ADAC: Notbremsassistenten erkennen Kinder spät

Notbremsassistenten im ADAC-Test
Reflektoren irritieren Notbremsassistenten

Reflektoren machen Fußgänger sichtbarer. Bei einem ADAC-Test mit sechs aktuellen Autos offenbart sich jedoch ein Problem: Manche Notbremsassistenten reagieren gerade dann viel zu spät.

ADAC Test Notbremsassistent 2026
Foto: ADAC/ Uwe Rattay

Die für neue Autos verpflichtenden Notbremsassistenten müssen in der Lage sein, Fußgänger zu erkennen und bei Kollisionsgefahr mit ihnen automatisch das Fahrzeug abzubremsen. Doch in bestimmten Konstellationen versagen die Sicherheitssysteme, wie der Verkehrsclub ADAC bei Tests herausgefunden hat. Für Autofahrer heißt das: Sie müssen weiterhin wachsam bleiben und dürfen sich nicht darauf verlassen, dass die Technik sie aus der Verantwortung nimmt.

Sechs Modelle im ADAC-Test bei Dunkelheit

Mit Mercedes CLA, Tesla Model Y, BYD Seal, Hyundai Tucson, Dacia Duster und Opel Astra wurden vom ADAC sechs aktuelle Modelle überprüft. Passend zur Jahreszeit mussten deren Notbremsassistenten bei Dunkelheit auf einen erwachsenen Fußgänger sowie ein Kind reagieren, die jeweils unterschiedliche Kleidung trugen. Als Referenz diente für jedes Fahrzeug die höchste Geschwindigkeit, bei der es eine Kollision mit einem Dummy ohne reflektierende Kleidung noch vermeiden konnte.

ADAC Test Notbremsassistent 2026
ADAC/ Uwe Rattay

Die Untersuchungen fanden im ADAC Testzentrum Mobilität in Penzing statt.

Bei Reflektoren zeigen sich gravierende Schwächen

Während die Assistenten aller sechs Fahrzeuge einen mit handelsüblicher Warnweste bekleideten Erwachsenen rechtzeitig erkannten und eine Kollision verhinderten, zeigten sich bei genormter reflektierender Arbeitskleidung erhebliche Schwächen. Fast alle Systeme reagierten zu spät oder gar nicht. Ähnlich ernüchternd fiel das Ergebnis bei einem Kinderdummy mit reflektierender Kleidung und Schulranzen aus. Obwohl alle Fahrzeuge ein dunkel gekleidetes Kind erkannten, versagten bei der reflektierenden Variante nahezu sämtliche Notbremsassistenten. Lediglich der Mercedes CLA konnte eine Kollision mit einem hinter einem parkenden Auto hervortretenden Kind vermeiden.

Warum der ADAC Software-Updates fordert

Der ADAC sieht darin eine erhebliche Sicherheitslücke und fordert die Hersteller deshalb zu Nachbesserungen auf. Da das Versagen der Assistenzsysteme offenbar weniger auf die Sensorik als auf die softwareseitige Erkennung und Einordnung von Verkehrsteilnehmern zurückzuführen ist, könnten in vielen Fällen Updates Abhilfe schaffen.

Reflektierende Kleidung bleibt empfehlenswert

Trotz der ernüchternden Ergebnisse im Zusammenspiel mit reflektierender Kleidung bleibt das Tragen dieser nach Ansicht des ADAC für Fußgänger und insbesondere Kinder weiterhin empfehlenswert, da sie die Sichtbarkeit für Autofahrer erheblich verbessert. Der damit verbundene Sicherheitsgewinn überwiegt nach Einschätzung der Unfallexperten deutlich das Risiko, von einem Notbremsassistenten nicht oder erst spät erkannt zu werden.