Kia K8: Warum Limousinen in Seoul boomen

Südkoreas Premiummarkt
Warum Seoul Limousinen liebt

Lange Wege, hohe Ansprüche und eine starke heimische Autoindustrie prägen den koreanischen Markt. Ein Modell zeigt besonders deutlich, warum Limousinen dort weiter gefragt sind.

Kia K8 in Front- und Seitenansicht vor modernem Gebäude mit Grünanlagen.
Foto: Alexander Herold/Kia

Vor dem Terminal des Incheon International Airport reiht sich Limousine an Limousine. Lautlos gleiten schwarze oder silberne Autos vor, Chauffeure öffnen Türen, Koffer verschwinden im Heck. Viele Passagiere lassen sich direkt auf die Rückbank fallen, klappen den Laptop auf oder greifen zum Telefon. Denn selbst ohne Stau dauert die Fahrt vom Flughafen ins Zentrum über eine Stunde. An schlechten Tagen deutlich länger. In Seoul ist das Auto deshalb nicht nur Verkehrsmittel, sondern Arbeitsplatz und Rückzugsraum.

Premiumhersteller entdecken Südkorea

Die Autoindustrie hat den Markt schon lange als lukrative Absatzregion für hochwertig ausgestattete Modelle entdeckt. Dass Mercedes eben erst die neue elektrische C-Klasse ausgerechnet dort mit großem Tamtam präsentierte, war mehr als Standortfolklore. Südkorea ist nicht nur der neuntgrößte Automarkt weltweit, sondern auch eine der wichtigsten Absatzregionen für die Premiumklasse. Vor allem junge Koreaner gelten als luxusorientiert, markenbewusst und technikaffin. Wer möglichst viele Autos wie Mercedes-Maybach S-Klasse, 7er BMW oder Genesis G90 auf der Straße sehen will, muss nur nach Seoul reisen.

Limousinen als Statussymbol und Komfortzone

In Südkorea stehen Limousinen für gesellschaftlichen Aufstieg, Komfort und technischen Fortschritt. Und das gilt nicht nur für große Luxusmodelle von Importmarken. Die heimischen Player Kia, Hyundai und Genesis mit ihrem Marktanteil von fast 70 Prozent haben ebenfalls etliche Modelle im Programm, die man zwar in anderen Ländern wie den USA sieht, die aber den Weg nicht nach Europa gefunden haben.

Cockpit des Kia K8 mit Digitaldisplay, Lenkrad und brauner Lederausstattung.
Alexander Herold/Kia

Innen dominieren geschwungene Linien, helle Materialien und große Displays unter einer gemeinsamen Glasfläche.

Die Kia-K-Baureihe für den Heimatmarkt

Kia etwa bietet in Korea mit den K-Baureihen gleich eine ganze Linie klassischer Pkw. Der K5 etwa ist die Mittelklasselimousine, der K8 seine große, moderne Variante, darüber steht der deutlich konservativere K9. In Europa wären solche Autos längst Nischenmodelle, in Seoul gehören sie noch zum Alltag.

Kia K8 zwischen Business und Chauffeurbetrieb

Eine Schlüsselrolle nimmt der K8 ein, der ebenso gerne von Selbstfahrern geordert wird wie von Geschäftsleuten, die lieber hinten Platz nehmen. Mit 5,02 Metern Länge und fast 2,90 Metern Radstand bewegt er sich bereits nah an der Oberklasse. Gleichzeitig wirkt er deutlich emotionaler als viele europäische Businesslimousinen. Seine flache Front, die breite Lichtsignatur und die rahmenlosen Fenster erinnern eher an ein Concept Car als an einen nüchternen Dienstwagen. Innen dominieren geschwungene Linien, helle Materialien und große Displays unter einer gemeinsamen Glasfläche. Stilistisch hat der K8 nichts vom überbordenden Barock früherer Modelle, erinnert eher an den zurückhaltenden Komfort eines skandinavischen Wohnzimmers.

Komfortfunktionen für anspruchsvolle Fondpassagiere

Vor allem auf der Rückbank zeigt der K8, worauf koreanische Kunden Wert legen. Auf Knopfdruck surrt der Beifahrersitz elektrisch nach vorn und macht Platz im Fond. Eine ausfahrbare Beinauflage wie in großen Chauffeurs-Limousinen gibt es hinten zwar nicht. Doch dank Sitzheizung, Belüftung, eigener Klimazone und viel Ruhe will man eigentlich nirgendwo anders Platz nehmen. Dazu kommen Meridian-Soundsystem, aktive Geräuschunterdrückung und eine Fingerabdruck-Erkennung zum Starten des Fahrzeugs. Kia bündelt im K8 viele Komfort- und Technikfunktionen, die in Europa eher höheren Klassen vorbehalten sind.

Passagier sitzt auf der Rückbank des Kia K8 mit brauner Lederausstattung.
Alexander Herold/Kia

Vor allem auf der Rückbank zeigt der K8, worauf koreanische Kunden Wert legen. Auf Knopfdruck surrt der Beifahrersitz elektrisch nach vorn und macht Platz im Fond.

Hybridantrieb bleibt besonders gefragt

Auch beim Antrieb orientiert sich das Auto stärker am koreanischen Markt als an europäischen Erwartungen. Angeboten werden Vier- und Sechszylinder sowie ein besonders populärer Hybrid: Er kombiniert einen 1,6-Liter-Turbo mit einem knapp 50 kW starken E-Motor und kommt auf rund 230 PS Systemleistung. Darüber rangiert ein 300 PS starker 3,5-Liter-V6.

Attraktive Preise im Heimatmarkt

Ein Blick in die Preisliste zeigt, warum der K8 im heimischen Markt so erfolgreich ist. Das Einstiegsmodell kostet umgerechnet rund 21.000 Euro, der beliebte Hybrid dank koreanischer Öko-Steuervergünstigung nur 24.500 Euro. Selbst die teuerste Signature-Black-Version bleibt unter 30.000 Euro. Importmodelle dagegen zählen für den Durchschnittsverdiener zum unerreichbaren Luxusgut. Ein BMW 520i kostet mindestens 40.000, die Mercedes E-Klasse etwa 44.000 Euro.

Fahrkomfort auf Langstrecken

Was Materialien, Verarbeitung und Fahrkomfort angeht, muss sich der K8 trotzdem nicht verstecken. Auf der Straße gibt er sich als entspannter Gleiter, leise und komfortabel. So, wie man das auf dem Rücksitz erwartet, um hinter abgedunkelten Scheiben konzentriert zu arbeiten oder entspannt zu ruhen.

Heckansicht des Kia K8 auf einer Straße vor moderner Gebäudearchitektur.
Alexander Herold/Kia

Eine Schlüsselrolle nimmt der K8 ein, der ebenso gerne von Selbstfahrern geordert wird wie von Geschäftsleuten, die lieber hinten Platz nehmen.

Europas Hersteller bauen Präsenz aus

Dass europäische Hersteller ihre Korea-Strategie ausbauen, überrascht daher kaum. Renault hat mit dem Renault Filante inzwischen sogar ein eigenes Modell speziell für den koreanischen Markt entwickelt, das im ehemaligen Samsung-Werk gebaut wird. Andersherum bringt Kia mit dem K4 erstmals ein Modell der K-Baureihe nach Deutschland – zwar nicht als klassische Limousine, aber als Fünftürer und Kombi, und übernimmt damit faktisch die Rolle des Ceed.