CES in Las Vegas

Autobauer auf der Elektronikmesse

Die größte Elektronikmesse der Welt ist mittlerweile das erste Auto-Highlight des Jahres. Audi zeigt beispielsweise eine Art Autokino – im Auto. Foto: Peter Maahn 7 Bilder

Die größte Elektronikmesse der Welt ist mittlerweile das erste Auto-Highlight des Jahres. Wir zeigen die Highlights.

So wirklich gern gesehen sind die großen Autokonzerne nicht in den Hallen unweit der Casino-Meile am berühmten Las Vegas Strip. Verbannt in eine recht kleine Halle im Nordflügel des Messegeländes, passen sie nach Meinung der treuen Elektronik-Freaks nicht so recht die laute, junge Welt der Spielekonsolen, HiFi-Monster, Handys oder Roboterstaubsauger. Im Gegensatz zu den akzeptierten Giganten der Elektronik-Branche wie Google, Microsoft, Amazon und Go. müssen sich die anderswo verhätschelten süddeutschen Premium-Konzerne mit vergleichsweise kleinen Messeständen begnügen, auf die kaum mehr als zwei Autos passen.

Audi stellt neues Entertainment-System vor

Natürlich treten die Deutschen ebenso wie Hyundai, Nissan oder Toyota auch an, um jüngere Kunden anzulocken, stecken Milliarden in Vernetzung, Assistenzsysteme oder die künstliche Computer-Intelligenz, die beim sicheren Fahren helfen und den Menschen hinterm Lenkrad nach und nach sogar überflüssig machen soll. So zeigt Audi eine neues Entertainment-System, dessen Klangfülle und Optik mit den meist asiatischen Unterhaltungsprofis in der Nebenhalle auf Augenhöhe ist. Enthalten ist sogar eine völlig neue Art des Autokinos. Im Stand können die Insassen auf der zur Leinwand umgewandelten Innenseite der Windschutzscheibe Filme in Top-Qualität genießen. Der Stau als Chance für gestresste Cineasten.

Eher konservativ geht Mercedes ins Messe-Rennen, nutzt die CES ganz klassisch für die Premiere eines neuen Modells. Die zweite Auflage des CLA, eines viertürigen Coupés der A-Klasse-Familie, kann aber mit seinem voll elektronischen MBUX-Infotainmentdisplay punkten, dessen Sprachassistent und Gestenerkennung dann doch wieder die Brücke zu Alexa oder Nintendo schlägt. Begleitet wird der Neuling vom Elektro-SUV EQC, das seine US-Premiere feiert.

Foto: Peter Maahn
Bei BMW dreht auf dem Außengelände ein autonom fahrendes Motorrad seine Runden.

Wie in den Vorjahren residiert BMW nicht in einer nüchternen Halle, sondern in einem schneeweißen Art Bungalow gegenüber dem allgemeinen Trubel. Pluspunkt für die Bayern: Auf einer großen Freifläche lassen sich echte Autos bewegen. Für große Augen sorgte aber nicht der Tanz des neuen Riesen-SUV X7 über künstliche Geländehindernisse, sondern ein scheinbar ganz normales Motorrad. Ein Aha-Effekt der Zaungäste, als das Zweirad seine Kreise mit leerem Sattel drehte, sich fahrerlos in enge Kurven legte und von einem Ende der Fläche zum anderen sprintete. Das erste autonom fahrende Motorrad der Welt im Kleid des Serien-Bikes R 1200 RS. Die nötige Technik konnte nur bedingt aus den BMW-Autos übernommen werden. Kein Grund zur Sorge für eingefleischte Biker: Es wird nie ein fahrerloses Motorrad geben, versichert BMW. Der Versuchsträger soll dazu dienen, neue Assistenzsysteme für Zweiräder zu entwickeln.

Byton-SUV mit 48 Zoll breitem Display

Bei den übrigen Herstellern fällt auf: Ein Roboter-Mini-Laster von Honda für schweres Gelände, der selbstständig Transportaufgaben auf unwegsamem Terrain leisten kann. Nissan zeigt die autonome und lenkradlose Sportlimousine IMx erstmals außerhalb Japans. Eine aufregend gestylte Studie, deren denkbarer Serienstart in weiter Ferne liegt. Hyundai überrascht mit der Idee eines Rettungsfahrzeug namens Elevate, das nicht nur in schwerem Gelände fahren kann, sondern das die Ingenieure auch Klettern gelehrt haben. Das bei Bedarf fahrerlose Unikum ist zum Beispiel für Hilfseinsätze bei Naturkatastrophen konzipiert.

Obwohl sich auch andere Hersteller dem Thema Cockpit der Zukunft widmen, schießen die Chinesen den Messe-Vogel in dieser Disziplin ab. Autohersteller Byton zeigt ein 48 Zoll breites Display (124x24 Zentimeter). Es wird im demnächst erscheinenden SUV M-Byte in Serie an Bord sein. Auf dem Pralltopf des Lenkrads ist ein weiteres Tablet für die Bedienung zum Beispiel der Klimaanlage oder des Telefons in Griffnähe des Fahrers montiert. Die Helligkeit der LED-Anzeigen passt sich automatisch der Umgebung an.

Foto: Peter Maahn
Autohersteller Byton zeigt ein 48 Zoll breites Display (124x24 Zentimeter). Es wird im demnächst erscheinenden SUV M-Byte in Serie an Bord sein.

Auf der CES wächst vieles zusammen, was bisher nicht zusammengehörte. Weil die Autos immer mehr zu fahrenden Computern werden, verwischen die Grenzen zwischen den jeweiligen Universen. Dazu tragen auch die zahlreichen Zulieferer bei, die zu Jahresbeginn gen Westen gereist sind. Ob Bosch, ZF, Schäffler oder Continental – in der besagten Automotive-Halle sind sie alle zugegen. Und setzen dabei ihre Kunden, die Autobauer, unter Druck. Viele Ideen, die heute in Serienautos zu finden sind, wurden in den Labors der Zulieferbetriebe ausgebrütet. Inzwischen gehen diese in die Offensive, entwickeln Systeme ohne direkten Auftrag eines Autoherstellers und bieten die Entwicklung dann auf dem Markt an. Wie ZF seinen auf der CES präsentierten Supercomputer, der als Schaltzentrale all der im Auto versteckten Elektronik dient. Der Technologiekonzern vom Bodensee hat damit den derzeit schnellsten Rechner. Andere wie Bosch wagen es sogar, selbst ein Auto zu entwickeln und zu produzieren. Wie das autonom fahrende Edel-Shuttle, dass mit der Umwelt vernetzt ist und von Kunden über das Internet gerufen werden kann.

Der starke Auftritt seiner Mitgliedsfirmen erfreut natürlich Bernhard Mattes, Chef des Verbands der deutschen Autoindustrie (VDA). "Die CES zeigt, dass sich Automessen mehr und mehr zu Mobilitätsmessen wandeln". Dennoch sieht er die klassischen Ausstellungen nicht am Abgrund. "Ich kann Ihnen versprechen, dass wir im Herbst eine tolle IAA erleben werden". Mattes muss jedoch auch von Berufs wegen optimistisch sein. Schließlich ist sein VDA Veranstalter der IAA.

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