DKV-Studie: E-Flotten wachsen, Kosten bremsen

DKV-Studie: E-Mobilität in Europas Fuhrparks
Mehr E-Autos, aber der Druck wächst weiter

Die Richtung stimmt, die Hürden bleiben. In Europas Fuhrparks wächst der E-Anteil, doch Kosten, Komplexität und Ladefragen machen den Umstieg für viele Betriebe zäher als geplant.

Frontansicht mehrerer Pkw in einer Reihe auf einem Parkplatz als Symbolbild für Unternehmensflotten.
Foto: DKV

Die Elektrifizierung von Unternehmensflotten kommt voran. Aber sie läuft nicht geradlinig. Viele Unternehmen wollen in den nächsten zwei Jahren mehr vollelektrische Fahrzeuge anschaffen. Gleichzeitig bleibt der Druck auf Fuhrparkverantwortliche hoch. Kosten, Energiepreise und Ladeinfrastruktur sorgen dafür, dass der Umbau für viele Betriebe kein Routineprojekt ist, sondern eine operative Dauerbaustelle. Das zeigt die Elektromobilitätsstudie von DKV Mobility, für die 1.732 Fuhrpark- und Flottenverantwortliche in acht europäischen Ländern befragt wurden.

Mehr als die Hälfte plant zusätzliche BEV

Der Trend ist klar: 56 Prozent der befragten Unternehmen wollen in den kommenden zwei Jahren mehr vollelektrische Fahrzeuge in die Flotte holen. Gleichzeitig planen 36 Prozent, den Bestand an Fahrzeugen mit Benzin, Diesel oder Mildhybrid zu senken. Auch Plug-in-Hybride bleiben für viele Unternehmen Teil der Strategie. Vor allem große Unternehmen und der Transportsektor treiben den Ausbau stärker voran als kleine Betriebe.

Diesel bleibt vorerst die wichtigste Antriebsart

Trotz des wachsenden E-Anteils dominieren in Europas Unternehmensflotten weiter klassische Antriebe. Diesel ist laut Studie noch immer die häufigste Antriebsart, gefolgt von Benzin. Elektrifizierte Antriebe haben inzwischen zwar einen spürbaren Anteil erreicht, liegen aber weiterhin hinter den Verbrennern. Auffällig ist zudem, dass HVO 100 in vielen Diesel-Flotten bereits genutzt wird. Besonders die Niederlande stechen heraus: Dort ist der Dieselanteil niedriger und der Anteil reiner Elektrofahrzeuge höher als im übrigen Feld.

Deutschland liegt beim Anteil vollelektrischer Fahrzeuge leicht über dem Gesamtschnitt. Zugleich zeigt sich hier ein bekanntes Muster: Unternehmen haben überdurchschnittlich häufig eigene Wallboxen am Standort, sehen die öffentliche Schnellladeinfrastruktur aber weiter als Schwachstelle. Hinzu kommt ein starker Blick auf die Wirtschaftlichkeit. Hohe Anschaffungskosten und steigende Energiepreise werden in Deutschland besonders häufig als Bremsfaktoren genannt.

Kosten bleiben das größte Problem

Wer Flotten elektrifiziert, hat nicht nur ein Beschaffungsthema. Laut Studie nennen 76 Prozent den Kostendruck als zentrale Herausforderung im Fuhrparkmanagement. Dahinter folgen Nachhaltigkeitsanforderungen mit 73 Prozent und die Elektrifizierung selbst mit 70 Prozent. In Deutschland liegen die Werte für Kostendruck bei 80 Prozent und für Nachhaltigkeitsanforderungen bei 72 Prozent. Dazu kommt der zusätzliche Verwaltungsaufwand für E-Fahrzeuge und Ladepunkte. Die Botschaft ist eindeutig: Nicht nur das Auto kostet, auch der Betrieb wird komplexer.

Die größten Hürden liegen bei Preis und Infrastruktur

Beim Ausbau der E-Mobilität nennen die befragten Unternehmen vor allem fünf Hindernisse. Diese sind: hohe Anschaffungskosten, steigende Strom- und Ladepreise, als zu kurz empfundene Reichweiten, eine unzureichend ausgebaute öffentliche Ladeinfrastruktur und höhere Unterhalts- und Wartungskosten. Gerade diese Mischung ist für Flotten relevant. Denn sie trifft Investition, Betrieb und Einsatzplanung zugleich. Wer elektrifiziert, muss also nicht nur Fahrzeuge ersetzen, sondern Prozesse neu absichern.

Interessant ist der Blick auf die Ladeinfrastruktur in den Unternehmen. Rund 90 Prozent der Firmen mit E-Fahrzeugen verfügen bereits über eigene Ladepunkte am Unternehmensstandort. Insgesamt 89 Prozent laden auf dem Firmengelände, und Deutschland liegt mit 61 Prozent beim Wallbox-Anteil an der Spitze der untersuchten Länder. Der Standort bleibt damit der entscheidendste Ladeort, deutlich vor öffentlichem Laden und dem Laden zu Hause.

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur geht weiter

Auch bei den Investitionen ist die Richtung klar. 70 Prozent der befragten Unternehmen planen in den kommenden zwei Jahren einen weiteren Ausbau der eigenen Ladeinfrastruktur. Besonders hoch ist die Investitionsbereitschaft bei größeren Unternehmen und im Transportwesen. Das passt zum Gesamtbild der Studie: Je größer die Flotte, desto höher die Belastung im Management – und oft auch der Druck, tragfähige Ladelösungen selbst aufzubauen.

Kleine Flotten zögern stärker als große

Die Studie zeigt zudem, dass die Flottengröße entscheidend ist. Größere Unternehmen nehmen die Herausforderungen im Fuhrparkmanagement stärker wahr und treiben die Elektrifizierung offensiver voran. Bei sehr großen Unternehmen plant etwa rund zwei Drittel einen weiteren Ausbau elektrischer Fahrzeuge, bei kleinen Unternehmen ist es nur etwa die Hälfte. Ähnlich sieht es in den Branchen aus: Das Transportwesen geht vorneweg, der Handel bleibt zurückhaltender.

Für Fuhrparks ist die Lage klarer als die Debatte

Die DKV-Studie zeigt, dass der Markt weder stagniert noch ungebremst boomt. Die Richtung ist elektrisch. Doch der Umbau bleibt teuer, komplex und in vielen Betrieben mühsam. Für Fuhrparkmanager heißt das: Der Druck zur Umstellung ist da, die Rahmenbedingungen ziehen aber nicht überall mit. Genau darin liegt derzeit der eigentliche Engpass.