EU-Ladenetz: Die Dichte entscheidet

Ladeinfrastruktur in Europa
Viele Ladepunkte, aber große Lücken

Die EU meldet mehr als eine Million Ladepunkte. Deutschland liegt fast gleichauf mit den Niederlanden, bleibt bei der Dichte aber klar zurück. Doch für Dienstwagenfahrer ist genau das entscheidend.

Ladekabel steckt in der Ladebuchse eines roten Elektroautos auf einem Parkplatz.
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Mehr als eine Million Ladepunkte in der EU klingen nach einem starken Signal für Elektromobilität. Für Fuhrparkmanager, Mobilitätsverantwortliche und Dienstwagenfahrer ist die reine Zahl aber nur begrenzt hilfreich. Entscheidend ist nicht, wie viele Säulen in einem Land stehen, sondern wie dicht das Netz ist und wie stark sich Ladepunkte regional ballen. Genau hier zeigt eine Analyse der IFA Berlin deutliche Unterschiede.

Viele Ladepunkte, ungleiche Verteilung

Nach Daten des European Alternative Fuels Observatory standen Ende 2025 in der EU insgesamt 1.061.890 E-Ladesäulen zur Verfügung. Ein Jahr zuvor waren es 882.012. Der Bestand ist damit um 20 Prozent gestiegen. Allein im laufenden Jahr wurden EU-weit 23.687 neue E-Ladesäulen installiert.

Im absoluten Ranking liegen die Niederlande und Deutschland fast gleichauf. Die Niederlande führen mit 202.833 E-Ladesäulen, Deutschland folgt mit 200.830. Frankreich kommt auf 186.717 Säulen. Dahinter stehen Belgien mit 98.707 und Italien mit 70.039 Ladepunkten. Am unteren Ende des EU-Vergleichs finden sich Malta mit 113, Zypern mit 761 und Estland mit 1.976 E-Ladesäulen.

Leif Lindner, CEO der IFA Berlin, steht vor dunklem Hintergrund.
IFA Berlin

Leif Lindner ist CEO der IFA Berlin. Die Messe hat die Ladeinfrastruktur für alternative Kraftstoffe in der EU analysiert.

Deutschland fällt bei der Dichte zurück

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn die Ladepunkte ins Verhältnis zur Landesfläche gesetzt werden. Die Niederlande kommen auf 4,88 E-Ladesäulen pro Quadratkilometer. Belgien erreicht 3,03, Luxemburg 1,25. Deutschland liegt mit 0,56 E-Ladesäulen pro Quadratkilometer auf Platz fünf hinter Dänemark, das auf 1,17 kommt.

Für Flotten ist dieser Unterschied relevanter als die reine Gesamtzahl. Ein dichtes Netz kann Ladeplanung, Zwischenstopps und Einsatzplanung erleichtern. Eine große absolute Zahl sagt dagegen wenig darüber aus, ob Ladepunkte entlang bestimmter Routen, an Unternehmensstandorten oder in weniger dicht besiedelten Regionen verfügbar sind. Die Entwicklung zeige, „wie stark Elektromobilität und neue Mobilitätsformen in Europa zulegen“, sagt Leif Lindner, CEO der IFA Berlin.

NRW hat die meisten deutschen Ladepunkte

Für Deutschland nennt die Pressemitteilung zusätzlich Zahlen der Bundesnetzagentur. Zum 1. März 2026 waren bundesweit 198.384 E-Ladesäulen registriert. Die meisten Ladepunkte gibt es in Nordrhein-Westfalen mit 39.148, Bayern mit 37.918 und Baden-Württemberg mit 34.167. Niedersachsen folgt mit 19.511, Hessen mit 15.600.

Auch innerhalb Deutschlands zeigt sich der Unterschied zwischen Menge und Dichte. Bei der Zahl der Ladepunkte liegen die großen Flächenländer vorne. Bei der Dichte führen dagegen die Stadtstaaten: Berlin kommt auf 7,77 E-Ladesäulen pro Quadratkilometer, Hamburg auf 6,40 und Bremen auf 4,75.

Osten hat weniger Ladepunkte für E-Autos

Die geringste Ladepunktdichte weist die Analyse für mehrere ostdeutsche Bundesländer aus. Mecklenburg-Vorpommern kommt auf 0,13 E-Ladesäulen pro Quadratkilometer, Brandenburg auf 0,16, Sachsen-Anhalt auf 0,17, Thüringen auf 0,25 und Sachsen auf 0,38. Für Dienstwagenfahrer und Flotten mit Einsatzgebieten außerhalb der Ballungsräume bleibt die regionale Betrachtung damit wichtig.

Die IFA Berlin hat für ihre Untersuchung die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe in den EU-Mitgliedsstaaten betrachtet. Grundlage für die EU-Zahlen sind Daten des European Alternative Fuels Observatory. Für Deutschland wurden zusätzlich Daten der Bundesnetzagentur mit Stand März 2026 genutzt. Die Pressemitteilung weist darauf hin, dass sich die Deutschlandwerte wegen unterschiedlicher Quellen und Erhebungszeitpunkte von den EU-Vergleichsdaten unterscheiden können.