Volvo schärft seinen Bestseller XC60 nach: mehr elektrische Reichweite, neue Assistenzsysteme, dieselbe Sicherheitstechnik wie im großen Bruder XC90. Im Gespräch in Göteborg erklärt Akhil Krishnan, Product Line Owner XC60, warum Over-the-Air-Updates aus seiner Sicht kein Sicherheitsrisiko sind, warum es beim Laden bewusst keine Kompromisse gibt – und warum Google Gemini im Auto nichts kosten soll.
1.200 Kilometer Gesamtreichweite für den neuen T6
Herr Krishnan, was ändert sich beim neuen XC60 konkret?Wir haben ihm eine neue visuelle Erscheinung gegeben, die ihn näher an unsere neueren Modelle heranrückt. Zweitens bringen wir einen neuen Long-Range-Plug-in-Hybrid, mit dem wir uns eine sehr eigenständige Position im Markt sichern – speziell in Europa, wo es kaum vergleichbare Angebote in dieser Form gibt. Und drittens haben wir die Sicherheitstechnik überarbeitet: Wir bringen ein neues Fahrerassistenzpaket, das die reale Sicherheit im Alltag spürbar verbessert. Und auch der Volvo XC90 bekommt den neuen Antrieb und die damit verbundene höhere Reichweite.
Kernstück der neuen Antriebsgeneration ist eine deutlich größere, in den Boden integrierte Batterie mit 41,2 kWh – mehr als doppelt so viel wie die bisherigen 18,8 kWh. Zusammen mit dem leistungsstärkeren Elektromotor mit 130 kW (177 PS) und dem neuen, auf 11 kW aufgerüsteten On-Board-Charger ergibt sich daraus eine Gesamtreichweite von bis zu 1.200 Kilometern für den Volvo XC60 mit T6 Plug-in-Hybridantrieb.
Sehr wichtig. Man kann und darf das Flottengeschäft nicht ignorieren, es ist ein guter Teil unserer Kundenbasis – in manchen Märkten sogar wichtiger als in anderen. Wir haben viel Input von Flottenkunden bekommen, aber genauso von unseren Händlern, die im Vertrieb tagtäglich mit diesen Kunden sprechen. Ein Beispiel: Wir wussten, dass der Long-Range-Plug-in-Hybrid die künftigen CO2-Anforderungen im Rahmen der europäischen Flottengrenzwerte erfüllen wird, sobald diese final festgelegt sind. Für Privatkunden ist das kein entscheidendes Kriterium, für Flottenkunden dagegen sehr. Wir liegen mit dem XC60 schon heute unter der 50-Gramm-Grenze – und werden auch künftige, strengere Vorgaben unterschreiten.
Für Kunden, die noch nicht bereit fürs Elektroauto sind
Sie sprechen die Plug-in-Hybride gezielt für Flottenkunden an, die noch nicht bereit für ein rein elektrisches Auto sind?Genau. Wir sehen, dass viele Flottenkunden aus verschiedenen Gründen – Ladeinfrastruktur, Reichweite, Komfort – noch nicht bereit sind, den Schritt zum vollelektrischen Auto zu gehen. Für die sagen wir: Wir geben Ihnen ein Auto, das sich im Alltag wie ein Elektroauto fahren lässt, mit dem Sie aber trotzdem alle Flottenanforderungen erfüllen, die Sie brauchen. Das ist ein zentraler Teil unserer Überlegungen, wenn wir solche Anforderungen in die Entwicklung einfließen lassen.
Ja, das ist uns sehr bewusst. Für Plug-in-Hybride in Deutschland gilt: maximal 50 Gramm CO2 pro Kilometer und mindestens 80 Kilometer elektrische Reichweite. Der T6 Long Range erfüllt das klar – er kommt laut WLTP auf bis zu 200 Kilometer elektrische Reichweite –, ebenso der leistungsstärkere T8 mit 189 Kilometern. Beide liegen damit weit über der 80-Kilometer-Schwelle.
Weil wir wollen, dass Kunden auch mit der stärkeren Variante glücklich sind – nicht nur mit der Regel im Kopf. Wenn Sie regelmäßig auf der Autobahn unterwegs sind, soll sich das Auto nicht wie ein Kompromiss anfühlen. Die Batterie ist beim T8 identisch – 41,2 kWh wie beim T6 –, nur der Antrieb ist stärker: 339 kW/461 PS gegenüber 262 kW/357 PS beim T6. Die elektrische Reichweite liegt beim T8 mit 189 Kilometern etwas unter den 200 Kilometern des T6, bleibt damit aber weiterhin klar über der Förderschwelle. Wer also mehr Leistung will, obwohl er die Förderkriterien längst erfüllt, hat mit dem T8 die Wahl – als Aufpreis-Variante, die erst in der Plus-Ausstattung beginnt, während der T6 schon als Core ab 69.990 Euro zu haben ist.
Das ändert sich mit dem neuen XC60. Wenn Sie den reinen Pure-Modus wählen, merkt sich das Auto jetzt diese Einstellung und bleibt darin. Früher, bei 79 Kilometern elektrischer Reichweite, ist das System je nach Ladeverhalten schneller wieder in den Hybridmodus zurückgesprungen. Mit der jetzt mehr als verdoppelten Batteriekapazität gilt: Wenn Sie im Pure-Modus bleiben wollen, bleibt das Auto auch dort – bis die Batterie leer ist, dann schaltet es automatisch zurück in den Hybridbetrieb.
Bewusst ohne Schnellladen: Warum der Plug-in-Hybrid nur AC lädt
Der Plug-in-Hybrid lädt nur mit Wechselstrom, kein DC-Schnellladen. War das eine bewusste Entscheidung?Absolut, eine sehr bewusste Entscheidung. Wir wollten keinen Plug-in-Hybrid bauen, der sich wie eine Ausrede fürs Elektrofahren anfühlt. Wer Schnellladen an öffentlichen Ladepunkten braucht, dem bieten wir mit dem EX60 das passende Auto: rein elektrisch, mit bis zu 810 Kilometern Reichweite für den P12 Motor und deutlich höherer Ladeleistung. So bleiben die Modelle klar voneinander abgegrenzt.
Sehr wichtig, und ein sehr umkämpfter Markt dazu. Es gibt etablierte Premium-Wettbewerber und eine sehr treue Kundenbasis, die sich über Jahre entwickelt hat. Gleichzeitig gewinnen wir zunehmend Kunden, die sich für unsere Markenwerte interessieren: skandinavisches Design, Nachhaltigkeit, durchdachte Technik, die das Leben einfacher macht. Damit haben wir im deutschen Markt eine Position, die uns wichtig ist.
Nicht wirklich. Es gibt sicher Produkte, bei denen wir uns direkt vergleichen, aber unser Wettbewerb richtet sich weniger nach dem, was andere machen, als danach, unseren eigenen Weg konsequent weiterzugehen.
Unsere Strategie ist: Für etwas, das eigentlich zum Auto dazugehören sollte, sollten Sie kein Abo bezahlen müssen. Es gibt laufende Kosten, etwa für die Internetverbindung – die ist in den ersten vier Jahren kostenlos, danach trägt der Kunde die Kosten. Aber es gibt keine laufenden Kosten dafür, Google-Dienste im Auto zu nutzen. Das ist eine einmalige Investition, die wir als Volvo tätigen. Vergleichen Sie es mit einem Fernseher: Sie zahlen ja auch nicht extra dafür, die Fernbedienung zu benutzen. Genauso wenig sollten Sie dafür bezahlen, im Auto die Karte oder die Suche zu nutzen. Zum Glück funktioniert das mit Google genauso – wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit, die es uns erlaubt, gemeinsam weiterzuentwickeln, ohne Abogebühren aufzurufen.
Beim Datenschutz funktioniert es wie bei anderen Google-Diensten auch: Es gibt eine laufende Einwilligung, über die der Endnutzer entscheidet – also die Person, die das Auto tatsächlich fährt, denn es sind ihre Daten. Stimmt sie zu, werden Daten anonymisiert geteilt. Stimmt sie nicht zu, bleiben die Daten im Auto. Wir geben keine personenbezogenen Daten weiter, nur anonymisierte Daten, die zu Entwicklungszwecken genutzt werden – etwa um den Assistenten zu verbessern.
Warum Over-the-Air-Updates laut Volvo kein Sicherheitsrisiko sind
Sie versprechen, dass der XC60 sich über Over-the-Air-Updates verbessert, ohne dass Kunden in die Werkstatt müssen. Sind OTA-Updates aus Flottensicht nicht auch ein Cybersicherheitsrisiko?Nein, im Gegenteil. Moderne Autos sind heute in dieser Hinsicht deutlich weiter als frühere Fahrzeuggenerationen. Ein Over-the-Air-Update gefährdet die Cybersicherheit in keiner Weise, weil ausschließlich Volvo Cars in der Lage ist, ein Update an unsere Fahrzeuge zu übertragen. Das Auto selbst erkennt genau, welches Paket es erhalten hat und wie es zu installieren ist. Es steckt also sehr viel Sicherheits-Know-how im Fahrzeug selbst und in der gesamten Übertragungskette.
Weil wir damit ein Auto über seine gesamte Lebensdauer frisch halten können – auch als Gebrauchtwagen. Wir haben zuletzt ein Update für Fahrzeuge ausgerollt, die inzwischen sechs Jahre alt und längst nicht mehr beim Erstbesitzer sind. Diese Autos haben dadurch eine komplett aufgefrischte Bedienoberfläche bekommen, mit neuer Optik auf Fahrerdisplay und Zentralbildschirm – kostenlos. Das fühlt sich fast wie ein neues Produkt an. Und sobald Leasinggesellschaften, Restwert-Partner und Banken erkennen, dass ein Auto auch mit sechs Jahren technisch frisch gehalten werden kann, hat das für sie einen echten Wert.
Wie Updates installiert werden, ohne den Fahrbetrieb zu stören
Ist das für den Kunden im Alltag sicher, gerade wenn das Auto gerade gebraucht wird?Absolut. Ein Update wird niemals installiert, während das Auto gefahren wird, sondern ausschließlich im Stand. Die eigentliche Installation dauert in der Regel nicht sehr lange. Kunden können den Installationszeitpunkt selbst planen – zum Beispiel nachts, wenn sie sicher sind, das Auto nicht zu brauchen. Und bevor wir ein Update überhaupt an Kunden ausrollen, testen wir es sehr umfangreich: zunächst intern in unserer eigenen Testflotte, dann mit unseren Händlern, die über ihre Vorführwagen Teil unseres Beta-Programms sind. Das machen wir in all unseren Märkten weltweit, von Australien bis Kanada. Erst danach rollen wir ein Update an Kunden aus. Da steckt also sehr viel Arbeit und Disziplin dahinter.
Die künftigen FCM-Vorgaben berücksichtigen ab 2027 deutlich stärker, wie Fahrzeuge tatsächlich genutzt und geladen werden. Mit der hohen elektrischen Reichweite schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass viele Alltagsfahrten rein elektrisch zurückgelegt werden können. Wir sind überzeugt, dass Langstrecken-Plug-in-Hybride häufiger geladen und entsprechend öfter im Elektromodus gefahren werden. Deshalb fördern wir die elektrische Nutzung unserer Plug-in-Hybride konsequent. Für Flottenkunden bedeutet das: Sie können schon heute auf eine Antriebslösung setzen, die sowohl aktuelle Mobilitätsanforderungen erfüllt als auch auf künftig strengere regulatorische Vorgaben vorbereitet ist.








