E-Autos, steigende Kosten und unsichere Rahmenbedingungen: Fuhrparkmanager stehen unter Druck – beim firmenauto test drive in Stuttgart wurde deutlich, worauf es jetzt wirklich ankommt.
Fuhrparkbranche im Wandel: Auftakt in Stuttgart
Mit rund 50 Flottenverantwortlichen ist der firmenauto test drive in Stuttgart in die neue Saison gestartet. Insgesamt acht Termine stehen 2026 auf dem Programm. Den Auftakt machte die Veranstaltung in der EnBW City, zu der ETM-Geschäftsführer Oliver Trost die zahlreichen Gäste begrüßte. Gleich zu Beginn wurde klar: Die Branche befindet sich mitten im Umbruch. Doch es gab noch mehr zu erfahren: 31 Testfahrzeuge standen bereit, um neue Antriebe und Technologien direkt erlebbar zu machen – ein Angebot, das von den Teilnehmern intensiv genutzt wurde.
Elektromobilität: Laden wird zum Kostenfaktor
Ein zentrales Thema war die Elektromobilität und vor allem die Frage, wie sich die Kosten im Griff behalten lassen. Nach Zahlen von Peter Siegert, Manager E-Mobility bei EnBW mobility+, findet der Großteil der Ladevorgänge inzwischen am Arbeitsplatz statt (62 Prozent), gefolgt vom Laden unterwegs (23 Prozent) und zu Hause (15 Prozent).
EnBW bietet Laden und Einkaufen an einem Standort
Für Fuhrparkleiter wird damit entscheidend, das Ladeverhalten der Fahrer zu steuern. Denn je nach Nutzung können die Kosten erheblich variieren. Einige Unternehmen gehen inzwischen so weit, klare Vorgaben zu machen. Im Extremfall drohen laut Siegert sogar Konsequenzen bei Verstößen, wie er von Flottenverantwortlichen weiß. Gleichzeitig wächst aber auch die Infrastruktur: EnBW betreibt mittlerweile mehr als 8.000 Schnellladepunkte in Deutschland und setzt verstärkt auf Standorte in Autobahnnähe, immer öfter kombiniert mit Einkaufsmöglichkeiten, um Lade- und Standzeiten effizient zu nutzen.
E-Autos werden günstiger – aber nicht alle
Auch die Kostenstruktur von Fahrzeugen verändert sich. Während Plug-in-Hybride aktuell zu den teuersten Optionen zählen, nähern sich batterieelektrische Fahrzeuge zunehmend den Kosten klassischer Verbrenner an, teilweise liegen sie bereits darunter. Das berichtete Pascal Krötz, Gebietsleiter Vertrieb Geschäftsfeld Mobility, bei der Deutschen Leasing. Ein entscheidender Faktor dabei sei die Herkunft der Fahrzeuge: Hersteller aus China setzen zunehmend die Preismaßstäbe, während europäische Modelle häufig noch teurer sind. Gleichzeitig verändert sich das Angebot: Neben hochpreisigen SUV kommen zunehmend günstigere Modelle auf den Markt, was die Elektrifizierung von Flotten weiter beschleunigen könnte.
Fuhrpark wird zum Millionenfaktor
Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung von Flotten inzwischen ist, zeigte ein weiteres Beispiel: Ein Fuhrpark mit 100 Fahrzeugen verursacht im Schnitt rund 1,5 Millionen Euro Kosten pro Jahr, berichtete Immanuel Schneeberger, Senior Consultant bei der Dekra Akademie. Trotz dieser Dimension werde das Thema in vielen Unternehmen noch immer unterschätzt. Oft fehlen geeignete Tools, und die Steuerung erfolgt weiterhin über Excel-Listen – mit entsprechendem Risiko für Kosten und Effizienz.
Versteckte Kosten werden zum Problem
Besonders kritisch sind die sogenannten „unsichtbaren Kosten“. Dazu zählen neben Energieverbrauch und Wertverlust auch Prozesskosten – etwa für Verwaltung, Zulassung oder interne Abstimmungen. Hinzu kommt das Verhalten der Fahrer. Unternehmenskultur und Fahrstil wirken sich direkt auf Kosten und Verschleiß aus, werden aber oft nicht systematisch berücksichtigt.
Daten werden zum Schlüssel
Ein zentraler Hebel liegt in der besseren Nutzung von Daten. Fahrzeuge liefern heute zahlreiche Informationen, doch vielen Unternehmen fehlen die Werkzeuge, um diese auszuwerten. Dabei kann bereits eine Verbesserung der Kostenstruktur um wenige Prozent enorme Auswirkungen haben: Je nach Rendite eines Unternehmens brauche es Umsätze in Millionenhöhe, um eigentlich vermeidbare Mehrkosten des Fuhrparks zu kompensieren, so Schneeberger.
Fazit: Fuhrparkmanagement wird komplexer
Die Veranstaltung in Stuttgart zeigt deutlich: Fuhrparkmanagement wird zunehmend zur strategischen Aufgabe. Zwischen Elektromobilität, Kostendruck und neuen Technologien müssen Unternehmen ihre Flotten neu denken. Wer Kosten, Prozesse und Daten im Griff hat, verschafft sich dabei einen entscheidenden Vorteil.






