Frühe SUV: 6 Klassiker mit Potenzial

Frühe SUV mit Klassiker-Potenzial
Sechs Klassiker schon ab 5.500 Euro im Überblick

Vom VW Golf Country bis zum Porsche Cayenne: Frühe SUV der Neunziger gelten kaum als Klassiker – ihr Negativimage drückt die Preise. Für Sammler eine Chance, schon ab 5.500 Euro einzusteigen.

VW Golf Country
Foto: VW

Groß, komfortabel und absatzstark: Der SUV-Boom scheint kein Ende zu nehmen, die sportlichen Geländewagen verkaufen sich heute besser als alle anderen Automodelle und -karosserievarianten. Aber wann schlug eigentlich die Geburtsstunde der automobilen Hochsitze?

Toyota Land Cruiser & Co.: die echten Ahnen der SUV

Klar, nach ihren Ahnen muss man im Offroad-Bereich suchen. Klassiker wie Toyota Land Cruiser, Nissan Patrol oder Lada Niva fallen einem da ein. Aber das sind waschechte Geländewagen, die seit jeher auch in der afrikanischen Savanne oder in der russischen Taiga taugen müssen. Das moderne Sport Utility Vehicle kann da in der Regel nicht mithalten. Für die Einkaufsstraße in der Stadt braucht man allerdings auch kein Untersetzungsgetriebe. Hauptsache, schick soll der Wagen sein – und irgendwie abenteuerlich aussehen.

Golf Country, RAV4 & Co.: die ersten Lifestyle-Offroader

Dies verführt die Hersteller Anfang der Neunziger Jahre dazu, mit den ersten Lifestyle-Offroadern zu experimentieren. Das Ergebnis sind Fun-Cruiser und Crossover wie VW Golf Country oder Toyota RAV4. Später kommen dann die Faktoren Komfort und Motoren-Power dazu – Premium-SUV wie Mercedes ML, BMW X5 oder Porsche Cayenne sind geboren. Sie überrollen mit ihrer schieren Masse den aufblühenden SUV-Markt.

Porshe Cayenne
Porsche

Ein aufgebockter Porsche: Der 2002 vorgestellte Cayenne sorgt mächtig für Irritationen.

Gute 30 Jahre ist das nun her, und die ersten Exemplare von Mercedes ML oder BMW X5 kommen bald ins Oldtimeralter. Wirklich geschätzt als automobile Klassiker werden die frühen SUV aber noch nicht, sagt Frank Wilke von der Sachverständigenorganisation Classic Analytics in Bochum.

Warum ML, X5 & Co. noch keine Youngtimer-Stars sind

„Was diese Fahrzeuge eint, ist der Umstand, dass sie – mit Ausnahme des Golf Country – kaum jemand haben will.“ Hauptgrund sei wohl, dass sie überschaubaren Fahrspaß mit „teilweise horrenden Unterhaltskosten“ oder schlechter Ersatzteilversorgung (wie bei Opel und Toyota) verbanden. „Hinzu kommt ein Negativimage, das – atypisch im Oldtimerbereich – von den modernen SUV auf ihre Vorgänger abstrahlt“, so Wilke.

Tatsächlich haben die vielen modernen SUV auf den Straßen heute nicht nur Freunde. Die oft über zwei Tonnen schweren Stadtpanzer mögen bequem und komfortabel sein, zeitgemäß sind sie in Zeiten überfüllter Innenstädte und begrenzter Ressourcen nicht unbedingt. Die Spritkosten sind hoch, das gilt auch für die frühen Luxus-SUV der Neunziger wie Mercedes ML oder BMW X5, vor allem wenn sie mit wuchtigen Achtzylinder-Motoren ausgestattet sind.

Mercedes ML
Mercedes

Der ML (W163) sieht aus wie ein Geländewagen, will aber auch den hohen Komfortansprüchen der Daimler-Kundschaft genügen.

Ab 5.500 Euro: frühe SUV als günstige Youngtimer

Der Vorteil: Durch das Negativimage bleiben die Preise bislang moderat. Für um die 10.000 Euro findet man bereits klassische SUV in passablem Zustand, für Young- und Oldtimer dieser Größe ist das nicht viel Geld. Hier sind sechs frühe SUV mit Klassiker-Potenzial (alle Preise für Autos im gepflegten Zustand / Note 2, Quelle Classic Analytics)

VW Golf Country (1990 bis 1991)

Er gehört zu den größten Flops von Volkswagen und gilt doch als Mitbegründer der SUV-Welle: Der VW Golf Country. Wie das zusammenpasst? Nun, eigentlich ist es eine geniale Idee der VW-Konstrukteure, einen Golf im Offroad-Look aufzulegen – sie kommt nur etwas zu früh. Bereits 1990 rollt der Golf Country auf den Markt. Basis ist der solide Golf II Synchro mit Allradantrieb. Bei Steyr-Daimler-Puch in Österreich wird dessen Karosserie mit einem Stahlrohrrahmen um zwölf Zentimeter höher gelegt. Dazu kommen verstärkte Federn und Dämpfer sowie Rammschutzbügel an Front und Heck.

Nur 8.000 verkauft: Warum der Golf Country floppte

Das Ergebnis sieht prima aus, nur leider fehlt die Differentialsperre. Gepaart mit den schmalen 195er-Sommerreifen hält sich die Geländegängigkeit des Synchro so stark in Grenzen, zu schnell bleibt er im Matsch stecken. Förster, Waldarbeiter und andere Outdoor-Aktive winken angesichts eines Kaufpreises von bis zu 42.000 Mark ab. Nach keinen 8.000 verkauften Exemplaren wird die Produktion 1991 wieder eingestampft. Umso begehrter ist der VW Golf Country heute bei Sammlern – besonders wenn er einen GTI-Motor unter der Haube hat. 50 GTI-Country werden seinerzeit exklusiv an VW-Mitarbeiter ausgeliefert. Marktwert: VW Golf Country (1.8 / 98 PS / 90-91): 16.000 Euro (13.445 Euro netto)

Opel Frontera
Opel

1991 stellt Opel den Frontera vor – ein Lizenz-Nachbau des Isuzu Wizard aus der GM-Konzernfamilie. Das Bild zeigt die zweite Generation.

Opel Frontera (1991 bis 2004)

Aufgebockte Großlimousinen mit Technik aus dem Konzernregal: Auch Opel erkennt den Reiz extravaganter SUV früh. 1991 stellen die Rüsselsheimer den Frontera vor – ein Lizenz-Nachbau des Isuzu Wizard aus der GM-Konzernfamilie. Opels erster Offroader wird aus dem Stand ein Verkaufserfolg: Der Allradantrieb im Frontera schleppt ansehnliche 2,8 Tonnen Anhängelast, sogar ein Untersetzungsgetriebe ist Serie. Die Motoren kommen von der Straßen-Limousine Omega.

Zylinderkopfdichtung & Co.: die Schwachstellen des Frontera

Dessen Aggregate machen auch beim Frontera eine ordentliche Figur, zumindest wenn einer der modernen Direkteinspritzer-Diesel an Bord ist. Die älteren Selbstzünder neigen dagegen zu Überhitzungen im schweren Frontera, die Zylinderkopfdichtung brennt gerne durch. Auch Ölverlust, Elektrikprobleme und undichte Hinterachsen bereiten vielen Frontera-Fahrern Probleme. Kenner raten daher zum Frontera B (ab 1998), der die Kinderkrankheiten seines Vorgängers überwunden haben soll. Marktwert: Opel Frontera A Sport 2.0i (2.0 / 115 PS / 92-95): 5.500 Euro (4.622 Euro netto)

Toyota RAV4
Toyota

Zu den ersten waschechten SUV gehört der RAV4 von Toyota.

Toyota RAV4 (1994 bis 2000)

Zu den ersten waschechten SUV gehört der RAV4 von Toyota. Die Japaner machen zum Start 1994 keinen Hehl daraus, dass dieses Auto kein Geländewagen, sondern ein Fun-Cruiser ist. Statt eines Leiterrahmens trägt der hochgelegte Kompakte eine selbsttragende Karosserie. Auch Starrachsen sind ihm ein Fremdwort, der Allradantrieb ist eher für die Straße gemacht. Kurzum: Das Lifestyle-SUV ist geboren.

Fast 190 km/h: der RAV4 als Autobahn-Crossover

Trotzdem oder genau deswegen kommt der RAV4 bei der Kundschaft gut an. Ein VW Tiguan ist schließlich auch nur ein höhergelegter Golf, oder? Toyotas RAV4 bietet Corolla-Technik, sieht aber aufregender aus. Und ein bisschen Gelände kann er ja auch mit seiner erhöhten Bodenfreiheit und den kurzen Überhängen beim Blechkleid. Autobahn übrigens ebenfalls: Knapp 190 km/h sind drin mit dem Zweiliter-Vierventiler. Kurzum: ein Multitalent – heute nennt man das Crossover. Marktwert: Toyota RAV4 Dreitürer (2.0 / 129 PS / 94-96): 6.000 Euro (5.042 Euro netto)

Mercedes ML
Mercedes

Ende der Neunziger entdeckt auch die automobile Oberklasse das aufstrebende SUV-Segment für sich. Mercedes schickt den ML 1997 ins Rennen.

Mercedes ML (1997 bis 2005)

Ende der Neunziger entdeckt auch die automobile Oberklasse das aufstrebende SUV-Segment für sich. Knuffigen Spaßmobilen wie dem Toyota RAV4 werden protzige Highend-Offroader an die Seite gestellt. 1997 macht Mercedes-Benz mit der neuen M-Klasse den Anfang. Der ML (W163) sieht aus wie ein Geländewagen, will aber auch den hohen Komfortansprüchen der Daimler-Kundschaft genügen.

V8 statt Vierzylinder: welche ML-Version wirklich überzeugt

Das klappt nicht immer, denn viele Bauteile des in den USA produzierten ML sind nicht so hochwertig, wie man es von anderen Modellen aus Stuttgart gewöhnt ist. Beim ML 230 kommt ein schwachbrüstiger Motor dazu, mit 150 PS ist der Vierzylinder aus der E-Klasse mit dem über zwei Tonnen schweren SUV überfordert. Der V6 im ML 320 (220 PS) kann da schon mehr. Wirklich überzeugend sind die Fahrleistungen der M-Klasse mit V8-Motor. Ein ML 430 oder ML 500 macht heute noch Spaß, dafür ist man Dauergast an der Tankstelle. ML-Facelift-Modelle ab 2002 zeichnet ein überarbeitetes Fahrwerk sowie eine aufgehübschte Karosserie aus. Marktwert: Mercedes-Benz ML 270 CDI (2.7 / 163 PS / 99-05): 8.900 Euro (7.479 Euro netto)

BMW X5
BMW

Bei den Premium-SUV zieht BMW ab 1999 mit dem X5 (E53) nach.

BMW X5 (1999 bis 2006)

Bei den Premium-SUV zieht BMW mit dem X5 (E53) nach. Der bullige Allradler ist der erste Stadtgeländewagen der Münchner. Mit Vierzylindern wie bei der Konkurrenz müssen sich X5-Fahrer nicht begnügen. Einstiegsmotorisierung ist der 3.0i mit Reihensechszylinder und 231 PS. Deutlich mehr Drehmoment bieten aber die Diesel-R6 – oder man bestellt direkt einen der wuchtigen Achtzylinder.

Über 240 km/h: der X5 als Autobahn-Champion

Der X5 4.4i etwa schafft trotz weit über zwei Tonnen Leergewicht über 200 km/h. Ein 4,6 is oder 4,8 is bringt es sogar auf über 240 km/h – auf der Autobahn, wohlgemerkt. Für schwere Offroad-Einsätze ist ein BMW X5 weniger gemacht. Seine Stärken hat er eindeutig auf der Straße, dort zeigt sich der schwere Brocken bis heute forsch bis brachial im Auftritt. Marktwert: BMW X5 3.0i (3.0 / 231 PS / 99-06): 9.800 Euro (8.235 Euro netto)

Porshe Cayenne
Porsche

Mit VW Touareg und Audi Q7 teilt sich der Porsche Cayenne die Plattform und viele technische Komponenten, das erleichtert heute die Ersatzteilbeschaffung.

Porsche Cayenne (2002 bis 2010)

Ein aufgebockter Porsche: Der 2002 vorgestellte Cayenne sorgt mächtig für Irritationen. Schließlich haben die Zuffenhausener bis dato ausschließlich Sportwagen gebaut. Der Cayenne ist das erste SUV im Hause, aber auch in diesem Namen steckt ja das Wort „Sport“. Mag der neue Allradler auch weit über zwei Tonnen wiegen, lahm ist er keineswegs.

270 km/h: der Cayenne als schnellstes Serien-SUV

Schon mit der Basismotorisierung – einem 250 PS starken V6 – rennt der Cayenne 214 km/h Spitze. Die V8-Versionen S, GTS oder Turbo S schaffen auch zwischen 240 und wahnwitzigen 270 Stundenkilometern. Damit ist der erste Cayenne (Typ 9PA) seinerzeit das schnellste Serien-SUV. Mit VW Touareg und Audi Q7 teilt er sich Plattform und viele technische Komponenten, das erleichtert heute die Ersatzteilbeschaffung. Fahrbereite Cayennes mit TÜV finden sich heute schon für unter 10.000 Euro (8.403 Euro netto) – nicht viel Geld für einen damaligen Luxus-Porsche. Marktwert: Porsche Cayenne (3.2 / 250 PS / 04-06): 13.500 Euro (11.345 Euro netto)