Mercedes CLA Shooting Brake: Elektro-Kombi

Fahrbericht neuer CLA Shooting Brake
Elektro-Kombi setzt auf Stil statt Raum

Mehr Design als Nutzwert: Der elektrische CLA Shooting Brake überrascht mit Effizienz, Ladeleistung und Dynamik – lässt beim Raumangebot aber bewusst Federn. Fahrbericht mit Bildergalerie.

Mercedes CLA Shooting Brake von oben auf kurviger Küstenstraße
Foto: Mercedes

Geht man nach der Sichtbarkeit im Straßenbild, läuft der neue Mercedes CLA recht gut an – bisher als Limousine. Doch Deutschland sei ein Kombimarkt, heißt es immer, und die Schwaben wollen dem auch entsprechen.

Lifestyle statt klassischer Kombi-Tugenden

Nur eben nicht mehr altmodisch und angestaubt als "T-Modell", sondern modern-trendy mit dem Begriff "Shooting Brake". Wobei auch diese Bezeichnung alles andere als neu ist. Und dass es dieser Nutzwert-CLA mit den praktischen Fertigkeiten nicht ganz so ernst nimmt wie vielleicht noch in früheren Zeiten, lässt sich ganz einfach am maximalen Kofferraumvolumen ablesen — so sind 1.290 Liter zwar fein, aber da geht beim Wettbewerb deutlich mehr.

Der Stuttgarter hingegen gibt ganz betont den Lifestyler, was man beispielsweise daran erkennt, dass er im Gegensatz zur Limousine gut sichtbare Mercedes-Sterne in der Panoramadach-Glasscheibe trägt. Überhaupt haben die Kreativen dem Mercedes-Stern kommunikative Wucht verliehen. Der strahlt am Heck in leuchtendem Rot und vorn ebenfalls aus Richtung Scheinwerfer-Einheit in weißer LED-Manier. Und auch auf dem Grill tummeln sich viele davon.

Cockpit mit Display und Lenkrad im Mercedes CLA Shooting Brake Innenraum
Mercedes

Vermutlich werden die Passagiere schnell vom überwältigenden Screen abgelenkt, der von der linken zur bis zur rechten A-Säule reicht.

Platzangebot: Kompaktklasse mit Einschränkungen

Doch zurück zur Kombi-Frage und den damit zusammenhängenden Platzverhältnissen. Wer in der ersten Reihe reist, erlebt jedenfalls keinen Unterschied zur Limousine — als verschwenderischer Raum wäre das Gebotene nicht zu bezeichnen, aber Sardinenbüchse ist auch anders. Vermutlich werden die Passagiere sowieso schnell vom überwältigenden Screen abgelenkt, der von der linken zur bis zur rechten A-Säule reicht. Und schön bei Mercedes ist, dass man dort die wichtigsten Funktionen schnell findet, selbst als Neueinsteiger. Im Fond kommen zumindest zwei Personen auch ganz ordentlich unter, die Beinfreiheit geht für eine Kompaktklasse klar. Für ein Fahrzeug mit 4,72 Metern Länge hätte ein Hauch mehr nicht geschadet.

Effizienz und Elektroantrieb im Fokus

Doch wirklich brillieren kann der Benz in einer ganz anderen Disziplin. So gehört er, das darf man ruhig betonen, zu den ersten wirklich außendiensttauglichen rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen im Segment. Die Effizienz fällt nicht zuletzt dank automatischem Zweiganggetriebe vorzüglich aus. Mercedes nennt für den 250+ einen WLTP-Verbrauch (gemittelt) von 12,7 kWh je 100 Kilometer. Und selbst wenn realiter am Ende 18 dabei herauskommen, ist das Ergebnis immer noch vorzeigbar. Geht man auf den mit 260 kW/354 PS recht starken Allradler 350 4Matic, sind es immer noch vorbildliche 13,2 kWh.

Heckansicht eines Mercedes CLA Shooting Brake auf kurviger Landstraße
Mercedes

Die Kreativen haben dem Mercedes-Stern kommunikative Wucht verliehen. Unter anderem strahlt er am Heck in leuchtendem Rot.

Fahrleistungen und Dynamik

Wer den 350 fährt, dürfte aber ohnehin mehr auf die Fahrleistungen als auf den Stromdurchsatz schielen. In der Tat ist der zivile Topliner (AMG wird folgen) ganz schön dynamisch unterwegs und übt unter voller Last mächtig Druck auf die Rücken der Passagiere aus. Aber auch der mit glatten 200 kW/272 PS gesegnete Effizienz-Champion ist jetzt keine lahme Kiste und beschleunigt binnen 6,8 Sekunden auf 200 km/h. Dagegen muten die fünf Sekunden des 350 sportwagenmäßig an. In beiden Fällen wird bei 210 km/h gedeckelt. Abgesehen von der Längsperformance mag man den rund 2,2 Tonnen schweren CLA auch ganz gern auf kurvigen Landstraßen bewegen. Vor allem die feinfühlig-präzise Lenkung ist hieran nicht ganz unschuldig. Grundsätzlich transportiert der Benz seine User komfortabel, wenngleich man eine straffe Note nicht verleugnen kann.

Schnellladen als Stärke

Zum Schluss noch ein paar Worte zur wirklich wichtigen Performance-Disziplin, und zwar ist die Rede vom Ladetempo. Und da kommen die Untertürkheimer endlich mal mit einem Pfund um die Ecke: Bis zu 320 kW Ladeleistung werden versprochen — oder anders ausgedrückt, es soll 22 Minuten dauern, um den Akku von 10 auf 80 Prozent zu bringen. Voraussetzung ist die optimale Batterietemperatur, wofür ohnehin gesorgt wird, wenn man die Funktion der automatischen Ladeplanung in Anspruch nimmt. Künftig lässt sich die Konditionierung aber als zusätzlicher Funktionsumfang manuell starten. Auch die Reichweite ist nicht von schlechten Eltern. Auf der Landstraße zeigte der Bordcomputer selbst unter forcierten Bedingungen über 600 Kilometer — allerdings bei akkufreundlichen Temperaturen.

Panoramadach mit Sternenhimmel im Innenraum des Mercedes CLA Shooting Brake
Mercedes

Im Gegensatz zur Limousine trägt der CLA Shooting Brake gut sichtbare Mercedes-Sterne in der Panoramadach-Glasscheibe.

Preise und Varianten im Überblick

Ein Schnäppchen ist der CLA übrigens nicht, die von uns getestete Variante 250+ startet als Shooting Brake zu Kursen ab rund 45.378 Euro (alle Preise netto). Für den fixen 350 4Matic möchte der Hersteller sogar 49.219 Euro sehen. Wem ultraschnelles Laden und hohe Motorleistung nicht so wichtig sind, bekommt den Zweihunderter mit 58 statt 85 kWh Stromspeicher (dann LFP) zum Tarif von etwas mehr als 40.336 Euro. Wer nicht elektrisch fahren möchte, bekommt in Kürze auch die Hybridvarianten analog zur Limousine.

Mercedes CLA Shooting Brake – Technische Daten

Kompakt-Kombi, Länge: 4,72 Meter, Breite: 1,86 (2,02 mit Außenspiegel) Meter, Höhe: 1,47 Meter, Radstand: 2,79 Meter, Kofferraumvolumen: 455 bis 1.290 Liter

CLA 200 EQ SBPermanenterregte Synchronmaschine, 165 kW/224 PS, maximales Drehmoment: 335 Nm, Zweigang-Automatik, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 7,6 s, Vmax: 210 km/h, Durchschnittsverbrauch: 12,8 kWh/100 km (WLTP), Reichweite 525 km bei 58 kWh Stromspeicher, Ladezeit von 10 bis 80 Prozent: 20 Min., Ladeleistung: 200 kW, Preise: ab 40.544 Euro

CLA 250+ EQ SBPermanenterregte Synchronmaschine, 200 kW/272 PS, maximales Drehmoment: 335 Nm, Zweigang-Automatik, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 6,8 s, Vmax: 210 km/h, Durchschnittsverbrauch: 12,7 kWh/100 km (WLTP), Reichweite 768 km bei 85 kWh Stromspeicher, Ladezeit von 10 bis 80 Prozent: 22 Min., Ladeleistung: 320 kW, Preise: ab 45.581 Euro

CLA 350 4Matic EQ SBZwei permanenterregte Synchronmaschinen, 260 kW/354 PS, maximales Drehmoment: 515 Nm, Zweigang-Automatik, Hinterradantrieb, 0-100 km/h: 5,0 s, Vmax: 210 km/h, Durchschnittsverbrauch: 13,2 kWh/100 km (WLTP), Reichweite 743 km bei 85 kWh Stromspeicher, Ladezeit von 10 bis 80 Prozent: 22 Min., Ladeleistung: 320 kW, Preise: ab 49.219 Euro

Mercedes CLA Shooting Brake – Kurzcharakteristik

Warum: weil das Auto schnell lädt und effizient ist

Warum nicht: weil der Kofferraum im Verhältnis zur Größe etwas klein ist

Was sonst: Alternativen außerhalb des Premiumsegments wäre der Opel Astra ST als Kombi mit großem Kofferraum oder auch der Kia Ceed Sportwagon. Elektrische Kombis sind bisher noch rar.

Wann kommt er: ab sofort