Wer große Dienstwagenflotten elektrifiziert, stößt schnell auf ein Problem, das im Tagesgeschäft gern unterschätzt wird: das Laden zu Hause. Unterschiedliche Wallboxen, wechselnde Stromtarife und regionale Preisunterschiede machen die Rückerstattung für Unternehmen aufwendig. Boehringer Ingelheim will genau diesen Punkt jetzt bereinigen und stellt das Heimladen seiner deutschen Dienstwagenflotte auf ein einheitliches System um.
Einheitliche Prozesse für das Heimladen
Das Unternehmen ersetzt dafür bestehende Lösungen und standardisiert die Hausstromrückerstattung bundesweit auf die Heimladelösung von Locio. Nach Angaben beider Unternehmen werden damit Abrechnung und Tarifprüfung vollständig automatisiert. Monatlich verarbeitet das System demnach mehr als 5.000 Heimladevorgänge, ohne dass einzelne Fälle manuell geprüft werden müssen.
Für Flotten ist das mehr als ein Abrechnungsthema. Mit wachsenden E-Anteilen wird Heimladen schnell zur organisatorischen Infrastrukturfrage. Je größer der Fuhrpark, desto schwieriger wird es, unterschiedliche Tarife, Sonderregelungen und technische Konstellationen sauber zusammenzuführen. Genau an dieser Stelle setzen standardisierte Prozesse an: Sie sollen Aufwand senken und die Elektrifizierung überhaupt erst skalierbar machen.

Digitale Systeme sollen Heimladevorgänge in großen Dienstwagenflotten zentral erfassen und abrechnen. Entscheidend ist, dass Tarife, Ladevorgänge und Rückerstattung ohne manuelle Prüfung zusammenlaufen.
Marcel Schäfer, Head of Fleet & Mobility Germany bei Boehringer Ingelheim, beschreibt das so: "Heimladen entwickelt sich mit steigenden E-Fahrzeuganteilen schnell zu einem operativen Engpass. Ohne standardisierte, automatisierte Prozesse steigt der administrative Aufwand exponentiell." Die vollständige Systemablösung sei deshalb ein logischer Schritt gewesen, um die Flotte nachhaltig und wirtschaftlich weiter elektrifizieren zu können.
1.700 Fahrzeuge im Blick
Boehringer Ingelheim spricht von einer deutschen Firmenwagenflotte mit rund 1.700 Fahrzeugen. Bis 2030 soll der Anteil vollelektrischer Modelle dort auf mindestens 75 Prozent steigen. Die Standardisierung des Heimladens ist damit Teil einer größeren Umstellung im Fuhrpark und soll den organisatorischen Unterbau für den weiteren Hochlauf liefern.
Ausschlaggebend für die Systementscheidung war laut Unternehmen, dass individuelle Stromtarife automatisiert verarbeitet und plausibilisiert werden können. Sämtliche Abrechnungsdaten sollen digital laufen, ohne manuelle Einzelprüfung. Für Fuhrparkverantwortliche ist genau das der entscheidende Punkt: Nicht die einzelne Wallbox ist das Problem, sondern die Masse an Sonderfällen, die mit steigender E-Quote entsteht.
Großflotten brauchen andere Prozesse
Während kleinere Fuhrparks mit Einzellösungen oft noch zurechtkommen, steigen die Anforderungen in Großflotten deutlich. Mehrere hundert oder gar tausend Fahrzeuge lassen sich kaum noch mit parallelen Insellösungen steuern. Boehringer Ingelheim zieht daraus jetzt die Konsequenz und bündelt die Heimladeprozesse in einer zentralen Struktur.
Für Locio ist das Projekt zugleich ein Referenzfall im Großflotten-Segment. Das Unternehmen positioniert sich als Plattformanbieter für die digitale Verwaltung und Abrechnung von Ladekosten elektrischer Dienstwagen und gibt an, bereits mehr als 400 Unternehmen in Deutschland zu betreuen. Für Fuhrparks bleibt entscheidend, ob solche Systeme den Verwaltungsaufwand tatsächlich senken und sich in bestehende Prozesse integrieren lassen.






