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Fahrbericht VW Crafter 4Motion: Für schweres Gelände

Mit einem Transporter über Stock und Stein? Womöglich mit bis zu 2,5 Tonnen im Laderaum? Wir haben den Extrem-Crafter getestet und werfen gleich noch einen Blick auf den Mercedes Sprinter 4x4.

Hinter uns geht's fast 45 Grad runter, vor uns steil bergauf: Das Gelände, über das wir den VW Crafter 4Motion schinden, hat es in sich. Jetzt nur nicht ins Rutschen kommen. Vorbeugend ziehen wir das gesamte Offroad-Register des Transporters, aktivieren alle Sperren und die Getriebereduktion. Geschaltet werden sie über vier Tasten links vom Lenkrad. Ein kurzes Drücken quittieren sie mit dem Leuchten einer LED.

Pneumatik sorgt für schnelle Ansprechzeiten

Den Druck auf die "4x4 Low"-Taste quittiert das Auto mit einem hörbaren Zischen. "Ein elektro-pneumatisches System aktiviert die Sperren mit Überdruck", sagt Andreas Reich. Wir glauben es ihm und hoffen, dass alles gut geht. Reich muss es wissen, er ist Kundenberater bei Achleitner in Wörgl. Das Unternehmen hat das Allradsystem für den VW Crafter entwickelt. Es soll schneller und stabiler arbeiten als diverse Unterdrucksysteme. Und tatsächlich: Mit etwas Anlauf kriecht der VW Crafter im zweiten Gang mit der Gelassenheit einer Bergziege den Hang hinauf.

Die Bergabfahrhilfe ist unverzichtbar

Kaum sind wir oben, kippt die Nasen des 3,5-Tonners schon wieder nach unten. Trotzdem setzt der um zehn Zentimeter höher gelegte Wagen nicht auf. Doch dann der Blick in die Tiefe. Gefühlt geht es fast senkrecht runter. Einem Ski-Läufer würden zwei kurze Schwünge genügen, um zu bremsen. Mit unserem Gefährt wäre das keine gute Idee. Auch haben wir gelernt: Im Gelände immer nur zaghaft bremsen, damit die Räder nicht blockieren. Denn ein normales ABS greift erst ab fünf oder sechs km/h. Doch im Crafter verhindert 4x4-System, dass die Räder blockieren und die selbst leer bereits 2,5 Tonnen schwere Fuhre unkontrolliert ins Rutschen gerät. Also Fuß von der Bremse und in die Technik vertrauen. Tatsächlich klettert der VW ebenso bedächtig runter wie vor wenigen Minuten den Berg hinauf. Der Fahrer muss nur lenken.

Auch auf der Straße macht der Crafter eine gute Figur

Im Auslauf windet sich der Weg in engen Spitzkehren. Kurz vor solchen extremen Biegungen empfiehlt es sich, das Verteilergetriebe offen zu lassen, um Verspannungen bei der anschließenden Kurvenfahrt zu vermeiden. Die extremen Bewegungen im Gelände wollen verkraftet sein. Dazu trägt unter anderem eine verschiebbare Gelenkwelle bei. Die sorgt auch für zivile Eigenschaften auf der Straße. Selbst bei Tempo 80 und schneller macht der Antriebsstrang kaum Geräusche. Für ein Geländefahrzeugen ist das nicht selbstverständlich. Noch geländegängiger geht es auf Wunsch mit einer 100-Prozent-Sperre für die Vorderachse. Damit lässt sich das volle Motor-Drehmoment auf nur ein einzelnes Rad konzentrieren. So bleibt der Crafter selbst auf Wege mit hüfttiefen Schlaglöchern nicht stecken, sofern alle Sperren eingelegt sind. Der Fahrer ist dann allerdings kaum noch in der Lage, sich in vernünftiger Position hinter dem Lenkrad zu halten.

Fragt sich nur: Wer braucht einen so geländegängigen Transporter? Freaks, die sich nur im Matsch und Kies austoben wollen? Die können sicher spaßigere Geländewagen finden. Weltenbummler? Schon eher. Doch am ehesten wird der Achleitner-Crafter wohl im gewerblichen Einsatz zum Zuge kommen. Energieversorger beispielsweise müssen oft in unwegsamem Gelände Masten setzen. Auch Windräder werden nicht unbedingt neben einem Feldweg errichtet. Und da der Achleitner-Crafter für 19.500 Euro Aufpreis nicht nur als  Kastenwagen in drei Höhen und vier Längen mit 3,5 bis fünf Tonnen Gesamtgewicht erhältlich ist, sondern auch als Kombi, kann sogar ein ganzer Bautrupp in die Pampa transportiert werden.
Voraussetzung: Unter der Haube arbeitet der 2.0 TDI mit Biturbo-Aufladung. Der leistet 163 PS und stemmt 400 Newtonmeter auf die Kurbelwelle, denn Power kann man Matsch und Schlamm nie genug haben.

Vergleich VW Crafter 4Motion vs. Mercedes Sprinter

Auch den abgesehen vom Antrieb baugleichen Mercedes Sprinter gibt es ab Werk mit Allrad und Höherlegung. Im Sprinter ist der Permanent-Allradantrieb über eine Taste zuschaltbar. Die Kraftaufteilung bei geschaltetem Allradantrieb beträgt aber 35 Prozent an der Vorderachse und 65 Prozent an der Hinterachse, währen der Crafter die Kraft permanent 50:50 verteilt und optional bis zu 100 Prozent auf ein rad bringt. Außerdem zieht sich der Crafter mit einer Gelände-Untersetzung von 1:2,5 im Notfall leichter aus dem Dreck als der Sprinter (1:1,4). Dafür punktet der Sprinter mit ESP, was dem Crafter verwehrt bleibt. Aber unterm Strich ist klar: Der VW ist das Auto für die extremen Einsätze, während der Allrad-Sprinter für moderate Einsätze gebaut wurde.

Technische Daten VW Crafter 35 Achleitner
VW Crafter 35 Achleitner
Hubraum (cm³) 1.968
Zylinder 4
Leistung kW (PS)/min 120 (163)/4.200
Drehmoment (Nm/min) 400/1.800
0–100 (s) k.A.
V-max (km/h) k.A.
Verbrauch (l/100 km) 8,7 D
CO2 (g) 229
Kofferraum (l) 7.500
Zuladung (kg) 1.015
Preis (Euro) 52.390

Autor

,

Foto

Andreas Wolf

Datum

10. April 2012
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