Great Wall Motors (GWM) baut sein Markenportfolio in Europa weiter aus. Auf die eigenwillig designten Stromer der Submarke Ora und die hochpreisigen Plug-in-Hybride von Wey folgt nun Haval. Die neue Marke zielt mit konventionellerer Technik und einem unaufgeregten Auftritt auf den Massenmarkt – und positioniert sich in erster Linie über einen extrem aggressiven Preis.
Großes SUV zum Kampfpreis
Mit einer Länge von 4,70 Metern überragt der neue Haval H6 einen VW Tiguan um sechs Zentimeter. Optisch gibt sich der Chinese eher konservativ: Sein Design fällt weder extrem auf, noch eckt es an. Das eigentliche Ausrufezeichen setzt der Importeur, die O! Automobile GmbH, beim Tarif: Die Preisliste startet bei 26.882 Euro (alle Preise netto). Damit bewegt sich das üppig dimensionierte SUV auf dem Niveau eines klassentieferen Dacia Bigster. Zum Marktstart lockt der zur Emil Frey Gruppe gehörende Importeur bis Ende Juni für Schnellentschlossene zudem mit einem Einführungsrabatt von 2.521 Euro.

Das Ambiente wirkt dank edler Materialien und praktischer Details durchaus hochwertig.
Viel Ausstattung und Platz im Innenraum
Trotz des günstigen Einstiegs müssen Kunden im Innenraum kaum Abstriche machen. Ein Radstand von 2,74 Metern sorgt für großzügige Platzverhältnisse. Das Ambiente wirkt dank edler Materialien und praktischer Details durchaus hochwertig. Bereits das Basismodell fährt mit einer beachtlichen Serienausstattung vor. Dazu zählen elektrisch verstellbare Sitze, Heizung für Polster und Lenkrad sowie ein Infotainment-System mit kabelloser Anbindung von Android Auto und Apple Car Play.
Letzteres verfügt über Rundumsicht-Videosignale einer 360-Grad-Kamera, in die es 3D-Animationen einfügt und so beim Rangieren eine gläserne Ansicht des Fahrzeugs inklusive aller Hindernisse auf das zentrale 14,6-Zoll-Display zaubert. Zudem merkt sich der H6 die letzten 50 gefahrenen Meter und kann diese auf Wunsch automatisch zurücksetzen. Wer zur Topausstattung greift, bekommt zusätzlich Annehmlichkeiten wie ein Panoramadach, klimatisierte Ladeschalen für das Smartphone, Sitzbelüftung und ein Head-up-Display.
Bei so viel High-Tech ist es umso verwunderlicher, dass der Blinker unseres Testwagen beim Antippen je nach Lust und Laune manchmal dreimal blinkt, ein anders Mal einfach an bleibt. Zudem passt nicht wirklich ins Bild, dass lediglich die Farbe Metallic-Weiß inklusive ist: Wer das SUV in Schwarz, Grau oder Gold haben will, wird mit zusätzlichen 790 Euro zur Kasse gebeten.

Den Haval H6 treibt in Deutschland ausschließlich ein Vollhybrid-System an.
Hybridantrieb mit viel Leistung
Den Haval H6 treibt in Deutschland ausschließlich ein Vollhybrid-System an. Dazu kommt ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit 110 kW/150 PS mit einem 130 kW/177 PS starken Elektromotor an der Vorderachse zusammen. Daraus resultiert eine stattliche Systemleistung von 179 kW/243 PS und ein kombiniertes Drehmoment von 530 Newtonmetern. Leider überfordert dieser durchaus potente Antrieb die Vorderräder insbesondere beim Anfahren oder harten Beschleunigen auf nasser Fahrbahn. Auch gegen Aufpreis ist keine Allrad-Option zu haben. Ein kleiner Pufferakku mit 0,83 kWh Nettokapazität liefert den Strom für kurze rein elektrisch zurückgelegte Passagen und unterstützt den Verbrenner beim Beschleunigen.
Komfort zählt mehr als Fahrdynamik
Das Zusammenspiel der Motoren regelt ein zweistufiges Getriebe (DHT: Dedicated-Hybrid-Transmission). Der Wechsel zwischen den Antriebsarten gelingt in der Praxis erfreulich harmonisch. Aus dem Stand erreicht der H6 nach offiziell 8,3 Sekunden die Marke von 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit begrenzt die Elektronik auf 175 km/h. Den WLTP-Normverbrauch gibt der Hersteller mit 5,9 Litern auf 100 Kilometern an, was die Tankrechnungen auch in heutigen Zeiten im überschaubaren Rahmen halten sollte.

Das 4,70 Meter lange SUV H6, startet bei 26.882 Euro netto.
Seine dynamischen Grenzen zeigt der H6 jedoch beim Fahrwerk. Die Lenkung ist gefühlsarm und lax ausgelegt, das Bremspedal geizt mit klarem Druckpunkt und die weiche Federung unterstreicht den unverbindlichen Charakter. Der SUV lädt vielmehr zum entspannten Cruisen als zur Kurvenhatz ein.
Preis-Leistung als größtes Argument
Wer auf Fahrdynamik und Markenimage Wert legt, wird bei der etablierten Konkurrenz glücklicher – muss dafür aber ein weitaus höheres Budget einplanen oder sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt umsehen. Für preisbewusste Familien, die ein geräumiges, komfortables und üppig ausgestattetes Auto für den Alltag suchen, bietet der Haval H6 jedoch einen fast unschlagbaren Gegenwert. Die Kaufentscheidung erleichtert der Importeur zudem mit einer fünfjährigen Garantie, bei der er auf ein Kilometerlimit verzichtet.
GWM Haval H6 – Technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Mittelklasse; Länge: 4,70 Meter, Breite: 1,89 Meter (mit Außenspiegeln: 2,17 Meter), Höhe: 1,73 Meter, Radstand: 2,74 Meter, Kofferraumvolumen: 560 – 1.445 Liter 1,5-Liter-Turbobenziner: 110 kW/150 PS, Drehmoment 230 Nm und Elektromotor: 130 kW/177 PS, Drehmoment 300 Nm; Systemleistung: 179 kW/243 PS, Systemdrehmoment: 530 Nm, Frontantrieb, Getriebe: Dedicated Hybrid Transmission (DHT), Batterie: 1,67 kWh (brutto) / 0,83 kWh (netto) , 0-100 km/h: 8,3 s, Vmax: 175 km/h , Normverbrauch: 5,9 l/100 km, CO2-Ausstoß: 134 g/km Preis: ab 31.990 Euro
Kurzcharakteristik
Warum: Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, viel Platz, sehr umfangreiche Serienausstattung
Warum nicht: Kein Allradantrieb verfügbar, schwammiges Fahrwerk, gefühlsarme Lenkung









