Sieben Autos, eine Frage: Welches schafft die große Sommer-Tour am entspanntesten? Green NCAP hat E-Autos, Hybride und einen klassischen Benziner auf einer simulierten 800-Kilometer-Strecke gegeneinander antreten lassen – mit Autobahn, Landstraße, Stadtverkehr, vier Personen an Bord, Gepäck im Kofferraum und Klimaanlage auf Sommerbetrieb. Ergebnis: Der Mercedes CLA EQ 250+ braucht auf der kompletten Strecke gerade mal rund 14 Minuten Nachladen. Grundlage der Auswertung sind alle Testergebnisse, die Green NCAP seit Ende 2025 gesammelt hat, als die Organisation ihr Sustainability Rating und die Driving-Experience-Bewertung überarbeitet hat.
Warum die größte Batterie nicht automatisch gewinnt
Eine dicke Batterie oder ein voller Tank klingen erstmal beruhigend – bringen auf der Langstrecke aber wenig, wenn das Auto ineffizient unterwegs ist. Entscheidend sind Verbrauch, nutzbare Reichweite und vor allem: wie schnell man wieder Energie nachfassen kann. Große E-SUVs wie der Kia EV9, BYD Sealion 7 oder Cadillac Optiq schlucken laut Green NCAP deutlich mehr Strom als die Spitzenreiter im Test – Gewicht, Größe, Luftwiderstand und breite Reifen fordern ihren Tribut.

Der Langstrecken-Champion: sparsam, schnell geladen und nach 800 Kilometern nur rund 14 Minuten am Kabel.
14 Minuten – mehr braucht der CLA EQ 250+ nicht
Mit 16,5 kWh auf 100 Kilometer ist der CLA EQ 250+ das sparsamste E-Auto im gesamten Testfeld – und auch das mit der größten Reichweite: 605 Kilometer aus einer 85-kWh-Batterie. Startet man mit vollem Akku, reichen für die restlichen Kilometer der 800-km-Strecke rund 14 Minuten Nachladen. Wichtig dabei: Das ist nicht die Zeit für eine volle Ladung, sondern nur die Energiemenge, die für diese eine Fahrt fehlt. Von 10 auf 80 Prozent lädt der CLA mit im Schnitt 286 kW in unter 23 Minuten – und holt sich dafür auch gleich die volle Fünf-Sterne-Bewertung von Green NCAP.
Klein, sparsam, aber mit Wartezeit: Renault und Mini
Der Renault 5 E-Tech überzeugt mit niedrigem Verbrauch (19,9 kWh/100 km) und ebenfalls fünf Sternen im Sustainability Rating – hat aber mit 52 kWh eine deutlich kleinere Batterie. Reichweite: 296 Kilometer. Die Ladeleistung von durchschnittlich 72 kW bremst zusätzlich: Auf der ganzen 800-km-Strecke kommen insgesamt rund 80 Minuten Ladezeit zusammen. Für Familien, die kleine, wendige Autos mögen und ein paar Extra-Stopps einplanen, trotzdem eine gute Wahl.

Mit 19 kWh/100 km ist der Mini Cooper E der zweitsparsamste Stromer im Test. Das Problem: Die kleine 36,6-kWh-Batterie und nur 56 kW Ladeleistung drücken die Reichweite auf mickrige 224 Kilometer. Macht in Summe 104 Minuten Ladezeit auf der Gesamtstrecke. Für Städtetrips oder als Zweitwagen top, für die vierköpfige Familie mit Gepäck eher nicht – dafür sind Rücksitze und Kofferraum schlicht zu knapp.

Wenig Verbrauch, kleiner Akku: Der Mini fährt effizient, braucht auf der Langstrecke aber besonders viele Ladepausen.
Der Praktische in der Mitte: Volvo EX30
Mehr Platz für Passagiere und Gepäck als Renault 5 und Mini, dazu eine Reichweite von 344 Kilometern und rund 59 Minuten Gesamtladezeit auf der 800-km-Strecke – der Volvo EX30 (Extended Range) positioniert sich klar zwischen den Kompakten und dem Mercedes. Sustainability-Rating: 4,5 Sterne.

Kompakt, aber reisetauglich: Der EX30 verbindet 344 Kilometer Tourenreichweite mit überschaubaren Ladepausen.
Hybride und Benziner: Wer kommt ohne Stopp durch?
Bei den Verbrennern und Hybriden hat der Toyota C-HR die Nase vorn: 5,7 Liter auf 100 Kilometer, macht bei 43 Litern Tankinhalt eine Reichweite von 754 Kilometern. Sprich: Ein kurzer Tankstopp reicht für die komplette Strecke. Weil unterm Strich aber immer noch ein Verbrennungsmotor mit Abgasen dranhängt, gibt's "nur" dreieinhalb Sterne im Sustainability-Rating.

Der sparsamste Hybrid im Vergleich: 5,7 Liter Verbrauch und nur ein kurzer Tankstopp auf 800 Kilometern.
Der Bigster Hybrid verbraucht 5,9 Liter/100 km, hat aber mit 50 Litern den größten Tank im Feld – macht 847 Kilometer Reichweite. Heißt: Die kompletten 800 Kilometer schafft er ganz ohne Tankstopp. Dazu ordentlich Platz für Gepäck, Sportausrüstung und was sonst noch in den Sommerurlaub muss. Ebenfalls dreieinhalb Sterne.
Als einziges Auto ganz ohne Elektrifizierung tritt der Seat Ibiza an – und schlägt sich mit 6,2 Litern auf 100 Kilometer wacker. Der 40-Liter-Tank reicht für 645 Kilometer, ein Tankstopp wird auf der 800-km-Strecke also fällig. Auch hier: dreieinhalb Sterne.

Der Reichweiten-Pragmatiker: 847 Kilometer rechnerische Tourenreichweite machen den Tankstopp überflüssig.
Fazit: Effizienz schlägt Größe
Der Vergleich zeigt ziemlich deutlich, wie unterschiedlich Autos dieselbe Strecke bewältigen. Beim CLA EQ 250+ passt einfach alles zusammen – niedriger Verbrauch, große Reichweite, schnelles Laden. Renault 5 und Mini Cooper E sind zwar auch sparsam unterwegs, werden aber von kleinen Batterien und lahmerer Ladeleistung ausgebremst. Bei Hybriden und Verbrennern entscheiden dagegen vor allem Tankgröße und Platzangebot über die Langstreckentauglichkeit.
Für alle, die dienstlich oder privat viel unterwegs sind, liefert die Studie eine klare Botschaft: WLTP-Werte, Akkugröße oder Tankvolumen sagen allein noch nichts darüber aus, wie entspannt eine Fahrt wirklich wird. Was zählt, ist das Zusammenspiel aus Effizienz und Ladegeschwindigkeit. Dr. Aleksandar Damyanov, Technischer Leiter bei Green NCAP, bringt es so auf den Punkt: Wer das Auto mit dem größten Akku oder Tank wählt, hat noch lange nicht automatisch die einfachste Reise – Effizienz, nutzbare Reichweite und Ladezeit machen am Ende den Unterschied.
Die Ergebnisse stammen aus kontrollierten, wiederholbaren Green-NCAP-Tests. Verkehr, Wetter und die Ladeinfrastruktur vor Ort können die tatsächliche Reisezeit im Alltag natürlich trotzdem verändern.







