Schnellladen rückt stärker an den Lebensmittelhandel. REWE und JOLT Energy haben in Heidelberg ihren ersten gemeinsamen HPC-Standort in Betrieb genommen. Dahinter steht mehr als ein Einzelprojekt: Beide Partner wollen in den kommenden Jahren bundesweit mehr als 100 neue Schnelllade-Standorte pro Jahr auf Parkplätzen von REWE und PENNY umsetzen.
300-kW-HPC am Niederspannungsnetz
Für Flotten und Dienstwagenfahrer ist vor allem der technische Ansatz interessant. Zum Einsatz kommt eine batteriegepufferte High-Power-Charging-Lösung, die laut Unternehmen Ladeleistungen von bis zu 300 kW ermöglicht, ohne dass dafür ein Ausbau auf Mittelspannungsebene nötig wird. Der Anschluss erfolgt am Niederspannungsnetz. Genau das könnte Standorte erschließen, die bisher wegen begrenzter Netzkapazitäten oder aus Platzgründen nicht für klassische HPC-Konzepte in Frage kamen.
Nach Angaben der Unternehmen benötigt die Technik keinen separaten Transformator, lässt sich platzsparend ab zwei Ladepunkten integrieren und in der Regel innerhalb von neun bis zwölf Monaten realisieren. In Heidelberg ersetzt die JOLT-Lösung demnach eine ursprünglich geplante, deutlich flächenintensivere Variante.

Von links: Vincent Badjie, Hans Beck, Manuela Schrein und Jan Sanders am gemeinsamen HPC-Standort von REWE und JOLT in Heidelberg.
Supermarktparkplätze werden zum Ladepunkt
Für den Handel liegt der Nutzen auf der Hand: Geladen wird während des Einkaufs. REWE verknüpft den Ausbau deshalb mit der eigenen Standortentwicklung. Nach Unternehmensangaben dauert ein Ladevorgang typischerweise 20 bis 30 Minuten und passt damit in das Zeitfenster eines Marktbesuchs.
Der Standort in Heidelberg wurde laut Pressemitteilung nach technischen, wirtschaftlichen und strategischen Kriterien ausgewählt. Eine Rolle spielten demnach sowohl die Nachfrage nach Schnellladen als auch die Flächencharakteristik, die Sichtbarkeit und die verkehrsgünstige Lage. Weitere Standorte befinden sich bereits in der Pipeline, vor allem in urbanen Gebieten mit bislang unzureichender HPC-Abdeckung.
Ladeinfrastruktur und Werbeflächen kombiniert
Ein zweiter Baustein des Konzepts ist die Vermarktung digitaler Werbeflächen an den Ladesäulen. Laut REWE und JOLT sind großformatige Displays Teil der Technik. Bespielt werden sollen darüber neben Drittwerbung auch regionale Inhalte, Wetterinformationen und eigene Kampagnen. Für den Handel entsteht damit ein Modell, das Ladeinfrastruktur und digitale Außenwerbung zusammenführt.
Auch für städtische Flotten interessant
Aus Flottensicht ist vor allem die Standortlogik relevant. Rund 60 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leben laut Pressemitteilung im urbanen Raum, etwa 80 Prozent davon zur Miete. Gerade dort fehlen oft private Lademöglichkeiten, während leistungsfähige Netzanschlüsse nur mit größerem baulichem Aufwand umsetzbar sind. Wenn sich HPC-Lösungen tatsächlich schneller und platzsparender in bestehende Handelsstandorte integrieren lassen, könnte das auch die Ladeoptionen für gewerblich genutzte E-Fahrzeuge im urbanen Raum verbessern.
Unterm Strich zeigt das Projekt vor allem eines: Der Ausbau von Schnellladeinfrastruktur verschiebt sich weiter in hochfrequentierte Alltagsstandorte. Für Flottenbetreiber, Dienstwagenfahrer und urbane Nutzer wird entscheidend sein, ob sich das angekündigte Ausbautempo tatsächlich halten lässt und wie schnell aus dem Heidelberger Pilot ein belastbares Standortnetz wird. Die Grundlage dafür ist gelegt.









