GWM: Great Wall Motor plant Produktion in Europa

Great Wall Motor setzt auf Europa
GWM: Warum Europa mehr als Absatzmarkt ist

Great Wall Motor denkt über eine Produktion in Europa nach. CTO Nicole Wu spricht über vorsichtige Ausbaupläne, neue Batterien und die Frage, wann eine chinesische Automarke europäisch wird.

Nicole Wu GWM 2026
Foto: Killy/ SP-X

Great Wall Motor (GWM) will in Europa nicht einfach nur chinesische Autos verkaufen. Der Konzern möchte hier heimisch werden – mit lokaler Wertschöpfung, einer breiten Antriebspalette und einer Strategie, die sich nicht von jeder neuen Brüsseler Verordnung aus der Ruhe bringen lässt. Wir sprachen darüber mit Nicole Wu, CTO bei Great Wall Motor.

Frau Wu, der neue H7 kommt zunächst als Hybrid nach Europa. Wird es irgendwann auch eine rein elektrische Version geben?

A: Wir arbeiten an einer neuen Generation von Batterien, die bei kompakteren Abmessungen mehr Energie speichern können. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um auch größere Fahrzeuge rein elektrisch anzutreiben. Die bisherigen Batterielösungen stoßen dabei teilweise an Grenzen. Deshalb entwickeln wir neue Technologien und arbeiten auch an entsprechenden Fahrzeugkonzepten. In China soll die BEV-Version des H7 Mitte nächsten Jahres kommen, für Europa kann ich Ihnen heute allerdings noch keinen konkreten Zeitplan nennen. Grundsätzlich werden wir weitere batterieelektrische Modelle auf den Markt bringen. Das ist ein fester Bestandteil unserer Strategie.

In Europa wird gerade wieder heftig über das Verbrenner-Aus diskutiert. Wie stark beeinflussen die politischen Entscheidungen in Brüssel Ihre technische Strategie?

A: Natürlich verfolgen wir die europäischen Entwicklungen sehr aufmerksam. Aber unsere Technologieplanung richtet sich nicht ausschließlich nach politischen Entscheidungen. Wir haben schon lange unterschiedliche Antriebstechnologien entwickelt. Wir bieten klassische Verbrennungsmotoren, Hybridantriebe, Plug-in-Hybride und reine Elektrofahrzeuge an. Und wir konzentrieren uns nicht nur auf Pkw. Wir bauen beispielsweise auch Pick-ups, für die weiterhin Dieselmotoren eine Rolle spielen. Diese Vielfalt ist eine unserer Stärken.

Während europäische Hersteller ihre Antriebsstrategien teilweise wieder korrigieren müssen, hat GWM praktisch alles im Regal. Ist das ein Wettbewerbsvorteil?

A: Ich denke schon. Wir haben ein breites Technologieportfolio und können damit auf unterschiedliche Anforderungen reagieren. Wir müssen nicht erst anfangen, einen bestimmten Antrieb zu entwickeln, wenn sich die Nachfrage verändert. Natürlich müssen wir unsere Produkte jeweils an die Märkte anpassen. Aber die technischen Grundlagen sind vorhanden. Das gibt uns Flexibilität.

Nicole Wu GWM 2026
Killy/ SP-X

Nicole Wu und der neue H7 von Great Wall Motor, der die Herzen von Europas Autofahrern erobern soll.

Great Wall Motor plant auch eine europäische Produktion. Dabei ist zunächst von einer Kapazität von rund 50.000 Fahrzeugen jährlich die Rede. Ist das nicht etwas wenig für einen globalen Hersteller?

A: Wir möchten Schritt für Schritt vorgehen. Eine Kapazität von 50.000 Fahrzeugen ist zunächst eine Größenordnung, mit der man arbeiten kann. Wenn sich die Nachfrage entsprechend entwickelt und weitere Modelle hinzukommen, lässt sich eine Produktion auch erweitern. Das ist technisch möglich. Aber wir wollen keine großen Versprechungen machen, die wir später möglicherweise nicht erfüllen können. Wir möchten lieber zunächst etwas aufbauen und dann zeigen, dass es funktioniert.

Andere chinesische Hersteller kündigen gleich riesige Fabriken an. Sie sind da deutlich zurückhaltender.

A: Wir haben unsere eigene Vorgehensweise. Wir wollen nicht erst etwas sehr Großes ankündigen und dann feststellen, dass die Voraussetzungen noch gar nicht gegeben sind. Wir möchten Erfahrungen sammeln, daraus lernen und anschließend den nächsten Schritt machen. Das ist unsere Philosophie. Jeder Schritt sollte erfolgreich sein, bevor wir den nächsten gehen.

GWM produziert bereits in verschiedenen Weltregionen lokal. Ist das auch für Europa langfristig das Ziel?

A: Lokale Produktion und lokale Zusammenarbeit sind wichtige Bestandteile unserer Internationalisierung. Aber wir wollen dabei nicht einfach ein Modell aus China auf andere Länder übertragen. Wir müssen verstehen, wie der jeweilige Markt funktioniert, welche Anforderungen bestehen und mit welchen Partnern wir zusammenarbeiten können. Das braucht Zeit. Wir wollen langfristig erfolgreich sein.

Sie sprechen viel von lokaler Zusammenarbeit. Soll GWM irgendwann nicht mehr als chinesischer Hersteller, sondern als eine Art europäische Marke wahrgenommen werden?

A: Warum nicht? Ich glaube, wir müssen Globalisierung aus einer größeren Perspektive betrachten. Ich habe selbst erlebt, wie sich die chinesische Automobilindustrie entwickelt hat. Als ich 2005 mein Studium abgeschlossen habe, befand sich unsere Industrie noch in einer ganz anderen Phase. Wir haben enorm davon profitiert, dass internationale Automobilhersteller nach China gekommen sind. Sie haben investiert, Technologien mitgebracht und mit chinesischen Unternehmen zusammengearbeitet. Dadurch konnten wir lernen, wachsen und stärker werden.

Das klingt nach einem bemerkenswerten Perspektivwechsel. Früher sollten ausländische Hersteller in China heimisch werden. Jetzt wollen chinesische Hersteller in Europa heimisch werden.

A: Ich sehe darin keinen Widerspruch. So funktioniert Globalisierung. Unternehmen lernen voneinander, entwickeln sich gemeinsam weiter und profitieren von der Zusammenarbeit. Wichtig ist, dass nicht nur eine Seite gewinnt. Wir wollen in den Märkten, in denen wir tätig sind, auch etwas beitragen. Deshalb ist die lokale Perspektive für uns so wichtig.

Wenn wir in die Zukunft springen: Wird man dann überhaupt noch zwischen deutschen, japanischen und chinesischen Automarken unterscheiden?

A: Ich glaube, diese Unterscheidung wird weniger wichtig werden. Denken Sie an internationale Marken wie Coca Cola, die heute überall auf der Welt bekannt sind. Die Menschen verbinden sie nicht unbedingt ständig mit ihrem ursprünglichen Herkunftsland. Sie kennen das Produkt und vertrauen der Marke. Warum sollte das bei Automobilen grundsätzlich anders sein? Wir entwickeln uns zu einer immer stärker globalisierten Industrie. Und die Kunden werden zunehmend danach entscheiden, ob ein Produkt ihren Erwartungen entspricht.

Gerade deutsche Kunden achten aber traditionell sehr genau darauf, woher ihre Marke kommt.

A: Natürlich haben Automarken eine Geschichte und eine Herkunft. Das wird auch so bleiben. Aber gleichzeitig verändern sich die Märkte und die Erwartungen. Die Automobilindustrie ist längst international organisiert. Fahrzeuge werden in unterschiedlichen Ländern entwickelt und produziert. Deshalb glaube ich, dass die Grenzen mit der Zeit weniger entscheidend werden. Für uns ist wichtig, dass wir gute Produkte anbieten und in den jeweiligen Märkten erfolgreich mit unseren Partnern zusammenarbeiten.