Mit Beginn der Sommerferien steigt der Reiseverkehr Richtung Süden und in die Nachbarländer. Wer mit Auto, Wohnmobil oder Motorrad unterwegs ist, sollte vor der Abfahrt prüfen, welche Maut- und Vignettenregeln auf der Route gelten. Denn die Systeme unterscheiden sich je nach Land, Strecke, Fahrzeugart und zulässigem Gesamtgewicht deutlich. Grundlage ist eine Übersicht des ACE Auto Club Europa. Warum gute Vorbereitung Geld sparen kann
In vielen Ländern wird weiterhin streckenbezogen abgerechnet. Fahrer ziehen bei der Auffahrt ein Ticket und bezahlen beim Verlassen der Autobahn den gefahrenen Abschnitt. Das ist etwa in Frankreich, Italien, Kroatien oder Spanien üblich. An Mautstationen gilt: rechtzeitig einordnen, auf die Spurensymbole achten und nach Möglichkeit eine Quittung verlangen. Rückwärtsfahren oder Wenden ist an Mautstellen verboten.
Kameras ersetzen immer öfter die Schranke
Zunehmend verbreitet sich außerdem die sogenannte Free-Flow-Maut. Dabei erfassen Kameras und Sensoren das Kennzeichen, Schranken gibt es nicht. Bezahlt wird meist online – entweder vor der Fahrt oder innerhalb einer festgelegten Frist danach. In Frankreich betrifft das unter anderem Abschnitte der A79, A13, A14 und A4. Wer die Zahlung versäumt, riskiert hohe Nachforderungen. Auch in Italien gibt es Free-Flow-Abschnitte, etwa rund um Mailand sowie auf Teilen der A33.
Wann sich eine Mautbox lohnt
Eine Mautbox kann die Fahrt erleichtern, vor allem bei regelmäßigen Reisen in mautpflichtige Länder. Sie ermöglicht die automatische Abrechnung an Stationen und auf Free-Flow-Strecken. Allerdings gilt nicht jede Box in jedem Land und nicht für alle Fahrzeugarten. Vor dem Kauf lohnt daher ein Blick auf Länderabdeckung, Fahrzeugklassen und Vertragsbedingungen.
Frankreich und Italien rechnen unterschiedlich ab
In Frankreich sind fast alle Autobahnen gebührenpflichtig, Ausnahmen gibt es unter anderem auf bestimmten Stadtautobahnen und Umfahrungen. Bezahlt wird je nach Betreiber bar, mit Kreditkarte oder über elektronische Systeme. Spuren mit „t“ sind dem Télépéage-System vorbehalten. In Italien sind viele Autobahnen mautpflichtig, Schnellstraßen dagegen meist kostenfrei. Bezahlt wird bar, mit Kreditkarte oder auf bestimmten Abschnitten nachträglich über das Free-Flow-System.
Kroatien stellt auf digitale Maut um
Kroatien nutzt bislang überwiegend ein klassisches Ticketsystem. Ab September 2026 soll die Umstellung auf elektronische Zahlung beginnen, ab 1. März 2027 soll die Maut nur noch elektronisch erfasst werden. Vorgesehen sind dann Kennzeichenregistrierung mit hinterlegtem Zahlungsmittel oder eine Mautbox. Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen wird die Box Pflicht.
Niederlande führen Lkw-Maut ein
In den Niederlanden und Belgien fallen für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen in der Regel keine Mautgebühren an. Gebührenpflichtig sind nur einzelne Tunnel. In den Niederlanden kommt ein mautpflichtiger Abschnitt der A24 bei Rotterdam hinzu, der per Free-Flow-System abgerechnet wird. Ab Juli 2026 führen die Niederlande zudem eine streckenabhängige Lkw-Maut für gewerbliche Fahrzeuge über 3,5 Tonnen ein.
Wo Autobahnen kostenlos bleiben
Polen unterscheidet zwischen privat finanzierten Autobahnen und dem öffentlichen Netz. Für Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen sind viele öffentlich finanzierte Autobahnen, Schnellstraßen und Bundesstraßen mautfrei. Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sind dagegen auf Autobahnen, Bundes- und Schnellstraßen mautpflichtig. In Spanien sind gebührenpflichtige Autobahnen an der Kennzeichnung „AP“ zu erkennen. Schnellstraßen, die sogenannten Autovías, sind kostenfrei.
Österreich setzt weiter auf die Vignette
Andere Länder setzen auf zeitgebundene Vignetten. In Österreich brauchen Motorräder, Pkw und Wohnmobile bis 3,5 Tonnen auf Autobahnen und Schnellstraßen eine Vignette. Es gibt Tages-, Zehntages-, Zweimonats- und Jahresvignetten. Digitale Vignetten für zwei Monate oder ein Jahr sind beim Online-Kauf wegen gesetzlicher Rücktrittsrechte erst nach 18 Tagen gültig. Auf einzelnen Alpenstrecken, etwa Richtung Brenner oder auf der Tauernautobahn, fällt zusätzlich Streckenmaut an.
In der Schweiz braucht auch der Anhänger eine Vignette
In der Schweiz gilt für Pkw, Motorräder, Wohnmobile, Anhänger und leichte Lkw bis 3,5 Tonnen eine Jahresvignette. Wer mit Anhänger fährt, benötigt zwei Vignetten. Für Fahrzeuge und Anhänger über 3,5 Tonnen ist die pauschale Schwerverkehrsabgabe zu zahlen, vor der Einreise online über das Via-Portal oder per App.
Schwere Wohnmobile sind ein Sonderfall
Slowenien verlangt für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen eine digitale Vignette. Der Karawankentunnel wird zusätzlich separat berechnet. Für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gilt ein kilometer- und emissionsabhängiges Mautsystem mit DarsGo-Transponder. Tschechien, die Slowakei und Ungarn nutzen ebenfalls elektronische Vignetten. Bei schweren Wohnmobilen unterscheiden sich die Regeln jedoch: In Tschechien ist ein Transponder nötig, in der Slowakei und Ungarn reicht für entsprechend zugelassene Wohnmobile eine Vignette.








