CAM: China-Marken wachsen, EU-Hersteller verlieren

CAM-Analyse zum europäischen Automarkt
China wächst, Hersteller aus Europa verlieren

Der CAM Electromobility Report zeigt Europas Herstellermarkt in Bewegung: China-Marken wachsen stark, gleichzeitig verlieren Renault, Hyundai, Toyota und Ford Marktanteile - während Tesla wieder zulegt.

Collage mit Renault Clio und Leapmotor B10 im Herstellervergleich mit Pfeilen für Marktanteilsentwicklung
Foto: Renault/Leapmotor

Der europäische Automarkt wächst 2026 nur moderat, doch im Herstellervergleich verschieben sich die Gewichte deutlich. Nach einer Kurzanalyse des Center of Automotive Management (CAM) wurden in Europa einschließlich EU, EFTA und Großbritannien von Januar bis Mai 2026 insgesamt 5,82 Millionen Pkw neu zugelassen, ein Plus von 4,5 Prozent. Die Elektromobilität liefert dabei den Rahmen: 1,25 Millionen reine Elektroautos bedeuten einen BEV-Anteil von 21,5 Prozent. Auffälliger als der Hochlauf selbst ist jedoch die Dynamik einzelner Herstellergruppen.

Renault, Hyundai, Toyota und Ford verlieren

Zu den Marktanteilsverlierern zählen laut CAM unter anderem Renault, Hyundai und Toyota. Ford muss mit minus 16,9 Prozent deutliche Rückgänge hinnehmen. BMW und Mercedes können ihre Marktanteile in etwa stabilisieren. Tesla erholt sich dagegen mit einem Plus von 57,2 Prozent weiter.

Prof. Dr. Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, im Gespräch über die wirtschaftliche Lage der Automobilhersteller 2025
CAM

Prof. Dr. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management ordnet den europäischen Automarkt als Transformationsphase ein. Laut CAM verschieben Elektromobilität, Software, Kostenstrukturen und Kundenerwartungen die Kräfteverhältnisse zwischen den Herstellern.

CAM-Studienleiter Stefan Bratzel sieht darin keine normale zyklische Marktphase. Die Automobilindustrie befinde sich mitten in einer tiefgreifenden Transformation. Die Elektromobilität stelle etablierte Erfolgslogiken, Kostenstrukturen und Produktstrategien infrage. Entscheidend werde laut Bratzel, welche Hersteller bei elektrischen Fahrzeugen, Software, Kosten und Kundenerlebnis wettbewerbsfähig bleiben.

Volkswagen bleibt Europas Nummer eins

Der Volkswagen-Konzern behauptet mit 1.501.669 Neuzulassungen seine Marktführerschaft in Europa, wächst aber nur um ein Prozent. Innerhalb des Konzerns läuft das Geschäft unterschiedlich: Škoda legt um elf Prozent zu, Audi um 6,7 Prozent. Die Marke Volkswagen verliert dagegen vier Prozent. Auch Cupra, Seat und Porsche liegen im Minus.

Stellantis kommt auf 905.444 Neuzulassungen und wächst um 5,3 Prozent. Opel legt kräftig zu, insgesamt bleibt die Erholung aber begrenzt. Damit halten die großen europäischen Hersteller zwar ihre Volumenpositionen, wirken im Vergleich zu den chinesischen Anbietern jedoch deutlich weniger dynamisch.

BYD, Chery und Leapmotor legen stark zu

Die chinesischen Hersteller kommen laut CAM in den ersten fünf Monaten 2026 in Europa bereits auf 619.353 Neuzulassungen. Das entspricht einem Plus von 61,2 Prozent. Die größten Volumen erzielen Geely mit 176.676 Zulassungen, SAIC mit 141.490 Einheiten und BYD mit 135.307 Fahrzeugen.

Besonders auffällig sind die Wachstumsraten: BYD legt um 145 Prozent zu, Chery um 316 Prozent und Leapmotor um 552 Prozent. Diese Zuwächse kommen zwar von niedrigeren Ausgangsniveaus als bei europäischen Volumenherstellern. Sie zeigen aber, wie schnell chinesische Marken ihre Präsenz in Europa ausbauen.

BYD Seal 08 2026
SP-X/Tomas Hirschberger

BYD zählt laut CAM zu den chinesischen Herstellern mit starkem Wachstum in Europa. Von Januar bis Mai 2026 kam die Marke auf 135.307 Neuzulassungen und legte um 145 Prozent zu.

Deutschland bleibt größter BEV-Markt

Deutschland ist mit 283.949 BEV-Neuzulassungen weiterhin der größte Elektroautomarkt Europas. Dahinter folgen Großbritannien mit 220.629 und Frankreich mit 185.711 BEV. Bei den Quoten liegen jedoch andere Länder vorn: Norwegen erreicht 98 Prozent BEV-Anteil, Dänemark 80,1 Prozent, Finnland 47,7 Prozent und Schweden 40,8 Prozent.

Der europäische Markt zeigt damit zwei Ebenen: hohe Stückzahlen in den großen Ländern, hohe Elektroquoten vor allem in Skandinavien. Für die Hersteller bedeutet das ein schwieriges Umfeld mit sehr unterschiedlichen Marktbedingungen. Während europäische Konzerne ihre starke Basis verteidigen, nutzen chinesische Anbieter den elektrischen Wandel zunehmend für Wachstum.