Hyundai Staria Elektro: Fahrbericht und Preise

Hyundai Staria Elektro im Fahrbericht
Ein Raumriese mit überraschender Stärke

Der Hyundai Staria kehrt als Elektro-Van ins Rampenlicht zurück. Unser Fahrbericht zeigt, wie überzeugend Raumangebot, Fahrverhalten und Ladetechnik sind – und wo die große Karosserie stört.

Dunkelblauer Hyundai Staria Elektro in Fahrt aus schräger Frontperspektive mit schmalem Lichtband und vertikalen Scheinwerfern.
Foto: Hyundai

Die Vans sind wieder da. Über viele Jahre weg als „Pampas-Bomber“ oder „Mums Cars“ verschrien, von den SUVs bei den Zulassungen zum Zwergsegment degradiert, mit entsprechender Ausdünnung des Angebots als Folge, feiern die praktischen Raumriesen seit einiger Zeit wieder ein noch zartes, meist elektrisches Comeback. Modelle wie Mercedes VLE oder Xpeng X9 stehen für ein modernes Angebot, das sich vornehmlich an größere Familien, Business-Reisende mit Platzbedarf, Beförderungsunternehmen oder auch Hotels richtet. So auch der neue Hyundai Staria.

Hyundai Staria: Versionen und Preise

Ihn gibt es als Nutzfahrzeug (Cargo) wie als Personentransporter (Elektro), letzterer in drei Ausstattungsvarianten mit sieben oder neun Sitzen. Angetrieben werden ausschließlich die Vorderräder, und zwar immer von einem 160 kW/218 PS starken Elektromotor. Die 84 kWh große Batterie soll nach Norm 430 Kilometer Reichweite garantieren. Die Preise starten bei 48.277 Euro (alle Preise netto) für die Variante Trend und reichen über die mittlere Version Prime (53.487 Euro) – beide mit je neun Sitzen - bis zum siebensitzigen Spitzenmodell Calligraphy für stolze 56.261 Euro.

Cockpit des Hyundai Staria Elektro mit digitalem Kombiinstrument, zentralem Touchscreen, Multifunktionslenkrad und Klimabedienung.
Hyundai

Die verwendeten Kunststoffe sind gut verarbeitet, strahlen aber noch einen leicht nutzfahrzeuglichen Restcharme aus.

So großzügig ist der Innenraum

Auffallend beim Einstieg in den Staria ist der durch die niedrige Gürtellinie hohe Glasanteil vor allem seitlich, was den Innenraum ausgesprochen luftig und freundlich wirken lässt. Er ist zudem auffallend durchdacht eingerichtet, mit sinnvollen Ablagen und einfacher Bedienung. Speziell im Siebensitzer herrschen auch in der zweiten und dritten Reihe geradezu fürstliche Platzverhältnisse. Die verwendeten Kunststoffe sind gut verarbeitet, strahlen aber noch einen leicht nutzfahrzeuglichen Restcharme aus.

Sieben oder neun Sitze: der Unterschied

Die Sitze der zweiten und dritten Reihe lassen sich verschieben und hochklappen. Beim Siebensitzer ist die Konfiguration 2-2-3 mit zwei sehr komfortablen Einzelsitzen vorn und in der Mitte. Der Neunsitzer kommt in der Konfiguration 3-3-3 mit drei Bänken, hier kann der vordere Mittelsitz zwischen Fahrer und Beifahrer allerdings nur von kleineren Personen sinnvoll genutzt werden.

Wie souverän fährt der schwere E-Van?

Der Elektromotor hat mit dem immerhin rund 2,7 Tonnen schweren Staria im Stadt- und Überlandverkehr erwartbar keine Probleme, auch wenn die Anfahrt an einer Ampel naturgemäß nicht ganz so vehement ausfallen kann wie bei kleineren oder stärkeren E-Autos. Auf der Autobahn geht es zunächst ebenfalls flott voran, erst wenn man sich der Vmax von immerhin 184 km/h nähert, spürt man, wie Gewicht und Luftwiderstand den Vortrieb deutlich einbremsen.

Hyundai Staria Elektro in Dunkelblau von der Seite mit langer Karosserie, großen Seitenfenstern, Schiebetür und schwarzen Rädern.
Hyundai

Die 84 kWh große Batterie soll nach Norm 430 Kilometer Reichweite garantieren.

Wo die Abmessungen zum Problem werden

In der Stadt lässt sich der Staria auf großen Tangenten zwar souverän bewegen, geht es allerdings auf kleinere Straßen oder Gassen oder muss man rangieren oder gar wenden, merkt man die Länge von 5,25 Metern und mehr noch die Breite von 2,00 Metern sehr deutlich und das Fahrzeug wird unhandlich.

Überraschend sparsam auf der Testrunde

Überrascht waren wir von der Effizienz des großen Autos. Auf einer rund eineinhalbstündigen, etwa 50 Kilometer langen Fahrt durch den dichten Stadtverkehr Münchens, überwiegend mit Tempo 30 bis 50 sowie einer kurzen, aber schnellen Autobahnetappe zeigte der vorher vollgeladene Akku noch rund 89 Prozent Füllung an, was etwa 9 kWh Konsum entspricht. Der Wert zeigt, wie effizient man mit dem großen Hyundai unterwegs sein kann und wie gut die Koreaner die E-Technologie inzwischen im Griff haben.

Schnellladen kann er – aber wie weit fährt er?

Da der Staria auf 800-Volt-Basis steht, gibt es auch an den maximalen Ladeleistungen und an der Ladezeit wenig zu meckern. Mit bis zu 256 kW geht es am Schnelllader zur Sache, nach rund 20 Minuten ist ein auf 10 Prozent abgesackter Akku wieder bei 80 Prozent. Die Norm-Reichweite von 430 Kilometern ist allerdings nicht überragend und dürfte zudem in der Praxis nur bei äußerst zurückhaltender Fahrweise und vorwiegender Nutzung im Stadtverkehr annähernd zu erreichen sein.

Dunkelblauer Hyundai Staria Elektro während der Fahrt in schräger Heckansicht mit großer Heckscheibe und vertikalen Rückleuchten.
Hyundai

Der Elektromotor hat mit dem immerhin rund 2,7 Tonnen schweren Staria im Stadt- und Überlandverkehr erwartbar keine ProblemeDie 84 kWh große Batterie soll nach Norm 430 Kilometer.

Für wen sich der Staria wirklich lohnt

Hyundai preist den Staria auch als Langstreckenauto an. Das sehen wir allerdings nur für Menschen, die genug Zeit haben, an Autobahnraststätten alle zwei bis drei Stunden den Akku nachzufüllen. Für große Familien mit entsprechendem Platzbedarf und für Taxis oder als Hotelshuttle ist der Staria aber prädestiniert - und in der Cargo-Variante natürlich für Handwerker ein Thema. Vor allem, weil die wenigen echten Konkurrenten, die bei Platz, Ausstattung und Leistung mithalten können, deutlich teurer sind.

So besetzt der Staria eine kleine, aber feine Nische im Segment der elektrischen Raumwunder und könnte seinen Teil zum wundersamen Comeback der Vans beisteuern.

Hyundai Staria Elektro – Technische Daten

Sieben-/Neusitziger Van der Oberklasse; Länge: 5,25 m, Breite: 2,00 m, Höhe: 1,99 m, Radstand: 3,27 m, Kofferraumvolumen: 831 – 1.303 l (9-Sitzer), 117 – 431 l (7-Sitzer) + Frunk (24 l)

Elektromotor, 160 kW/218 PS, Vorderradantrieb, 350 Nm, 0-100 km/h: 9,5 s, Vmax: 184 km/h, Anhängelast: 2 t, Akku-Kapazität: 84 kWh (Lithium-Ionen), 800-Volt-Technologie, Ladeleistung (AC): 11 kW, Ladeleistung (DC): 256 kW, 10-80 %: 20 min, Norm-Verbrauch: 21 kWh/100 km, Reichweite: 430 km

Preis Trend (9-Sitzer): 48.277 Euro

Preis Prime (9-Sitzer): 53.487 Euro

Preis Calligraphy (7-Sitzer): 56.261 Euro

Kurzcharakteristik

Warum: Raum satt; gute Ladeleistungen; sinnvolle Ausstattung; im Konkurrenzvergleich günstiger Preis

Warum nicht: durch die Länge unhandlich; eingeschränkte Praxisreichweite; Innenraum mit leichtem Nfz-Charme

Was sonst: Mercedes VLE, Xpeng X9

Wann kommt er: bereits im Handel