterschiedlichen Batteriezustand haben.

Die Datenbasis stammt aus Tests, die AVILOO zwischen 2022 und 2026 in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien durchgeführt hat. Insgesamt umfasst die Diagnosedatenbank des Unternehmens mittlerweile mehr als eine Million Messungen, für den aktuellen Report wurden gut 500.000 davon herangezogen.

Anbieter und Prüfer in einer Hand

Gemessen wird per sogenanntem FLASH-Test über die OBD-Schnittstelle des Fahrzeugs. Anders als bei vielen anderen Anbietern übernimmt Aviloo den State of Health dabei nicht einfach aus dem Batteriemanagementsystem, sondern berechnet ihn mit einem eigenen statistischen Modell – unter Einbeziehung von Kilometerstand, Fahrzeugalter, Ladezyklen, Zellspannungen und Energiezählwerten.

Ein Punkt sei aber der Vollständigkeit halber erwähnt: Aviloo ist nicht nur Herausgeber des Reports, sondern auch Anbieter der zugrunde liegenden Tests. Eine unabhängige wissenschaftliche Prüfung der Daten liegt nicht vor. Zudem wurden laut den methodischen Angaben unterschiedliche Batteriegrößen je Modell zusammengefasst – die Werte verstehen sich also als grobe Vergleichsgrößen und nicht als exakte Rangliste.