Dataforce: E-Autos lösen Verbrenner ab

Dataforce vergleicht Pkw und Nutzfahrzeuge
Immer mehr E-Autos, Diesel bleibt im Geschäft

Die neue Dataforce-Analyse sieht BEVs bei Pkw vor dem Durchbruch. Bei Transportern und schweren Nutzfahrzeugen zeigt sich jedoch ein deutlich langsamerer Wandel mit anderer Dynamik.

Collage mit Elektroauto und E-Transporter beim Laden an einer Ladesäule
Foto: © RgStudio/Getty Images Signature und Kanpisut/Jookiko via Canva.com

Die Elektrifizierung des europäischen Fahrzeugmarkts gewinnt an Tempo. Doch der Hochlauf verläuft nicht in allen Segmenten gleich schnell. Eine neue Dataforce-Analyse zeigt: Bei Pkw dürfte der Kipppunkt noch vor Ende des Jahrzehnts erreicht werden. Bei Nutzfahrzeugen bleibt der Abstand zwischen politischen Vorgaben, Modellangebot und betrieblicher Realität deutlich größer.

Dataforce sieht BEV-Anteil bei 53 Prozent

Laut Dataforce EU Vehicle Market Insights Report 2026 sollen batterieelektrische Pkw in Europa bis 2031 zur führenden Antriebsart werden. Die erste Infografik verdeutlicht den Richtungswechsel: Während Verbrenner – zusammengefasst aus Benzin und Diesel – von 56 Prozent Marktanteil im Jahr 2025 auf 22 Prozent im Jahr 2031 zurückfallen sollen, steigt der BEV-Anteil im selben Zeitraum von 20 auf 53 Prozent. Bereits 2026 sieht Dataforce den BEV-Anteil bei 22 Prozent, der Anteil klassischer Verbrenner liegt dann noch bei 51 Prozent. Der Schnittpunkt der Kurven liegt nach der Prognose rund um das Jahr 2030.

Dataforce-Grafik zur Prognose von BEV und Verbrennern bei Pkw-Neuzulassungen in Europa bis 2031
Dataforce

Laut Dataforce sollen batterieelektrische Pkw in Europa bis 2031 einen Marktanteil von 53 Prozent erreichen. Verbrenner aus Benzin und Diesel fallen in der Prognose auf 22 Prozent.

Getrieben wird diese Entwicklung laut Dataforce vor allem durch strengere EU-CAFE-Ziele, die Dienstwagenbesteuerung, eine verbesserte Total Cost of Ownership und den Ausbau der Ladeinfrastruktur. In Europa überschritten öffentliche Ladepunkte 2025 die Marke von einer Million. Gleichzeitig verweist Dataforce auf weiter bestehende Hürden: Die Ladeinfrastruktur ist regional ungleich verteilt, und der Zugang zu privatem Laden bleibt nicht überall gegeben. Gerade diese Unterschiede prägen den weiteren Markthochlauf.

Hybride bleiben Übergangstechnik

Im Pkw-Segment erwartet Dataforce einen deutlichen Strukturwechsel. Benziner und Diesel verlieren in der Prognose kontinuierlich Marktanteile, während batterieelektrische Fahrzeuge zur dominierenden Antriebsart aufsteigen. Der Verbrenner bleibt damit zwar noch mehrere Jahre relevant, verliert aber seine Rolle als Standardantrieb bei Neuzulassungen.

Hybride bleiben in dieser Phase Teil des Übergangs. Vollhybride und Plug-in-Hybride profitieren weiterhin von ihrer Flexibilität und helfen Herstellern, CO₂-Vorgaben einzuhalten. Langfristig rechnet Dataforce jedoch damit, dass beide Technologien an Dynamik verlieren, sobald BEVs preislich, technisch und infrastrukturell breiter nutzbar werden.

Dataforce-Grafik zum BEV-Anteil bei leichten und schweren Nutzfahrzeugen in europäischen Flotten
Dataforce

Bei leichten Nutzfahrzeugen stieg der BEV-Anteil in echten Flotten laut Dataforce bis 2025 auf 11,4 Prozent. Schwere Nutzfahrzeuge bleiben mit 1,9 Prozent deutlich zurück.

Diesel bleibt bei LCV klar vorn

Bei leichten Nutzfahrzeugen zeigt sich ein anderes Bild. Die zweite Infografik weist für batterieelektrische LCV in echten Flotten einen Anstieg von 6,4 Prozent im Jahr 2022 auf 11,4 Prozent im Jahr 2025 aus. Dazwischen lag der Anteil 2023 bei 8,5 Prozent und 2024 bei 7,3 Prozent. Der Hochlauf ist damit sichtbar, aber nicht linear.

Dataforce führt die Entwicklung unter anderem auf regulatorischen Druck in Städten, die Nachfrage im Bereich der letzten Meile und ein wachsendes Angebot elektrischer Transporter zurück. Auch die Betriebskosten verbessern sich in bestimmten Einsatzprofilen. Dennoch bleibt Diesel in diesem Segment klar dominant. 2025 entfielen weiterhin mehr als 80 Prozent der Registrierungen leichter Nutzfahrzeuge auf Dieselmodelle.

Plug-in-Hybride spielen bei Nutzfahrzeugen keine Rolle

Plug-in-Hybride spielen bei leichten Nutzfahrzeugen nur eine begrenzte Rolle. Laut Dataforce werden sie dort selektiv genutzt, vor allem wenn Unternehmen Emissionsvorgaben und operative Flexibilität miteinander verbinden wollen. Ihr Beitrag bleibt nach Einschätzung der Studie jedoch eher ein Übergangsphänomen.

Noch deutlicher ist der Rückstand bei schweren Nutzfahrzeugen. Bei HCV-Flotten stieg der BEV-Anteil laut Dataforce von 0,4 Prozent im Jahr 2022 auf 1,9 Prozent im Jahr 2025. Busse sind in dieser Betrachtung ausgenommen. Trotz des Wachstums bleibt der elektrische Anteil damit sehr niedrig.

Elektrischer Lkw lädt an einem Ladepunkt auf einem Betriebsgelände
Fryte

Bei schweren Nutzfahrzeugen steht die Elektrifizierung laut Dataforce noch am Anfang. Hohe Energiebedarfe und fehlende Ladeinfrastruktur bremsen den Hochlauf.

Diesel dominiert den Schwerverkehr

Diesel hält in diesem Segment weiterhin mehr als 95 Prozent Marktanteil. Dataforce nennt dafür strukturelle Gründe: begrenzte Ladeinfrastruktur, lange Ladezeiten an Pkw-Ladepunkten und hohe Energieanforderungen im Langstreckentransport. Alternative Kraftstoffe wie LNG oder andere gasbasierte Lösungen bleiben in einzelnen Märkten präsent, dienen aber vor allem als Zwischenlösung.

Die Dataforce-Prognose zeigt eine klare Richtung, aber keinen gleichmäßigen Verlauf. Der Pkw-Markt bewegt sich deutlich in Richtung BEV. Leichte Nutzfahrzeuge folgen, allerdings mit Schwankungen und weiterhin hoher Dieselabhängigkeit. Schwere Nutzfahrzeuge stehen dagegen erst am Anfang der Elektrifizierung.

Damit entsteht ein differenziertes Bild des europäischen Fahrzeugmarkts: Die Batterie setzt sich bei Pkw schneller durch, während Nutzfahrzeuge deutlich stärker von Einsatzprofil, Infrastruktur und technischen Grenzen geprägt bleiben. Die E-Wende kommt also nicht als einheitliche Bewegung, sondern je nach Fahrzeugklasse mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit.

Keyfacts der Studie

  • BEVs werden laut Dataforce bei Pkw vor 2030 zur führenden Antriebsart.
  • Bis 2031 soll ihr Pkw-Marktanteil auf 53 Prozent steigen.
  • Verbrenner fallen im Pkw-Markt bis 2031 auf 22 Prozent zurück.
  • Treiber sind CO₂-Regeln, TCO, Dienstwagensteuer und Ladeausbau.
  • Bei LCV-Flotten stieg der BEV-Anteil 2022 bis 2025 von 6,4 auf 11,4 Prozent.
  • Diesel bleibt bei leichten Nutzfahrzeugen mit über 80 Prozent dominant.
  • Bei schweren Nutzfahrzeugen liegt der BEV-Anteil 2025 erst bei 1,9 Prozent.