Das Beste kommt zuletzt. Oder eher: Das Schwierigste. Den Deutschlandstart hat sich die chinesische Marke bis zum Schluss aufgehoben. In Großbritannien, Spanien und Polen ist Chinas größter Pkw-Exporteur bereits aktiv. Nach Deutschland kommt Chery aber erst 2027, nach mehreren Jahren Vorbereitung. „Wir wissen, wie anspruchsvoll die Kunden sind. Da wollen wir nichts anbrennen lassen“, sagt Deutschlandchef Patrick Reimers. Händlernetz, Vertriebsstrukturen und Ersatzteilversorgung werden derzeit aufgebaut.
Dieser SUV soll den Anfang machen
Als Einstiegsmodell hat die Marke den 4,32 Meter langen Tiggo 4 im Gepäck. Er soll für 22.000 bis 25.000 Euro (18.487 bis 21.008 Euro netto) angeboten werden. Damit wildert der Hybrid-SUV nicht nur im Revier von Dacia Duster oder MG ZS Hybrid+, sondern preislich auch bei neuen Stromern wie Kia EV2, Skoda Epiq, VW ID.Polo und Cupra Raval.
Dem Tiggo 4 sieht man sein Alter an
Ganz neu ist der Tiggo 4 nicht. Die Baureihe geht auf ein bereits 2017 vorgestelltes Modell zurück und wurde seitdem mehrfach überarbeitet. Das sieht man ihr auch an. Gegen die schicken neuen E-Kleinwagen fehlt etwas der Pep.

Der Tiggo 4 ist 4,32 Meter lang.
Beim Beschleunigen wird es ungemütlich
Bei der ersten Ausfahrt in Frankfurt steckt unter der Haube noch der Hybridantrieb, mit dem das Modell bereits in anderen Ländern verkauft wird. Ein 95 PS starker 1,5-Liter-Saugbenziner arbeitet mit einem bis zu 204 PS starken Elektromotor zusammen. Die Systemleistung beträgt 163 PS. In der Stadt passt das: Der Tiggo fährt häufig elektrisch an, reagiert spontan aufs Gas und wechselt weich zwischen den Betriebsarten. Bei höherem Tempo ist es mit der Ruhe allerdings vorbei. Dann muss der Benziner einen größeren Teil der Arbeit übernehmen. Beim kräftigen Beschleunigen wirkt er schnell überfordert, wird laut und läuft rau.
Für Deutschland bekommt der Tiggo mehr Leistung
Deshalb wird der kleine SUV für Deutschland nochmals umgebaut. Er soll den Hybridantrieb des größeren Tiggo 7 bekommen. Dort ergänzt ein Turbo den Benziner, was dessen Leistung auf 143 PS und die Systemleistung auf 224 PS steigert. Im kompakten Tiggo 7 jedenfalls arbeitet diese Kombination ausgesprochen ruhig und geschmeidig und hat auch bei höherem Tempo genügend Reserven. Im deutlich kleineren Tiggo 4 dürfte damit ordentlich Leben in die Bude kommen.
Beim Innenraum muss Chery sparen
Ansonsten merkt man schnell, dass auch Chery für das Geld nicht zaubern kann. Das Cockpit mit weit aus der Mittelkonsole ragendem Wählhebel wirkt ziemlich konventionell. Dazu kommen reichlich schlichter Kunststoff und ein lieblos verlegter Teppich. Außerdem riecht der Testwagen auffällig nach Kunststoff.

Das Cockpit mit weit aus der Mittelkonsole ragendem Wählhebel wirkt ziemlich konventionell. Dazu kommen reichlich schlichter Kunststoff und ein lieblos verlegter Teppich.
Platz gibt es überraschend reichlich
Dafür gibt es erstaunlich viel Platz. Für ein SUV sitzt man relativ niedrig. Auch im Fond sind Erwachsene ordentlich untergebracht. Ablagen gibt es reichlich, zwischen den Vordersitzen passen sogar ein paar Flaschen in ein großes Fach. Anders als in den teureren Tiggo-Brüdern ist das aber nicht klimatisiert. Zwei 12,3-Zoll-Displays sitzen nebeneinander, Apple Car Play und Android Auto funktionieren kabellos. Ganz ohne Tasten geht es erfreulicherweise trotzdem nicht: Klima, Radio oder Navigation laufen zwar wie üblich über den Touchscreen, darunter sitzen aber noch sieben Schalter für Lautstärke, Kamera und Fahrprogramme.
Dieser Knubbel stört im Kofferraum
Den gröbsten Schnitzer leistet sich der Kofferraum. Auf dem Papier sind 430 Liter, bei umgelegter Rückbank 1.190 Liter Ladevolumen schon ganz ordentlich. Doch rechts im Ladeboden stört ein dicker Knubbel über der 12-Volt-Batterie. Wie in aller Welt soll man da mehrere Getränkekisten oder größere Kartons vernünftig nebeneinanderstellen?

Rechts im Ladeboden stört ein dicker Knubbel über der 12-Volt-Batterie das Beladen des Kofferraums.
Bei der Sicherheit spart Chery nicht
Bei der Sicherheitsausstattung knausern die Chinesen dagegen nicht. Bis zu 24 Assistenzsysteme und sieben Airbags sind vorgesehen, darunter Totwinkel- und Querverkehrswarner sowie Spurassistenten. Beim Aussteigen warnt zudem eine Leuchte in der Tür vor Autos oder Radfahrern. Je nach Ausstattung kommen Sitzheizung, elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Zweizonen-Klimaautomatik und 360-Grad-Kamera hinzu.
Bis 2027 bleibt noch Arbeit
Lenkung und Fahrwerk könnten bis zum Verkaufsstart noch etwas Feinschliff vertragen. Bis 2027 bleibt dafür ja noch Zeit. Denn schließlich will Chery gerade in Deutschland nichts anbrennen lassen.
Chery Tiggo 4 – Technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges SUV; Länge: 4,32 Meter, Breite: 1,83 Meter, Höhe: 1,65 Meter, Radstand: 2,61 Meter, Kofferraumvolumen: 430–1.190 Liter
MotorisierungVollhybrid, 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, Systemleistung 165 kW/224 PS, Drehmoment: 295 Nm; Frontantrieb, 0-100 km/h: k. A., Vmax: 180 km/h, Normverbrauch: k. A., CO2-Ausstoß: k. A. Preis: voraussichtlich 22.000-25.000 Euro (18.487 bis 21.008 Euro netto)
Chery Tiggo 4 – Kurzcharakteristik
Warum: Günstig, weicher und kraftvoller Antrieb
Warum nicht: Optisch nicht mehr taufrisch, unpraktischer Kofferraum
Wann kommt er: Frühjahr 2027







