Amperfied: Ladepunkte richtig betreiben

Interview mit Amperfied-Saleschef Marco Flach
„Wir verdienen nur, wenn der Ladepunkt läuft“

Amperfied will Ladeinfrastruktur nicht nur liefern, sondern dauerhaft betreiben. Vertriebschef Marco Flach erklärt im Interview, warum Verfügbarkeit, Backend, Abrechnung und Service wichtiger werden.

Marco Flach von Amperfied vor Ladeinfrastruktur mit Heidelberg-Logo.
Foto: Nicole Holzer

Viele Unternehmen haben Ladepunkte installiert, aber noch keine verlässliche Ladeinfrastruktur. Entscheidend ist nicht die Zahl der Wallboxen, sondern ob sie im Betrieb funktionieren, überwacht werden und sauber abrechnen. Amperfied will sich deshalb stärker als Betriebs- und Servicepartner positionieren. Vertriebschef Marco Flach erklärt, warum Verfügbarkeit zur Kennzahl wird, wo Ladeprojekte häufig haken und weshalb der Blick auf die Gesamtkosten wichtiger ist als der reine Hardwarepreis.

Herr Flach, Amperfied kommt aus der Ladehardware. Warum reicht es heute nicht mehr, Unternehmen einfach Ladepunkte zu verkaufen?

Weil Ladeinfrastruktur im gewerblichen Einsatz kein reines Hardwarethema mehr ist. Ein Ladepunkt muss nicht nur montiert und angeschlossen sein, sondern dauerhaft funktionieren, überwacht werden und sauber abrechnen. Unser Geschäftsmodell geht deshalb stärker in Richtung technischer Betriebsführung, Service und Verfügbarkeit. Entscheidend ist am Ende nicht, dass eine Ladesäule steht, sondern dass sie im Betrieb zuverlässig verfügbar ist.

Viele Unternehmen haben inzwischen Ladepunkte. Ab wann ist ein Ladepark wirklich betriebstauglich?

Ein Ladepunkt ist nicht schon betriebstauglich, nur weil er montiert und angeschlossen ist. Entscheidend ist, dass er im Backend hinterlegt ist und wir die relevanten Betriebsdaten sehen können. Dazu gehören, ob der Ladepunkt online ist, ob eine Störung vorliegt, ob gerade geladen wird und mit welcher Leistung. Erst dann kann eine technische Betriebsführung stattfinden.

Was bedeutet technische Betriebsführung konkret?

Wir überwachen die technischen Daten der Ladeinfrastruktur. Also nicht nur, ob ein Ladepunkt grundsätzlich erreichbar ist, sondern auch, wie Spannung und Strom aussehen und ob sich technische Probleme abzeichnen. Vereinfacht gesagt: Wir sehen, ob es der Wallbox oder dem Schnelllader gut geht oder ob Unterstützung nötig wird. Genau daraus entsteht der Unterschied zwischen installierter und betriebener Ladeinfrastruktur.

Sie sprechen von Verfügbarkeit als zentraler Kennzahl. Was lässt sich tatsächlich garantieren?

Das hängt stark vom Einsatzfall ab. Eine AC-Wallbox auf einem Firmenparkplatz hat andere Anforderungen als ein DC-Schnelllader in der Logistik. Bei klassischen Wallboxen sind längere Service-Level-Agreements üblich. Wenn aber Lkw oder Transporter nach festen Ladefenstern geplant werden, braucht es engere Reaktionszeiten oder ein Modell mit Verfügbarkeitsgarantie. In der Logistik kann ein ausgefallener Ladepunkt den Betrieb direkt stören.

Mit unserem Geschäftsmodell UptimePrime können wir die Verfügbarkeit der Ladepunkte europaweit über das Heidelberg-Servicenetzwerk absichern. Grundlage dafür sind rund 2.200 Servicetechniker von Heidelberg sowie unsere eigenen Logistiknetzwerke. Dadurch können wir unter anderem Ersatzteile eigenständig verzollen und deutlich verkürzte Lieferzeiten sicherstellen.

Wie wollen Sie Ausfälle vermeiden?

Über technische Betriebsführung und Predictive Maintenance. Wir überwachen relevante Daten der Ladeinfrastruktur und können Wartung planbarer machen. Wenn sich etwa bei einem Schnelllader ein Austausch von Komponenten abzeichnet, kann der Serviceeinsatz vorbereitet werden, bevor der Ladepunkt ausfällt. Das ist der Unterschied zu rein reaktivem Service, bei dem erst gehandelt wird, wenn der Ladepunkt nicht mehr verfügbar ist.

Viele Unternehmen haben Ladepunkte unterschiedlicher Hersteller im Bestand. Können Sie solche gemischten Anlagen betreiben?

Ja, unser Service ist herstellerunabhängig angelegt. Wir betreuen Ladeinfrastruktur unterschiedlicher Anbieter und übernehmen sie in unser Backend. Unsere Servicemitarbeiter verfügen dafür über entsprechende Qualifikationen und Zertifikate, auch für eichrechtskonforme Systeme. Gerade bei Bestandsanlagen ist das wichtig, weil Unternehmen häufig über mehrere Jahre unterschiedliche Hardware aufgebaut haben.

Welche Unterschiede gibt es bei der Abrechnung?

Es gibt Wallboxen ohne Eichrecht, etwa für private Anwendungen, und Systeme mit MID-Zähler, die häufig im halböffentlichen Bereich oder beim Laden von Dienstwagen zuhause eingesetzt werden. Andere Unternehmen setzen konsequent auf eichrechtskonforme Ladeinfrastruktur. Welche Lösung passt, hängt vom Kunden und vom konkreten Einsatz ab. Entscheidend ist, ob Strom nur intern genutzt oder auch gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten oder externen Nutzern abgerechnet werden soll.

Amperfied verweist auf große Referenzen wie SAP und Siemens Energy. Geht es dabei eher um neue Ladepunkte oder um den Betrieb bestehender Infrastruktur?

Beides. Bei SAP wurden bestehende Ladepunkte in unser Backend übertragen, inklusive Ladekarten und App für mehrere Tausend Mitarbeitende mit Elektro- und Hybridfahrzeugen. Das zeigt gut, dass es nicht nur um den Neubau von Ladeinfrastruktur geht. Genauso wichtig sind Migration, Verwaltung und laufender Betrieb vorhandener Ladepunkte. Wir sehen monatlich weiteren Zubau in unserem Backend, sowohl bei Großkunden als auch im klassischen Hardwaregeschäft.

Woran scheitern gewerbliche Ladeprojekte am häufigsten?

Oft nicht an der Ladesäule selbst. Wenn ein Standort neu aufgebaut wird, kommen schnell Themen wie Bodengutachten, Tiefbau, Fundamente und Netzanschluss dazu. Das sind häufig die großen Hürden und Kostentreiber. Die Ladeinfrastruktur ist dann nicht selten das kleinere Problem.

Welche Rolle spielt der Netzanschluss?

Eine sehr große. Besonders bei DC-Ladeleistung für Transport und Logistik braucht es eine passende Anschlussleistung. Ein Mittelspannungsanschluss mit eigenem Trafo kann dort sinnvoll sein. Dann lassen sich die Stärken eines DC-Systems überhaupt erst ausspielen. Reicht die verfügbare Leistung nicht aus, müssen Unternehmen über Batteriespeicher nachdenken, um Leistung zu puffern und Lastspitzen abzufangen.

Welche Rolle spielt Photovoltaik?

Photovoltaik wird wichtiger, löst aber nicht jedes Problem allein. Man muss immer mit dem Netzbetreiber klären, welche Leistung am Standort verfügbar ist. Wenn diese Leistung nicht ausreicht, braucht es häufig zusätzlichen Speicher. Gerade beim Schnellladen reicht eine PV-Anlage allein oft nicht aus, weil sehr hohe Ladeleistungen gebraucht werden. Dann kann ein Batteriespeicher helfen, Lastspitzen zu puffern.

Amperfied will Unternehmen auch befähigen, selbst Ladepunktbetreiber zu werden. Wie realistisch ist das?

Das ist realistisch, wenn Betrieb, Abrechnung und technische Prozesse sauber aufgesetzt sind. Mit BusinessPRIME richten wir uns an Unternehmen, die Strom an eigene Fahrzeuge, aber auch an Kunden, Lieferanten oder andere Nutzer verkaufen wollen. Das kann mit AC-Ladepunkten funktionieren, aber auch mit DC-Schnellladetechnik. Wir stellen Backend, Betrieb und Abrechnung bereit, der Kunde kann seine Ladeinfrastruktur wirtschaftlich nutzen.

Welche Auslastung braucht ein Standort, damit sich Ladeinfrastruktur rechnet?

Das hängt stark von der Technik ab. AC-Wallboxen haben häufig eine niedrigere Auslastung, sind aber auch deutlich günstiger. Bei DC-Schnellladeinfrastruktur liegen die Investitionen schnell im sechsstelligen Bereich. Dort braucht es aus unserer Sicht mehr als 15 Prozent Auslastung pro Ladepunkt, damit der Betrieb wirtschaftlich sinnvoll wird.

Was raten Sie einem Unternehmen mit etwa 100 Fahrzeugen, das jetzt elektrifizieren will?

Nicht nur auf den Preis der Ladehardware schauen. Entscheidend ist die gesamte TCO, also die Total Cost of Ownership. Dazu gehören Betrieb, Service, Verfügbarkeit, Abrechnung und interne Ressourcen. Wenn ein Unternehmen für die Betriebsführung eigene Kapazitäten aufbauen muss, kann das teuer werden. Deshalb lohnt sich der Blick auf den gesamten Prozess, nicht nur auf die einzelne Wallbox.

Was unterscheidet Amperfied heute vom klassischen Hardwaregeschäft?

Wir entwickeln und liefern weiterhin eigene AC- und DC-Ladelösungen. Aber unser Geschäftsmodell geht darüber hinaus. Wir übernehmen Betrieb, Monitoring, Service, Abrechnung und Verfügbarkeitsmanagement. Mit UptimePrime garantieren wir Ladepunktverfügbarkeit europaweit über das Heidelberg-Servicenetzwerk, mit BusinessPRIME können Kunden selbst als Ladepunktbetreiber auftreten. Kurz gesagt: Entscheidend ist nicht mehr nur, welche Ladesäule installiert wird, sondern ob sie dauerhaft funktioniert.