Geely: Philipp Hempel zur Deutschlandstrategie

Interview zum Geely-Start in Deutschland
„Größter China-Importeur werden“

Warum startet Geely erst jetzt in Deutschland? Philipp Hempel spricht im Interview über Händlernetz, Flottenstrategie, Europa-Pläne und das Ziel, größter chinesischer Importeur zu werden.

Philipp Hempel, Executive Director Geely Auto Deutschland, über die Pläne des chinesischen Automobilkonzerns.
Foto: Geely/Martin Meiners

Mit Volvo, Polestar, Lotus oder Smart ist der Geely-Konzern in Europa längst etabliert. Jetzt startet auch die Kernmarke Geely Auto auf dem deutschen Markt. Im Interview erklärt Philipp Hempel, Executive Director Geely Auto Deutschland, warum der Hersteller gerade jetzt den Schritt wagt, weshalb er nicht einfach auf das Volvo-Händlernetz setzt und mit welchen Argumenten Geely Privat- und Flottenkunden überzeugen will.

Herr Hempel, Geely ist als Konzern seit Jahren in Europa aktiv. Warum kommt die Marke Geely Auto erst jetzt nach Deutschland?

Philipp Hempel: Für uns ist jetzt der richtige Zeitpunkt. Mit dem Geely E5 und dem Starray EM-i haben wir Fahrzeuge, die sehr gut zu den Anforderungen des europäischen Marktes passen. Weitere Modelle wie der E2 werden folgen. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Jahren viel Erfahrung gesammelt. Außerdem haben andere chinesische Hersteller den Weg in Europa bereits vorbereitet. Das erleichtert heute den Markteintritt.

Inwieweit profitiert Geely Auto von den Erfahrungen der Konzernmarken wie Volvo oder Polestar?

Wir profitieren natürlich von den Erfahrungen innerhalb des Konzerns. Volvo haben wir als funktionierende Organisation übernommen und konnten daraus viel lernen. Trotzdem agiert jede Marke eigenständig. Es geht nicht darum, dass sich unsere Marken gegenseitig kannibalisieren. Vielmehr soll jede Marke zusätzliche Kundengruppen erschließen.

Zum Deutschlandstart verfügt Geely bislang nur über wenige Handelspartner. Wie soll das Netz wachsen?

Wir merken, dass wir nicht die erste chinesische Marke sind, mit der die Händler sprechen. Gleichzeitig verändert sich das Gespräch häufig, sobald klar wird, dass es um Geely geht. Der Name ist im Markt bekannt und genießt durch unsere Konzernmarken eine hohe Glaubwürdigkeit.

Warum greifen Sie beim Vertrieb nicht einfach auf das bestehende Volvo-Händlernetz zurück?

Natürlich sprechen wir auch mit Volvo-Partnern. Tatsächlich führen wir aber sogar mit mehr Händlern außerhalb des Volvo-Netzes Gespräche. Entscheidend ist für uns nicht, welche Marke ein Händler heute vertritt. Viel wichtiger sind Faktoren wie die passende Ausstellungsfläche, die Umsetzung unserer Markenstandards und vor allem das Engagement des Partners. Wir suchen Händler, die sich wirklich zu unserer Marke bekennen und den gemeinsamen Aufbau aktiv mitgestalten wollen.

Wie wollen Sie Service und Wartung organisieren?

Unsere Kunden erwarten nach wie vor einen klassischen Ansprechpartner vor Ort. Wenn sie ein Problem mit ihrem Fahrzeug haben, fahren sie ins Autohaus. Genau dieses Prinzip setzen wir auch um. Deshalb spielt für uns das Händlernetz eine zentrale Rolle.

Welche Kundengruppen möchten Sie mit Geely erreichen?

Unsere Zielgruppe ist bewusst breit aufgestellt. Wir sprechen junge Familien genauso an wie Berufseinsteiger oder Senioren. Gemeinsam haben diese Kunden, dass sie auf zuverlässige Mobilität angewiesen sind und gleichzeitig auf ihr Budget achten. Für sie möchten wir ein attraktives Gesamtpaket anbieten.

Mit welchen Argumenten wollen Sie diese Kunden überzeugen?

Wir setzen auf ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Unsere Fahrzeuge sind umfangreich ausgestattet und bieten ein Rundum-sorglos-Paket. Wir wollen nicht in jeder einzelnen Disziplin einen Superlativ liefern. Entscheidend ist vielmehr die Summe der Eigenschaften. Unsere Kunden sollen ein Fahrzeug erhalten, das im Alltag überzeugt und gleichzeitig wirtschaftlich ist.

Welche Rolle spielen Flottenkunden beim Deutschlandstart?

Das Flottengeschäft ist für uns ein wichtiger Markt. Nationale Flottenkunden schauen zunächst sehr genau auf das Händler- und Servicenetz. Deshalb beginnen wir bewusst mit dem Aufbau der Basis. Gleichzeitig erwarten wir, dass unsere Fahrzeuge aufgrund ihrer Gesamtkosten – also der Total Cost of Ownership – insbesondere in Verbindung mit dem Plug-in-Hybrid sehr wettbewerbsfähig sein werden.

Derzeit wird über zusätzliche EU-Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride diskutiert. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Europa bleibt für Geely ein wichtiger Wachstumsmarkt. Schließlich verkaufen wir hier bereits batterieelektrische Fahrzeuge trotz bestehender Importzölle. Langfristig verfolgen wir aber ohnehin das Ziel, Fahrzeuge auch in Europa zu produzieren.

Welche Ziele hat sich Geely Auto für den deutschen Markt gesetzt?

Unser Fokus liegt zunächst auf dem Ausbau unseres Händlernetzes. Gleichzeitig haben wir ambitionierte Absatzziele. Es wird aus unserer Sicht nicht lange dauern, bis wir in Deutschland jährlich 20.000 Fahrzeuge verkaufen. Unser Anspruch ist klar: Wir wollen so schnell wie möglich der größte chinesische Importeur auf dem deutschen Markt werden.

Zur Person: Philipp Hempel

Philipp Hempel verfügt jahrelange Erfahrung in der Automobilbranche. Seine Laufbahn begann er als Automobilverkäufer, bevor er Führungspositionen bei Tesla und dem Elektro-Sportwagenhersteller Automobili Pininfarina übernahm. Zuletzt verantwortete er seit dem Neustart von MG Motor in Deutschland im Jahr 2021 als Vice President Sales den Vertrieb der Marke. Unter seiner Leitung entwickelte sich MG Motor mit mehr als 25.000 Neuzulassungen pro Jahr zum erfolgreichsten chinesischen Automobilhersteller auf dem deutschen Markt. Seit 2026 ist Hempel Executive Director von Geely Auto Deutschland und verantwortet den Aufbau der Kernmarke des Geely-Konzerns sowie den Vertrieb und die Entwicklung des Händlernetzes in Deutschland.

In Kürze: die Key Facts

  • Interviewpartner: Philipp Hempel
  • Position: Executive Director Geely Auto Deutschland
  • Marke: Geely Auto
  • Deutschlandstart: 2026
  • Erste Modelle: Geely E5, Starray EM-i
  • Zielgruppen: Privatkunden, junge Familien, Berufseinsteiger, Senioren
  • Vertrieb: Händlernetz
  • Servicemodell: klassische Vertragshändler
  • Flottenstrategie: Einstieg über attraktive TCO
  • Langfristiges Ziel: Produktion in Europa
  • Unternehmensziel: größter chinesischer Importeur Deutschlands
  • Netzaufbau: zunächst Händlernetz ausbauen