China-Autowerke: Keine Produktion in Deutschland

Chinesische Autobauer in Europa
China baut in Europa, aber nicht in Deutschland

BYD, Chery, XPeng und Geely erweitern ihre Produktion in Europa. In Deutschland entsteht bislang kein chinesisches Pkw-Werk – trotz freier Kapazitäten und wachsendem Druck auf die Branche.

Ein EBRO-Fahrzeug durchläuft im Werk in Barcelona eine beleuchtete Qualitätskontrolle. Chery produziert dort gemeinsam mit EV Motors.
Foto: Chery Group / EBRO

Chinesische Autohersteller bauen ihre Fertigung in Europa aus. Deutschland spielt dabei bislang jedoch keine Rolle. Aktuell besitzt kein chinesischer Hersteller ein eigenes Pkw-Produktionswerk in der Bundesrepublik. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor.

Geely und SAIC bauen Kapazitäten aus

Die neuen Kapazitäten entstehen stattdessen in Spanien, Ungarn, Österreich, Belgien und der Slowakei. Chery produziert im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona, XPeng lässt Elektroautos beim Auftragsfertiger Magna in Österreich montieren. BYD errichtet ein Werk im ungarischen Szeged, das noch 2026 die Produktion aufnehmen soll. Auch der Geely-Konzern verfügt über mehrere Standorte. Über Volvo werden Fahrzeuge in Schweden gefertigt, zusätzlich ist eine Produktion in Belgien vorgesehen. In der Slowakei entsteht ein neues Werk für Elektroautos. SAIC plant, 2028 mit dem Bau einer Fabrik in Spanien zu beginnen.

Deutschland bleibt nur Absatzmarkt

Damit zeichnet sich eine klare Rollenverteilung ab: Deutschland ist für chinesische Hersteller ein wichtiger Absatzmarkt, an der zusätzlichen industriellen Wertschöpfung beteiligt sich der Standort bislang jedoch kaum. Das fällt in eine Phase, in der deutsche Hersteller Werke schwächer auslasten, Stellen abbauen und nach neuen Nutzungsmöglichkeiten für bestehende Fabriken suchen.

Gerade freie Kapazitäten galten als mögliche Chance. Hintergrund der Anfrage waren Berichte über Gespräche chinesischer Autobauer mit europäischen Herstellern zur Nutzung nicht ausgelasteter Werke. Eine Produktion innerhalb der EU könnte zudem Transportwege verkürzen und die Belastung durch europäische Zusatzzölle reduzieren.

Sind deutsche Standort nicht wettbewerbsfähig?

Dass entsprechende Projekte bislang an Deutschland vorbeigehen, wirft Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts auf. Die Bundesregierung nennt dafür allerdings keine Gründe. Offen bleibt, ob Kosten, Energiepreise, Genehmigungsverfahren oder politische Rahmenbedingungen Investitionen verhindern.

Seit 2020 haben chinesische Autohersteller oder verbundene Unternehmen zudem keine Fördermittel aus der Förderrichtlinie Elektromobilität für Produktions-, Entwicklungs-, Batterie- oder Softwarestandorte in Deutschland erhalten. Während andere europäische Länder neue Projekte anziehen, bleibt Deutschland damit vorerst außen vor.