Mit dem External Collaboration Research Institute, kurz ECRI, vermarktet Geely seit Ende 2021 seine Fahrzeugtechnik an andere Autohersteller. Das Angebot reicht von Ingenieurs-Leistungen über Crashtests bis zu kompletten Fahrzeugen. Im Gespräch erklärt Präsidentin Xiaojuan Wang, warum der Konzern seine Technologie mit Wettbewerbern teilt, wie sie Kundenprojekte voneinander abschottet und weshalb sie die Konsolidierung des chinesischen Automobilmarktes für unausweichlich hält.
Was für ein Unternehmen ist ECRI? Wie würden Sie es beschreiben?
Wang: ECRI ist Teil der Forschungs- und Entwicklungszentren von Geely Auto und wurde Ende 2021 gegründet. Heute arbeiten mehr als 800 Menschen für das Unternehmen. Dahinter steht jedoch ein deutlich größeres Netzwerk. Für externe Projekte können Teams aus anderen Bereichen hinzugezogen werden, und aktuell sind rund 6.000 Personen an der Unterstützung externer Kooperationsprojekte beteiligt. Unser Ziel ist es, Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu unterstützen – von technischer Kooperation und Fertigungsthemen bis hin zu After-Sales-Dienstleistungen.
Frage: Was unterscheidet Sie von Dienstleistern wie zum Beispiel Magna?
Wang: Es gibt Gemeinsamkeiten, aber unser Ansatz ist breiter. Wir sind kein reines Engineering-Dienstleistungsunternehmen. Wir bauen kooperative Partnerschaften mit unseren Kunden auf. Es geht also nicht nur um Engineering, sondern auch um Skaleneffekte, Lieferketten, Fertigung, Vertriebskanäle und andere Geschäftselemente. Deshalb ist unser Angebot aus unserer Sicht breiter als das eines klassischen Ingenieurs-Dienstleisters.

Xiaojuan Wang, Präsidentin von ECRI: „Gemeinsam das Ziel schneller erreichen“
Warum kommen Kunden zu Ihnen: China-Geschwindigkeit oder Zugang zu neuen Technologien?
Wang: Nach unserer Erfahrung steht Technologie an erster Stelle. Die Automobilindustrie verändert sich im KI-Zeitalter erheblich. Das erfordert mehr Innovation, mehr Investitionen und mehr globale Zusammenarbeit. Der zweite Punkt ist Zeit. Die Entwicklung einer neuen elektrisch-elektronischen Architektur (E/E), die für intelligente Fahrzeuge geeignet ist, dauert sehr lange. Kommen dann noch ADAS-Fahrassistenten, Smart Cockpit und künstliche Intelligenz hinzu, steigt der Aufwand weiter. Nach unserer Erfahrung kann die Entwicklung einer geeigneten E/E-Architektur allein vier bis fünf Jahre dauern. Deshalb ist Zusammenarbeit oft der beste Weg, ein gemeinsames Ziel schneller zu erreichen.
Warum teilen Sie Innovationen mit Wettbewerbern, anstatt den Vorsprung selbst zu nutzen?
Wang: Bei softwaredefinierten Fahrzeugen entsteht nachhaltiger Wert durch Plattformen und Skalierung. Wenn eine Plattform von mehr Partnern genutzt wird, steigt das Volumen, was Skaleneffekte, Lieferkettenvorteile und stärkere Wettbewerbsfähigkeit bringt. Neue Funktionen können schneller angepasst und ausgerollt werden, während sich die Kosten auf eine breitere Basis verteilen. Aus unserer Sicht wird die langfristige Wertschöpfung in dieser Branche nicht allein durch Wettbewerb getrieben, sondern durch Zusammenarbeit. Kooperation und gemeinsame Wertschöpfung werden zum nachhaltigeren Weg für die Industrie. Das war ein zentraler Ausgangspunkt bei der Gründung von ECRI.
Wenn ein externer Partner eine Idee einbringt, die Geely noch nicht hatte – gibt es eine Firewall zwischen den Projekten?
Wang: Vertraulichkeit ist uns sehr wichtig. Die Technologie und die Anforderungen jedes Partners sind durch klare vertragliche Vereinbarungen geschützt, und wir übertragen die proprietäre Technologie oder die Anforderungen eines Partners nicht an eine andere Partei, einschließlich unserer eigenen Marken. Wir haben eine robuste interne Governance, um dies sicherzustellen.











