Bei jungen Gebrauchten und Leasingrückläufern entscheidet nicht nur der optische Zustand über den Wert. Schäden, Importwege, Halterwechsel und Laufleistung können Restwert, Rücknahmewert und Remarketing-Erlös deutlich verändern. Automobilmarktexperte Matas Buzelis von carVertical erklärt im Interview, warum Fuhrparkmanager Fahrzeughistorien systematisch prüfen sollten. Es geht um Risikofaktoren, Datenquellen und den praktischen Nutzen für Ankauf, Rückgabe und Wiederverkauf. Und um die Frage, welche Modelle in Deutschland besonders häufig mit Schadenhistorie auffallen.
Herr Buzelis, welche Vorteile haben Fuhrparkleiter, wenn sie Dienste wie carVertical in Anspruch nehmen?
Fuhrparkleiter bekommen eine zusätzliche Datengrundlage für Ankauf, Rücknahme und Wiedervermarktung. Sie können prüfen, ob ein Fahrzeug bereits bekannte Schäden, auffällige Kilometerstände, Importhistorien oder andere Einträge aufweist. Das hilft bei der Bewertung, bei Preisverhandlungen und bei der Entscheidung, ob sich eine Besichtigung überhaupt lohnt. Gleichzeitig schützt eine dokumentierte Prüfung die eigene Reputation, wenn Fahrzeuge später weiterverkauft werden.
Warum ist das gerade im professionellen Umfeld relevant?
Fuhrparkbetreiber, Leasinggesellschaften oder Händler arbeiten mit vielen Fahrzeugen. Wenn bei Rückläufern, Ankäufen oder Wiedervermarktung wichtige Informationen fehlen, entstehen Bewertungsrisiken. Wer den tatsächlichen Zustand eines Fahrzeugs kennt, kann fairer kalkulieren. Außerdem geht es um Reputation. Wenn ein Unternehmen Fahrzeuge weiterverkauft und spätere Käufer feststellen, dass die Historie unvollständig oder problematisch war, kann das Vertrauen beschädigt werden.
Welche konkreten Auswirkungen haben dokumentierte Schäden auf Restwerte, Rücknahmewerte und Remarketing-Erlöse von Fuhrparkfahrzeugen?
Ein dokumentierter Schaden wirkt sich auf den Wert eines Fahrzeugs aus, weil Käufer ein beschädigtes Fahrzeug anders bewerten als ein vergleichbares unbeschädigtes Modell. Wie groß der Abschlag ist, hängt aber stark vom Einzelfall ab: von der Schadenhöhe, der Art des Schadens, der Reparaturqualität und davon, ob tragende oder sicherheitsrelevante Komponenten betroffen waren.

Matas Buzelis, Automobilmarktexperte bei carVertical, erklärt im Interview, warum Fahrzeughistorien für Ankauf, Rückgabe und Remarketing im Fuhrpark wichtiger werden.
Wie können Unternehmen ihre Rückgabe- und Prüfprozesse so aufstellen, dass Schäden sauber dokumentiert und spätere Wertverluste begrenzt werden?
Aus unserer Sicht sollten Unternehmen Fahrzeugdaten systematisch in ihre Prozesse einbauen. Ein Historiencheck kann vor Ankauf, Rücknahme oder Wiedervermarktung als erster Schritt dienen. Wenn der Bericht Hinweise auf Schäden, auffällige Kilometerstände oder andere Risiken zeigt, sollte das Fahrzeug gezielt technisch geprüft werden. Wichtig ist zudem, Schäden bei Rückgabe vollständig zu dokumentieren, Reparaturen nachvollziehbar zu erfassen und Fahrzeuge nicht allein nach äußerem Eindruck zu bewerten.
Was heißt das praktisch für den Fuhrparkprozess?
Unternehmen sollten klare Prüfpunkte definieren: Historiencheck, Sichtprüfung, technische Prüfung, Fotodokumentation, Reparaturbelege und Bewertung. So lässt sich später besser nachvollziehen, wann ein Schaden entstanden ist, wie er behoben wurde und welche Auswirkung er auf den Fahrzeugwert hat. Das reduziert Streitfälle und macht den Wiederverkauf transparenter.
Welche Risikofaktoren sollten Fuhrparkleiter beim Ankauf junger Gebrauchter besonders prüfen?
Mehrere Punkte sind wichtig. Erstens der Importstatus, weil bei grenzüberschreitend gehandelten Fahrzeugen Informationen verloren gehen können. Zweitens Halterwechsel, weil häufige Wechsel Fragen zur Nutzungshistorie aufwerfen können. Drittens die Laufleistung und mögliche Unstimmigkeiten beim Kilometerstand. Viertens die Schadenhöhe und die Art des Schadens. Und fünftens eine lückenhafte Historie, weil fehlende Daten gerade bei jungen Gebrauchten ein Warnsignal sein können.
Ist der Nutzen vor allem bei Premiumfahrzeugen hoch – oder auch bei Volumenmodellen?
Der Nutzen besteht in jedem Segment. Bei teuren Fahrzeugen sind die finanziellen Risiken oft höher, weil Reparaturen kostspieliger sind. Bei Volumenmodellen zählt dagegen die Masse: Wenn viele Fahrzeuge geprüft, verkauft oder übernommen werden, können auch kleinere Bewertungsabweichungen wirtschaftlich relevant werden.

Die carVertical-Auswertung zeigt, bei welchen Automarken in Deutschland besonders häufig registrierte Schäden vorliegen. Neben der Schadenquote werden auch durchschnittliche Schadenwerte je Marke ausgewiesen.
Wie viel kostet ein Fahrzeughistoriencheck?
Für Privatkunden kostet ein einzelner Bericht in Deutschland nach unseren aktuellen Angaben etwas über 30 Euro. Bei größeren Paketen wird es günstiger. Im B2B-Geschäft hängen die Preise vom Volumen ab; je mehr Berichte ein Unternehmen abruft, desto niedriger wird der Preis pro Check. Für Flotten, Händler oder Versicherer gelten deshalb andere Konditionen als für Einzelkunden.
Welche Premium- und Oberklassemodelle fallen in Deutschland besonders häufig mit Schadenhistorie auf?
Nach den carVertical-Daten fallen in Deutschland vor allem BMW-Modelle auf. Modellspezifisch werden die BMW 6er-Reihe, die BMW 7er-Reihe und der Porsche Panamera genannt. In der markenbezogenen Auswertung liegen BMW, Mini, Audi, Lexus und Jaguar vorn. Bei den durchschnittlichen Schadenwerten sticht Porsche besonders hervor.
Welche davon sind im Dienstwagen- und Leasingrückläufermarkt besonders relevant?
Für den Dienstwagen- und Leasingrückläufermarkt sind vor allem die deutschen Premium- und Oberklassemodelle relevant, also etwa BMW 5er, 7er, X5 und X6, Audi-Modelle der oberen Segmente, Mercedes-Benz-Modelle sowie Porsche-Modelle wie Cayenne oder Panamera. Diese Fahrzeuge spielen in Flotten, bei Dienstwagenfahrern und im gehobenen Gebrauchtwagenmarkt eine wichtige Rolle. Gerade dort können dokumentierte Schäden wegen hoher Reparaturkosten und hoher Restwerte besonders ins Gewicht fallen.
In der carVertical-Auswertung liegen BMW-Modelle in Deutschland vorn. 50,5 Prozent der geprüften BMW hatten mindestens einen registrierten Schaden. Wie erklären Sie das?
Premiumfahrzeuge und gefragte Modelle werden häufig intensiver gehandelt und sind für unehrliche Verkäufer attraktiv. Zudem sind Reparaturen bei teureren Fahrzeugen kostspieliger. In Deutschland lagen nach unserer Auswertung BMW, Mini, Audi, Lexus und Jaguar bei den Schadenquoten vorn. Bei Porsche waren die durchschnittlichen Schadenwerte besonders hoch – im Schnitt rund 10.100 Euro.
Welche Datenquellen nutzt carVertical?
carVertical arbeitet mit mehr als 1.000 Datenquellen in 37 Ländern. Dazu zählen unter anderem nationale Register, Versicherungsdatenbanken, Behördenquellen, Finanzinstitute, Kleinanzeigenportale und weitere Datenanbieter. Bei einer Abfrage wird über die Fahrzeugidentifikationsnummer nach vorhandenen Einträgen gesucht.
Gibt es bei Elektroautos andere Risiken als bei Verbrennern?
Die Grundlogik ist ähnlich: Auch Elektroautos können beschädigt, schlecht repariert oder falsch bewertet werden. Der Unterschied liegt in den Komponenten. Bei Elektrofahrzeugen ist die Batterie besonders wertbestimmend. Deshalb arbeiten wir daran, den Zustand der Batterie stärker in Berichte einzubeziehen. Der Batterie-Health-Score kann für Käufer künftig ein wichtiger zusätzlicher Hinweis werden.
Sind Elektroautos beim Kilometerstand weniger anfällig für Manipulation?
Teilweise ja. Viele moderne Elektroautos sind stärker vernetzt. Bei Tesla ist es beispielsweise sehr schwierig, den Kilometerstand dauerhaft zu manipulieren, weil das Fahrzeug mit der Cloud verbunden ist und ursprüngliche Daten wieder synchronisiert werden können. Aber kriminelle Akteure suchen immer neue Wege. Deshalb bleibt Transparenz wichtig.
Welche Empfehlung geben Sie Fuhrparkmanagern vor dem Ankauf eines Gebrauchtwagens?
Ein Fahrzeughistorienbericht sollte der erste Schritt sein, nicht der einzige. Wenn der Bericht schwere Schäden, auffällige Kilometerstände oder andere Warnsignale zeigt, kann man sich eine Besichtigung möglicherweise sparen. Wenn der Bericht unauffällig ist, sollte trotzdem eine technische Prüfung folgen. Geräusche, Vibrationen, Reparaturqualität oder versteckte Schäden lassen sich nur am Fahrzeug selbst bewerten.
Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Punkt für Flottenverantwortliche?
Sie sollten Fahrzeugdaten systematisch nutzen. Wer viele Fahrzeuge kauft, verkauft oder zurücknimmt, braucht klare Prozesse zur Prüfung der Historie. Das schützt vor falschen Bewertungen, reduziert Streitfälle und stärkt das Vertrauen beim Wiederverkauf. Am Ende geht es nicht darum, jedes beschädigte Auto auszuschließen. Es geht darum, den Zustand zu kennen und den Preis entsprechend realistisch zu bewerten.
Die wichtigsten Zahlen aus der carVertical-Studie
Von carVertical in Deutschland geprüfte Fahrzeuge mit registriertem Schaden: 39,2 Prozent
Durchschnittlicher Schadenwert: 4.900 Euro
Marke mit höchster Schadenquote: BMW mit 50,5 Prozent
Marke mit höchstem durchschnittlichem Schadenwert: Porsche mit rund 10.100 Euro
Datenbasis: Fahrzeugberichte aus 24 Ländern, Januar bis Dezember 2025
Datenquellen: mehr als 1.000 Quellen in 37 Ländern






