E-Autos im Restwertcheck für Flotten

Analyse von 10 Modellpaaren
Vergleich Restwerte E-Antrieb vs. Verbrenner

Vom Hyundai Kona Electric bis zum Mercedes EQE: Zehn Modellpaare zeigen teils große Unterschiede beim Wertverlust. Für Flotten ist die Sache trotzdem nicht mit einem Blick erledigt.

Mehrere gebrauchte Elektroautos stehen auf einem Parkplatz, auf den Frontscheiben sind prozentuale Wertverluste eingeblendet.
Foto: OpenAI/DALL·E

Dass Elektroautos beim Restwert unter Druck stehen, ist in vielen Fuhrparks längst kein Bauchgefühl mehr. Eine Auswertung des Online-Anbieters für Gebrauchtwagen Carvago untermauert das nun mit Zahlen. Verglichen wurden zehn Modellpaare aus Elektroauto und nicht rein elektrischem Pendant derselben Marke und eines ähnlichen Segments. In allen zehn Fällen verlor das E-Modell nach drei Jahren stärker an Wert. Ein besonders anschauliches Beispiel ist der Hyundai Kona: Der Kona Electric büßte laut Auswertung 52,3 Prozent ein, der vergleichbare Kona ohne Elektroantrieb 25,9 Prozent.

Leasingrate und Kaufkalkulation sind nicht dasselbe

Für Unternehmensflotten ist die Carvago-Auswertung nur die halbe Wahrheit. Denn sie sichern in der Regel keine Restwerte ab, sondern schauen auf Rate, Steuer, Energiekosten und Nutzungsprofil. Für Leasingkunden gilt deshalb: Schwächere Marktwerte führen nicht automatisch zu höheren Monatsraten, weil Hersteller und Finanzgesellschaften E-Modelle teils stark stützen. Kaufende Flotten wiederum rechnen breiter und betrachten nicht nur den späteren Verkaufserlös, sondern die gesamte Wirtschaftlichkeitskette.

Zehn Modellpaare zeigen dieselbe Tendenz

Zehn Modellpaare, zehnmal dasselbe Muster. Bei allen von Carvago untersuchten Paaren verlor das Elektroauto nach drei Jahren stärker an Wert als das jeweils verglichene Modell mit nicht rein elektrischem Antrieb – und die Spannen sind beachtlich. Am größten fällt die Differenz beim Hyundai Kona aus, am geringsten beim BMW iX3.

  • Hyundai Kona Electric -52,3 % / Hyundai Kona -25,9 %
  • Audi e-tron -50,7 % / Audi Q8 -26,7 %
  • Citroën ë-Berlingo -57,9 % / Citroën Berlingo -35,1 %
  • Mercedes EQE -69,7 % / Mercedes E-Klasse -49,3 %
  • Škoda Enyaq -51,7 % / Škoda Kodiaq -33,0 %
  • Peugeot e-208 -53,6 % / Peugeot 208 -34,9 %
  • VW ID.4 -46,1 % / VW Tiguan -34,5 %
  • VW ID.3 -51,2 % / VW Golf -41,3 %
  • Porsche Taycan -56,6 % / Porsche Panamera -48,6 %
  • BMW iX3 -46,1 % / BMW X3 -41,5 %

Sonderabschreibung verändert die Sicht auf E-Autos

Für kaufende Flotten ist das relevant, weil ein schwächerer Wiederverkaufswert das spätere Remarketing erschweren kann. Gleichzeitig ist er aber nicht der einzige Hebel in der Rechnung. Seit Mitte 2025 ist die steuerliche Abschreibung für neu angeschaffte betriebliche Elektrofahrzeuge deutlich attraktiver geworden. Das verschiebt die Betrachtung: Ein E-Auto kann trotz schwächerer Marktwerte wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn es früh abgeschrieben wird und über die Haltedauer bei Energie, Steuer und Service Vorteile bringt. Für Flotten mit Eigenkauf ist die Carvago-Auswertung daher ein Warnhinweis, aber kein K.-o.-Kriterium.

Sinkende Gebrauchtpreise schaffen neue Chancen

Hinzu kommt: Was den ersten Halter schmerzt, kann für andere Unternehmen eine Chance sein. Sinkende Gebrauchtwagenpreise machen E-Autos aus zweiter Hand interessanter – etwa für kleinere Flotten, regionale Einsätze oder Unternehmen mit knapperem Beschaffungsbudget. Carvago selbst argumentiert genau in diese Richtung und spricht von einem attraktiven Kaufzeitfenster für Gebrauchtwagenkäufer.

So ist die Carvago-Studie methodisch einzuordnen

Man sollte die Zahlen trotzdem sauber lesen. Verglichen wurden Medianpreise aus Online-Inseraten auf großen deutschen Portalen: praktisch neue Fahrzeuge aus dem Schlussquartal 2022 mit dreijährigen Gebrauchtwagen aus dem Schlussquartal 2025. Als „Verbrenner-Pendant“ zählt dabei die gesamte nicht rein elektrische Welt, also Benziner, Diesel, Hybrid, Plug-in-Hybrid und LPG. Das macht die Untersuchung als Marktbild interessant, ersetzt aber keine individuelle TCO-Rechnung für einen konkreten Fuhrpark.