Für Betreiber großer Transporterflotten ist die neue KEP-Studie weniger eine Erfolgsmeldung als ein Warnhinweis. Der Markt wächst zwar weiter, doch die Dynamik lässt nach. Gleichzeitig steigen zentrale Kostenblöcke wie Energie, Kraftstoff, Maut und Personal. Für Paket-, Express- und Kurierdienste wird damit nicht nur die Sendungsmenge entscheidend, sondern die Frage, wie wirtschaftlich sich jede zusätzliche Tour noch darstellen lässt.
Mehr Sendungen, weniger Schwung
Der Bundesverband Paket- und Expresslogistik meldet für 2025 ein Sendungsvolumen von 4,37 Milliarden Sendungen in Deutschland. Das entspricht einem Plus von 1,8 Prozent oder 80 Millionen zusätzlichen Sendungen. Im Jahr zuvor war der Markt noch um 115 Millionen Sendungen gewachsen. Der Gesamtumsatz legte 2025 um 2,6 Prozent auf rund 28,4 Milliarden Euro zu.
Für Fuhrparkmanager liegt der wichtige Punkt zwischen den Zahlen. Mehr Sendungen bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn. Wenn das Volumen nur moderat steigt, die Kosten aber stärker zulegen, geraten Fahrzeugauslastung, Tourenplanung und Investitionen schneller unter Druck.
Kosten legen stärker zu als der Umsatz
Das zeigt der neue KEP-Kostenindex, den die Studie erstmals ausweist, an. Demnach liegen die nominalen Umsatzsteigerungen der vergangenen Jahre deutlich unter den Kostensteigerungen bei wesentlichen Komponenten. Genannt werden Energie, Kraftstoff, Maut und Personal. Die Unternehmen könnten diese Belastungen nur teilweise weitergeben und kompensieren.
Auch die Marktsegmente entwickeln sich unterschiedlich. Das Volumen bei Geschäftskunden-Sendungen sank 2025 um 0,3 Prozent. Das B2C-Geschäft legte wegen der Konsumzurückhaltung privater Haushalte nur noch um 0,6 Prozent zu. Deutlich stärker wuchs dagegen das C2C-Segment, also Sendungen zwischen Privatpersonen. Hier meldet die Studie ein zweistelliges Plus. Diese Verschiebung ist relevant, weil sich Sendungsstruktur und Wirtschaftlichkeit gegenseitig beeinflussen. Entscheidend wird, wo Wachstum entsteht und welche Kosten ihm gegenüberstehen.
Forderung an die Politik
Der Verband verbindet die Studienergebnisse mit einer politischen Forderung. „Gleichzeitig schultern die Unternehmen steigende Kosten und bewältigen eine Flut an Regulierungen“, sagt Marten Bosselmann, Vorsitzender des BPEX. Die Branche brauche sinkende Kosten, weniger Bürokratie, Planungssicherheit und bessere Bedingungen für Investitionen in Digitalisierung, Automatisierung sowie nachhaltige Infrastruktur.
Für Fuhrparkverantwortliche steckt darin ein praktischer Zielkonflikt. Einerseits wächst der Markt weiter. Andererseits müssen Unternehmen Fahrzeuge beschaffen, betreiben, warten und auslasten, während zentrale Betriebskosten steigen. Damit rücken Total Cost of Ownership, Standortplanung, Auslastung und Prozessautomatisierung enger zusammen.
270.000 Beschäftigte in der Paketlogistik
Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds baut die Branche Beschäftigung auf. Laut Studie entstanden 2025 rund 3.700 neue Jobs. Insgesamt beschäftigte die KEP-Branche rund 270.000 Menschen. Das entspricht einem Plus von 1,4 Prozent. Der durch die Branche erzeugte Steuereinnahmeeffekt lag 2025 bei 4,2 Milliarden Euro.
Auch diese Zahl ist für Flottenbetreiber mehr als eine arbeitsmarktpolitische Randinformation. Personal gehört zu den größten Kostenpositionen und zugleich zu den entscheidenden Faktoren für Zustellqualität und Kapazität. Wenn Sendungsmengen steigen, aber Kosten nicht vollständig weitergegeben werden können, wächst der Druck auf Produktivität und Planung.
Bis 2030 bleibt Wachstum möglich
Der mittelfristige Ausblick fällt dennoch positiv aus. Bis 2030 rechnet die Studie für den gesamten KEP-Markt mit einem jährlichen Wachstum des Sendungsvolumens von 3,1 Prozent. Dann könnten bis zu 5,08 Milliarden Sendungen erreicht werden.
Für Betreiber großer Transporterflotten ist das keine Entwarnung. Die KEP-Studie zeigt: Der Markt wächst weiter, aber unter härteren Bedingungen. Wer Paketflotten plant, muss künftig noch genauer prüfen, welche Fahrzeuge, Standorte und Prozesse die steigenden Anforderungen wirtschaftlich tragen.





