50 Fuhrparkverantwortliche, 37 Testwagen, zum Glück kein Regen und ab und zu sogar Sonne: Der firmenauto test drive in Schkeuditz hat gezeigt, wie weit die Antriebswende in den Flotten schon ist. Wer an der Schlüsselausgabe nach einem reinen Verbrenner fragte, ging leer aus.
29 Stromer, acht Hybride
Alle 37 Fahrzeuge waren elektrifiziert, 29 fuhren rein elektrisch, die übrigen acht als Mild-, Voll- oder Plug-in-Hybrid. Damit liegt das Testfeld deutlich vor dem Markt, der aber ebenfalls zulegt: Im September erreichten reine Stromer laut KBA mit 34,5 Prozent einen Rekordanteil. Im Flottenmarkt legten sie laut Dataforce um 54 Prozent zu, inzwischen ist jeder dritte neue Firmenwagen ein reines E-Auto.
Vom Twingo bis zum Lucid Gravity
Zwischen dem kleinsten und dem größten Testwagen lagen Welten. Der Renault Twingo passt in jede Innenstadtlücke, für den rund fünf Meter langen Lucid Gravity nimmt man im Parkhaus besser Maß. Besonders viel Aufmerksamkeit bekamen ausgerechnet zwei Kleine: der neue Twingo und der Cupra Raval, der gleich in zwei Varianten bereitstand. Jeanette Kiepsch von der Berliner Sparkasse nennt den Twingo „absolut stadttauglich“. Für Familien standen Renault Scenic, Ford Explorer und Dacia Jogger bereit, für die Chefetage Porsche Cayenne Electric und Macan Electric, Genesis GV60 und elektrischer Mercedes GLC. Wer es sportlich mag, drehte eine Runde in der Alpine A290 GTS oder im Hybrid-Coupé Honda Prelude.
Transporter: Im Markt Diesel, hier mit Stecker
Bei den Transportern hält der Diesel im Markt noch die Stellung und kommt auf knapp drei Viertel der Neuzulassungen. In Schkeuditz fuhren dagegen beide Transporter mit Stecker: der Mercedes eSprinter rein elektrisch, der Ford Transit Custom als Plug-in-Hybrid. Das Interesse war groß. Uli Heppenstiel von der Hartmann Automotiv Holding kann sich den Umstieg vorstellen. „Unsere Hausmeister und Servicetechniker fahren heute Diesel, aber nur lokal. Da spricht eigentlich nicht viel gegen einen Elektrotransporter“, sagt er und lobt am eSprinter Wendekreis und Rundumkamera. Jens Wiederhold vom Deutschen Roten Kreuz hatte beim eSprinter einen „Aha-Effekt, der uns sehr begeistert hat“.
Mercedes VLE: Erste Fahrten für die Öffentlichkeit
Der Mercedes VLE feierte in Schkeuditz Premiere: Den elektrischen Großraum-Van, noch ein Vorserienmodell, durfte die Öffentlichkeit hier zum ersten Mal selbst fahren. Bestellbar ist der VLE seit April. Fast genauso neu ist der Skoda Peaq: Mit 4,87 Metern ist es das größte SUV der Marke, auf Wunsch gibt es eine dritte Sitzreihe. Dazu brachte Skoda den kompakten Epiq mit. Ebenfalls neu im Markt sind der Hyundai Ioniq 3, der VW ID. Polo, die elektrische Mercedes C-Klasse und der Volvo EX60.
BYD und Zeekr gegen VW, Mercedes und Skoda
BYD und Zeekr traten in Schkeuditz direkt gegen VW, Mercedes und Skoda an. Obwohl BYD vor allem für Elektroautos steht, brachte die Marke neben dem elektrischen Sealion 7 zwei Plug-in-Hybride mit: den neuen Kleinwagen Dolphin G DM-i und den Kombi Seal 6 DM-i Touring. Zeekr zeigte den Shooting Brake 7GT.Die Nachfrage wächst, das Vertrauen noch nicht ganz. In einer AlixPartners-Befragung meidet rund ein Drittel der Verbraucher Autos chinesischer Herkunft bewusst. Auch unter den Fuhrparkverantwortlichen gehen die Meinungen auseinander. „Ich habe kein Thema mit den Chinesen. So ein Auto kann ich auch für ein halbes Jahr abonnieren. Man muss ja nicht gleich vier Jahre leasen“, sagt Heppenstiel.
Erst probefahren, dann Kollegen beraten
Für viele Teilnehmer ist der direkte Vergleich der wichtigste Grund zu kommen. „Für mich ist wichtig, dass ich selbst ausprobieren kann. Dann kann ich Kollegen raten, sich dieses oder jenes Modell anzuschauen, wenn sie mit bestimmten Anforderungen kommen“, sagt Kiepsch. Andere brauchen den Überblick, weil ihre Fahrer selbst wählen dürfen. „Die Elektrifizierung geht immer weiter. Hier informieren wir uns, was der Markt hergibt“, sagt Sebastian Lehmann von den Elster Werken.
Fuhrpark per Excel und Bauchgefühl
Zwischen den Probefahrten lieferten drei kurze Vorträge Stoff für Diskussionen. Christian Reiter von der Dekra Akademie hielt den Teilnehmern den Spiegel vor: Der Fuhrpark sei oft der einzige Millionenbereich im Unternehmen, der mit Excel und Bauchgefühl gesteuert werde. Wie teuer das werden kann, zeigte er am Laden. Ein Mittelklasse-Dienstwagen mit 30.000 Kilometern im Jahr verbraucht beim Laden in der Firma Strom für rund 1.500 Euro, wer nur öffentlich lädt, zahlt bis zu 5.100 Euro. Bei 50 E-Autos summiert sich der Unterschied auf 180.000 Euro im Jahr.Matti Fichtner von EnBW mobility+ rechnete vor, was Roaming kostet. In seinem Beispiel zahlt eine Flotte an fremden Säulen rund 62 Cent pro Kilowattstunde, im EnBW-Netz knapp 39 Cent. Verlagern die 50 Fahrer ein Fünftel ihrer Ladevorgänge ins eigene Netz, spart das Unternehmen rund 13.400 Euro im Jahr.
Opel Astra Electric schlägt den Verbrenner
Christian Kipf von der Deutschen Leasing berichtete, dass die hohen Spritpreise viele Kunden inzwischen von sich aus zum Umstieg bewegen. Selbst im ungünstigsten Fall, wenn nur öffentlich für 60 Cent pro Kilowattstunde geladen wird, ist ein Opel Astra Electric in seiner Vollkostenrechnung über 36 Monate monatlich 12 Euro günstiger als der Verbrenner. Dazu kommen aktuell rund 300 Euro THG-Quote pro E-Auto und Jahr.
Die richtigen Ansprechpartner für Fuhrparkleiter
Ebenso wichtig wie Fahrten und Vorträge war vielen der Austausch. „Ich war schon mehrfach hier. Man kommt gut mit den Vertretern der Hersteller ins Gespräch, das sind die richtigen Ansprechpartner für Großkunden. Und die Vorträge stoßen Dinge an, die man sonst vielleicht nicht auf dem Schirm hat“, sagt Wiederhold. Gunnar Jäßing von der etna GmbH zieht ein ähnliches Fazit: „Die Veranstaltung hat ein hohes Niveau. Es gibt viele Infos durch die Vorträge, viele neue Fahrzeuge und eine wirklich sehr gute Betreuung durch das firmenauto-Team.“
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21. Oktober 2026: Taufkirchen (Raum München)
27. Oktober 2026: Hannover







