Chinesische Automarken gewinnen in Europa an Gewicht
Gefühlt waren chinesische Autos eben noch ein exotisches Randthema. Heute macht sich keiner mehr über Marken mit Namen wie Changang, Xpeng oder Zeekr lustig. Natürlich sind sie noch immer Randerscheinungen, aber ihre Bedeutung wächst stetig. Europaweit liegt ihr Anteil bereits auf einem ähnlichen Niveau wie der von koreanischen Herstellern. In Deutschland kletterten die Neuzulassungen zuletzt auf etwa 1,6 Prozent.
Technik, Preis-Leistung und Vertrieb als Wachstumstreiber
Die Gründe für den Aufstieg sind vielfältig: Neueste E-Technik, verbunden mit hohen Reichweiten und schnellen Ladezeiten, gute Serienausstattung und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis stehen ganz oben bei den Argumenten. Dazu kommen moderne Assistenzsysteme, große Displays und großzügige Garantieversprechen. Auch der Vertrieb kommt langsam in die Gänge. Direktvertrieb über Onlinekanäle, Kooperationen mit etablierten Handelspartnern und ein schrittweiser Aufbau von Service- und Händlernetzen tragen dazu bei, dass chinesische Marken zunehmend als vertrauenswürdige Alternative wahrgenommen werden. Gerade im SUV-Segment sind chinesische Angebote stark. Hier sind fünf Elektro-SUVs, die man sich merken sollte:
1. BYD Seal U: Familien-SUV mit eigener Batterietechnik
In der SUV-Klasse bis 4,80 Meter passt von BYD Seal U (4,78 m) in unser Größenraster. Während die Optik eher funktional als überbordend modern herüberkommt, überzeugt der Seal U vor allem durch aktuelle E-Technik. Im Inneren zeigt er ein typisches China-Cockpit mit wenig Tasten und großem, zentralem Bildschirm, dazu bequeme Sitze sowie ausreichend Platz für fünf Personen und Gepäck – ein klassischer Familien-SUV im besten Sinne. Für die Elektro-Variante (alternativ Plug-In-Hybrid mit über 1.000 Kilometer Reichweite) nutzt der größte E-Anbieter der Welt seine eigene Blade-Batterie. Je nach Batteriegröße (71,8 oder 87,0 kWh) sind Reichweiten von 420 bis 500 Kilometern möglich. Der vordere E-Motor liefert 160 kW/218 PS und sorgt für völlig ausreichende Fahrleistungen. Beim Laden ist der Seal U ebenfalls wettbewerbsfähig – allerdings kein Super-Performer. Mit einer DC-Ladeleistung von bis zu 140 kW lassen sich auf Langstrecken zügige Ladevorgänge realisieren. Moderne Assistenzsysteme sind serienmäßig an Bord. Die Preisliste für den BYD Seal U Comfort beginnt bei knapp 36.130 Euro (alle Preise netto). Er ist über ein Netz von rund 150 BYD-Händlern und großen Autohausgruppen in Deutschland erhältlich.
2. Leapmotor C10: Mit Stellantis-Vertrieb in Europa
Leapmotor hat strategisch den aktuell besten Zugang zum europäischen Markt. 2024 ging der Hersteller aus Hangzhou ein Joint Venture mit Stellantis (Fiat, Opel, Peugeot usw.) ein, um seine Modelle in Europa zu vertreiben. Der C10 (4,73 Meter) ist das derzeit größte Baby in Europa. Den SUV gibt es mit E-Antrieb oder als Plug-in-Hybrid REEV mit bis zu 970 Kilometer Reichweite. Die Einstiegs-E-Variante Pro kommt mit 160 kW/218 PS, einer 69,9-kWh-Batterie und einer Reichweite von bis zu 420 Kilometern. Einstiegspreis: 31.597 Euro.
Die Pro-Max-Allradversion liefert 220 kW/299 PS und hat eine 81,9-kWh-Batterie im Tiefparterre, die 510 Kilometer durchhalten soll. Hier beträgt die Ladezeit 22 Minuten. Die Preisliste für den nahezu voll ausgestatteten AWD beginnt bei günstigen 35.210 Euro. Optisch gibt sich der C10 modern mit glatten Linien und klaren SUV-Proportionen. Innen findet man ein schlichtes Design mit großem Touchscreen. Umfangreiche Assistenzsysteme, ein riesiges Panoramaglasdach sowie eine Super-HiFi-Anlage sind serienmäßig. Vertrieb, Service und Wartung übernehmen derzeit rund 150 Stellantis-Händler, viele davon aus dem Opel Netzwerk.
3. Deepal S07: Designstarkes SUV-Coupé aus China
Achtung Zungenbrecher: Changang kommt aus Chongqing und ist einer der ältesten staatlichen Automarken Chinas. Eine Submarke des Konzern ist Deepal, und ihr größtes Modell auf dem deutschen Markt heißt S07 (4,75 m). Das SUV-Coupé will nicht nur technisch überzeugen, sondern auch emotional – mit einem Design und einem Interieur, das extrovertierter ist als bei vielen Mitbewerbern. Auf der Visitenkarte des S07 steht die übliche Leistung von 160 kW/218 PS, angetrieben werden die Hinterräder. Die Batteriekapazität liegt bei 79,9 kWh. Nach WLTP sind damit Reichweiten von bis zu 475 Kilometer drin.
Die DC-Ladeleistungen von bis zu 150 kW macht den S07 auch für längere Strecken interessant. Auch der Deepal S07 steckt voll mit Assistenzsystemen und netten Ausstattungsdetails, für die deutsche Hersteller nach wie vor reichlich Geld extra verlangen. Und das Ganze zu einem knackigen Preis: ab 37.807 Euro. Für den Vertrieb setzt Changan auf das Händler-Modell und vertreibt seine Elektroautos über teilweise etablierte Autohäuser.
4. Xpeng G6: 800-Volt-Technik auf Premium-Niveau
Der Xpeng G6 (4,75 m) fährt optisch frontal gegen Teslas Modell Y. Das stylishe SUV-Coupé ist das dritte Modell der jungen Marke. Wie alle Xpeng ist auch der G6 softwaregetrieben, komplett digital ausgestattet und auf Komfort ausgelegt. Den Premium-Anspruch merkt man vor allem im Innenraum, wo die Verarbeitung ebenso top ist wie die Materialien. Ein dominanter Touchscreen mit wenig haptischen Tasten steuert die meisten Funktionen, während viele Assistenz-Features, ein riesiges Panoramadach und eine HiFi-Anlage mit bis zu 960 Watt serienmäßig an Bord sind.
Drei Leistungsstufen von 185 kW/252 PS über 218 kW/296 PS bis zur Allrad-Variante mit 358 kW/487 PS stehen in der Preisliste. Dazu zwei Batteriegrößen (68,5 und 80,8 kWh), die Reichweiten von 455 bis 525 Kilometern versprechen. Beim Laden zählt der G6 zu den absoluten Hochleistungs-Athleten seiner Zunft. Dank 800-Volt-Technik ist eine Ladeleistung von bis zu 451 kW möglich. Im Idealfall dauert die Ladezeit von 10 bis 80 Prozent kaum mehr als zwölf Minuten. Der G6-Einstieg beginnt bei 36.639 Euro. Xpeng vertreibt seine Modelle über ein Netzwerk an lokalen Vertragshändlern, die Verkauf und Service übernehmen. Die rund 60 Standorte sollen langfristig auf 120 verdoppelt werden.
5. Zeekr 7X: Leistungsstarker Herausforderer der Oberklasse
Ganz frisch aus China auf deutsche Straßen kommt der Zeekr 7X (4,78 m). Als Teil von Geely zählt Zeekr zur Premium-Elektromarke des Konzerns. Fährt also als ein weiterer direkter Konkurrent von BMW, Mercedes oder Audi vor. Der Zeekr 7X kommt sowohl mit Heckantrieb als auch als Allrad-Variante mit zwei Motoren und teilt sich die E-Plattform sowie viele technische Komponenten mit dem Smart #5. In der Basisversion für 54.990 Euro leistet der Motor 310 kW/421 PS. Die Allrad-Variante mobilisiert bis zu 475 kW/646 PS. Preis: ab 64.990 Euro.
Es gibt zwei Batterien: Eine 75-kWh-Version bringt rund 480 Kilometer WLTP-Reichweite, das große 100-kWh-Paket bis zu 615 Kilometer. Spitzenwerte bei der Ladegeschwindigkeit werden durch eine 800-Volt-Architektur möglich, die an geeigneten Säulen Ladeleistungen von bis zu 475 kW ermöglicht. Der Bestwert von 13 Minuten fürs Laden von 10 bis 80 Prozent unterstreicht die Ambitionen von Zeekr. Innen grüßt der 7X mit Luxus-Details, modernem Infotainment und hochwertigen Materialien. Ein aktives Fahrwerk mit Luftfederung ist immer an Bord. Zeekr setzt zunächst auf Direktvertrieb. Es soll zwar deutschlandweit über 40 Service-Center geben, Bestellungen werden aber zunächst digital über Zeekr-Onlinekanäle erfolgen.











