Auch wenn die Zulassungszahlen zuletzt deutlich gestiegen sind und das Angebot inzwischen groß ist: Die Mehrheit ist noch nicht bereit für ein Elektroauto oder traut sich noch nicht. Um solche Menschen ans Stromern zu gewöhnen, hat die Autoindustrie die PHEVs erfunden – Plug-in-Electric Vehicles. Gemeint sind normale Verbrenner mit einem zusätzlichen E-Motor und einer größeren Batterie, als sie herkömmliche Hybridmodelle haben. So auch bei Hyundais Tucson.
Hyundai Tucson im wichtigen SUV-Segment
Der Tucson ist einer der Klassiker im Modellprogramm der Koreaner und im volumenträchtigsten SUV-Segment einsortiert, also der Größenkategorie 4,50 Meter bis 4,80 Meter. Optisch unterscheidet sich der Koreaner nicht groß von anderen SUV, auch wenn die Designer mit allerlei Sicken, Falzen und Kanten versucht haben, das Auto aus der Masse abzuheben und die Linienführung – wie alle anderen auch – mit einer Designsprache zu erklären.
Raumangebot mit PHEV-Einschränkung
Ob er nun zur gehobenen Kompakt- oder doch eher Mittelklasse zählt, spielt keine Rolle. Jedenfalls bietet das Fahrzeug ausreichend Platz für eine Familie. Wobei die kleine Einschränkung gilt, dass ein reines E-Auto auf gleicher Fläche mehr Platz offerieren würde, weil bei diesem beispielsweise weder Abgasanlage noch Kardanwelle notwendig sind. Und so ist das Raumangebot auf den Rücksitzen zwar gut, aber eben auch schlechter als beispielsweise im Hyundai Ioniq 5.

Optisch unterscheidet sich der Koreaner nicht groß von anderen SUV.
Komfort und Bedienung im Innenraum
Vorne sitzen sowohl kleine wie auch 1,90-Meter-Menschen gut. Hinten ist der Platz ausreichend. Alles wird hochwertig verarbeitet. Die Bedienung ist nicht kompliziert. Hyundai verwendet reichlich Bildschirme und Touch-Flächen, aber auch physische Schalter. Allerdings ist es an manchen Ecken auch schon wieder zu viel. Der eigentlich lobenswerte Extrabildschirm für die Klimasteuerung etwa bietet jede Menge Möglichkeiten zur Einstellung, wirkt aber ob der schieren Vielfalt schon wieder so verwirrend wie zu Zeiten, als Autos noch eine Taste für jede Menge Funktion hatten. Hier wäre weniger mehr.
Antrieb und elektrische Reichweite des PHEV
Mehr wäre auf jeden Fall auch mehr bei der Batteriekapazität des Plug-in-Systems. Beim PHEV arbeiten ein 1,6-Liter-Benziner mit 131 kW/180 PS und ein E-Motor mit 79 kW/107 PS zusammen und kommen auf eine Systemleistung von 212 kW/288 PS. Eine 13,8 kWh große Batterie ermöglicht eine elektrische Norm-Reichweite von 63 Kilometern. Soweit die Grunddaten. Leider fällt der Tucson mit der Reichweite aus der Förderung für E-Autos raus. Was schade ist, aber auch selbst verschuldet. Aktuelle Wettbewerber schaffen heute schon mehr als 100 elektrische Kilometer, was sich im Alltag durch höhere Stromfahranteile und weniger Benzinverbrauch auszahlt.

Hyundai verwendet reichlich Bildschirme und Touch-Flächen, aber auch physische Schalter.
Verbrauch des Hyundai Tucson im Praxistest
Trotzdem ist der PHEV ist nicht nur der leistungsstärkste Antrieb im Tucson-Modellangebot, sondern auch laut Norm der sparsamste. Hyundai gibt als Durchschnittsverbrauch 3,2 Liter plus 11 kWh Strom an. Bei leerer Batterie sind es rund 6,5 Liter. Will man aber das Spritsparvermögen des PHEV ausnutzen, bedarf es zum einen Ladedisziplin, zum anderen eines sanften Gasfußes. Auch das Streckenprofil, das man zurücklegt, hat großen Einfluss auf den Verbrauch. Wir luden den Akku an der heimischen Wallbox immer nach. Wirkliche Kurzstrecken absolvierten wir somit weitgehend elektrisch; die Normreichweite verfehlten wir jedoch. Mehr als 45 Kilometer schafften wir nicht.
Hybridmodus auf Landstraße und Autobahn
Auf längeren Touren nutzten wir den Hybridmodus. Besonders auf Landstraßen machte sich das positiv bemerkbar. Verbrauchswerte um 4,5 Liter waren einfach zu realisieren. Im Gegensatz zur Autobahn: Bei zügigen Fahrten um 140 km/h flossen schnell 8 und mehr Liter pro 100 Kilometer durch die Leitungen, ohne dass wir das Beschleunigungs- und Geschwindigkeitspotential des PHEV (0 bis 100 km/h: 7,5 s, Vmax: 206 km/h) ausgeschöpft hätten.

Ruft Hyundai für den 110 kW/150 PS starken Benziner in der Basis-Ausstattung (Select) 30.664 Euro netto auf, ist der PHEV mit Frontantrieb erst ab 38.395 Euro zu haben.
Preis und Ausstattung des Tucson PHEV
Das grundsätzlich vorhandene Sparvermögen kostet allerdings, und zwar schon bei der Anschaffung. Ruft Hyundai für den 110 kW/150 PS starken Benziner in der Basis-Ausstattung (Select) 30.664 Euro (alle Preise netto) auf, ist der PHEV mit Frontantrieb erst ab 38.395 Euro zu haben. Das Testauto fuhr in der üppig ausgestatteten Prime-Ausstattung vor, unter anderem mit Matrixlicht, Head-up-Display und Leder. Mindestens 46.538 Euro werden dafür fällig, der Verzicht auf Allrad spart 3.764 Euro. Auf staatliche Förderung kann man wie gesagt nicht zählen: Die Reichweite ist zu gering, der CO2-Ausstoß dagegen zu hoch.
Hyundai Tucson 1.6 T-GDI PHEV Allrad – Technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges SUV der unteren Mittelklasse; Länge: 4,53 Meter, Breite: 1,87 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k.A.), Höhe: 1,65 Meter, Radstand: 2,68 Meter, Kofferraumvolumen: 558 – 1.721 Liter
1,6-Liter-Turbobenziner: 131 kW/180 PS; E-Motor: 79 kW/107 PS, Systemleistung: 212 kW/288 PS, maximales Drehmoment: 367 Nm, Sechsstufenautomatik, Allradantrieb, 0-100 km/h: 7,6 s, Vmax: 206 km/h, Batteriekapazität: 13,8 kWh, elektrische Reichweite: 63 Kilometer, Normverbrauch (WLTP): 3,2 Liter/100 Kilometer plus 11,1 – 11,2 kWh Strom, CO2-Ausstoß: 72 - 73 g/km, Benzinverbrauch (mit leerer Batterie): 6,5 – 6,6 Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: 147-149 g/km, Testverbrauch: 25 kWh (EV-Modus), 4,5 Liter (Hybridmodus)
Preis ab 43.950 Euro (N Line)
Testwagenpreis: ab 46.538 Euro (Prime)
Kurzcharakteristik
Warum: weil man ein sehr solides SUV mit elektrischer Reichweite sucht
Warum nicht: weil andere Plug-ins mehr elektrische Reichweite bieten und damit förderfähig sind
Was sonst: dann vielleicht doch gleich den Ioniq 5 oder ein anderes rein elektrisches SUV







