Was summt denn da? Das kommt irgendwo aus dem Heck. Muss der Wagen seinen Akku mit einem Gebläse kühlen? Das gab’s ja alles schon mal. Also anhalten und hinten genauer hinhören. Und siehe: Es ist das Gebläse des Klimasitzes, das man vorne hört.
Vom Mildhybrid bis zum elektrischen Allradler
Es ist nicht alles so ganz offensichtlich beim Jeep Compass, mit dem wir hier unsere erste Testrunde drehen. Beispiel Antrieb: Da hat Jeep gut ein Jahr nach der Vorstellung des neuen Modells nochmals nachgelegt. Die Preise reichen jetzt von 33.529 Euro (alle Preise netto) für den Mildhybriden mit 48-Volt-System über 36.471 Euro für den Plug-in-Hybrid bis zu 46.134 Euro für das vollelektrische Allradmodell. Wer weder 375 PS noch Allrad benötigt, kann zwischen zwei elektrischen Fronttrieblern wählen. Einer davon ist auch mit kleinerem Akku erhältlich und startet bei 40.252 Euro.
Warum der Compass auch als Geschäftswagen passt
Von allen Jeep-Modellen war der Compass immer der seriöseste. Weniger bullig als Wrangler und Grand Cherokee, weniger verspielt als der kleinere Avenger. Er gab nicht ständig den großen Abenteurer und passte deshalb auch gut auf den Firmenparkplatz. Damit war er nicht nur Familienauto, sondern bot sich ebenso als Geschäftswagen an. Seit dem Start der Baureihe im Jahr 2006 wurden weltweit mehr als 2,5 Millionen Exemplare verkauft.

Der Compass basiert auf der STLA-Medium-Plattform, die der Konzern unter anderem für Peugeot 3008 und Opel Grandland verwendet.
Tiguan, Tucson und X1 geben den Maßstab vor
Die 2025 vorgestellte dritte Generation trat also ein großes Erbe an. Und ein anspruchsvolles, denn mit 4,55 Metern Länge zielt sie auf Konkurrenten wie VW Tiguan, Hyundai Tucson oder BMW X1. Genau auf das Fahrzeugsegment also, in dem in Europa die Musik spielt. Nutzte der Vorgänger noch Fiat-Technik, so ist der aktuelle Compass technisch ein Kind von Stellantis. Er basiert auf der STLA-Medium-Plattform, die der Konzern unter anderem für Peugeot 3008 und Opel Grandland verwendet.
Der lange Radstand schafft Raum im Fond
Zu sehen ist das nicht. Jeep hat den Geländewagen komplett neu eingekleidet. Außerdem nutzten die Entwickler den größtmöglichen Radstand der Plattform, damit die Überhänge kurz bleiben. Das verbessert die Geländewinkel und schafft Platz für den Akku ebenso wie für die Passagiere. Vor allem auf der Rückbank ist das spürbar. Dort gibt es etwas mehr Beinfreiheit. Der Kofferraum fasst klassenübliche 550 Liter, hinzu kommen 34 Liter Ablagevolumen im Innenraum.
Schlechte Straßen bringen Unruhe ins Fahrzeug
Auf der Straße wirkt der Compass deutlich straffer als sein Vorgänger. Und wenn die Straßenarbeiter ihre Arbeit nicht ordentlich getan haben, kann es fast schon ungemütlich werden. Dann stolpert der Offroader etwas unwirsch von Unebenheit zu Unebenheit und reicht die Stöße bis in den Innenraum weiter. Bei schneller Fahrt relativiert sich das aber.

Das Cockpit ist robust, aber edel gestaltet.
Plug-in-Hybrid verlangt Aufmerksamkeit
Im Plug-in-Hybrid hinterlässt die Lenkung nicht den besten Eindruck. Vor allem auf engen und kurvigen Straßen fühlt sich indifferent an und verlangt Aufmerksamkeit. Man hat immer das Gefühl, korrigieren zu müssen, um die einmal gewählte Spur zu halten. Unsicher wirkt der Compass deshalb nicht, wirklich entspannt fährt es sich aber auch nicht.
Der 4xe fährt verbindlicher als der Plug-in-Hybrid
Der elektrische Allradler bewegt sich etwas verbindlicher und weniger schwammig. Ob das allein an der anderen Gewichtsverteilung liegt oder auch an einer eigenen Abstimmung, lässt Jeep offen. Fest steht: Der 4xe besitzt ein um einen Zentimeter angehobenes Fahrwerk und eigene Stoßfänger. Selbst wenn es ihn nur in Verbindung mit E-Antrieb gibt, ist er das Modell für die Aficionados. Für Käufer also, denen der Siebenschlitz-Kühlergrill allein nicht reicht und die zur DNA der Marke auch vier angetriebene Räder und echte Geländefähigkeiten zählen.
Der 4xe kombiniert eine 157 kW/213 PS starke E-Maschine an der Front mit einem eigens für Jeep entwickelten Heckmotor mit 132 kW/179 PS. Gemeinsam kommen sie auf 276 kW/375 PS.

Auf der Straße wirkt der Compass deutlich straffer als sein Vorgänger.
Zwei Elektromotoren liefern kräftigen Vortrieb
Dass der Allradantrieb elektrisch arbeitet, ist kein Nachteil. Im Gegenteil: Elektromotoren lassen sich sehr fein regeln, was gerade im Gelände ein großer Vorteil ist. Das volle Drehmoment steht bereits beim Anfahren zur Verfügung. Dank der getrennten Motoren vorne und hinten passt die Elektronik die Antriebskraft an beiden Achsen unabhängig und schnell den Gripverhältnissen an. Dabei hilft eine Untersetzung an der Hinterachse, die bis zu 3.100 Nm Drehmoment an die beiden Heckräder leitet. Besonders gut lässt sich das auf losem Untergrund erfahren. Beim langsamen Klettern über Steine, in ausgefahrenen Spuren oder auf rutschigen Steigungen spielt die unmittelbare und fein kontrollierbare Kraftabgabe ihre Vorteile aus.
Hohes Gewicht fordert seinen Tribut
Auf der Straße überspielt die hohe Motorleistung souverän, dass der elektrische Geländewagen stolze 2,35 Tonnen wiegt. Schon nach 5,4 Sekunden passiert die Tachonadel die 100 km/h-Marke. Aber wie üblich bei E-Autos hängen Reichweite und Fahrstil direkt zusammen. Wer den Compass laufen lässt, stoppt lange vor den offiziell versprochenen rund 600 Kilometern an der Ladesäule. Dort fließt der Strom mit maximal 160 kW, was den Akku unter günstigen Bedingungen in knapp einer halben Stunde von 20 auf 80 Prozent bringt.

Dass der Allradantrieb elektrisch arbeitet, ist kein Nachteil.
Für schwere Anhänger reicht es nicht
Das sind keine Bestmarken, und auch als Zugwagen eignet er sich nur bedingt. Er darf maximal 1.300 Kilogramm ziehen, für einen üblichen Pferdeanhänger ist das zu knapp. Selbst die 200 Kilogramm mehr, die der Plug-in-Hybrid an den Haken nehmen darf, reichen nur für einen kleineren Wohnwagen oder die Tour mit zwei Motorrädern auf dem Trailer.
Der PHEV verlangt ein passendes Nutzungsprofil
Und dann ist da noch der Plug-in-Hybrid. Mit allen Vor- und Nachteilen. Wer fleißig lädt, fährt unnötig einen Verbrenner spazieren. Und wer gerne in einem Rutsch von München nach Hamburg über die Autobahn bläst, muss nur tanken und keinen Strom nachfassen. Das ginge sowieso nicht allzu schnell, denn die 17,9 kWh große Batterie verträgt maximal 7 kW. So bleibt der Compass der vernünftige Jeep, der zu keinem Extrem neigt. Nur gibt es ihn jetzt auch für jene, für die zu der Marke unbedingt vier angetriebene Räder gehören.
Jeep Compass – Technische Daten
Viertüriges, fünfsitziges Kompakt-SUV; Länge: 4,55 Meter, Breite: 1,94 Meter, Höhe: 1,68 Meter, Radstand: 2,78 Meter, Kofferraumvolumen: 550 – 1.561 Liter
1.2 e-Hybrid
1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 48-Volt-System, 106 kW/145 PS, maximales Drehmoment: 230 Nm bei 1.750 U/min, Frontantrieb, Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, 0-100 km/h: 10,0 s, Vmax: 195 km/h, Normverbrauch: 5,6-5,8 Liter/100 km, CO2-Ausstoß: 127-132 g/km
Preis: ab 33.445 Euro (Altitude)
1.6 PHEV
1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner, 110 kW/150 PS, maximales Drehmoment: 300 Nm, plus E-Motor mit 92 kW/125 PS, maximales Drehmoment: 350 Nm; Systemleistung: 165 kW/225 PS, Akkugröße: 17,9 kWh, Reichweite: 95 km (vorl. Angabe), Ladeleistung: 7 (AC), Ladedauer: 2:53 Std.
Frontantrieb, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, 0-100 km/h: 8,0 s, Vmax: 225 km/h, Normverbrauch: 3,0 l/100 km, CO2-Ausstoß: 68 g/km
Preis: ab 36.471 Euro (Altitude)
E-Motor / 74 kWh 213 PS
E-Motor, 157 kW/213 PS, Drehmoment: 345 Nm, 0-100 km/h: 8,5 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 17,4-18,6 kWh/100 km, Akkugröße: 73,7 kWh, Reichweite: 467-500 km (WLTP), Ladeleistung: 11 kW (AC)/160 kW (DC), Ladedauer DC: 20-80 % in 31 Minuten
Preis: ab 40.252 Euro (Altitude)
E-Motor / 96 kWh 231 PS
E-Motor mit 170 kW/231 PS, Drehmoment: 345 Nm, 0-100 km/h: 8,3 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 17,8-19,1 kWh/100 km, Akkugröße: 73,7 kWh, Reichweite: 632-674 km (WLTP), Ladeleistung: 11 kW (AC)/160 kW (DC), Ladedauer DC: 20-80 % in 27 Minuten
Preis: ab 43.613 Euro (Altitude)
4xe
Zwei E-Motoren, 157 kW/213 PS und 132 kWh/179 PS, kombinierte Leistung: 276 kWh/375 PS, Drehmoment: 345/232 Nm, 0-100 km/h: 5,4 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 19,5-20,7 kWh/100 km, Akkugröße: 96,1 kWh, Reichweite: 571-606 km (WLTP), Ladeleistung: 11 kW (AC)/160 kW (DC), Ladedauer DC: 20-80 % in 27 Minuten
Preis: ab 46.134 Euro (Upland)
Jeep Compass – Kurzcharakteristik
Warum: gutes Platzangebot, große Auswahl an Antrieben
Warum nicht: eingeschränkter Fahrkomfort
Wann kommt er: bestellbar







