MG baut seine Elektro-Palette in Deutschland weiter aus
Bei der Elektromobilität ist MG längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Nicht nur im Heimatmarkt China – die britische Marke gehört seit fast 20 Jahren zum Autokonzern SAIC –, sondern auch in Europa und erst recht in Deutschland. Der MG4 EV, beispielsweise, ein Kompaktmodell in Golf-Größe, ist bei uns das meistverkaufte E-Auto aus chinesischer Produktion.
MGS6 EV tritt im wichtigen Familien-SUV-Segment an
Im vorigen Jahr erweiterte MG seine BEV-Palette um den S5 EV, einen Elektro-SUV in der Klasse um die 4,40 Meter. Dieses Jahr geht es nun eine Nummer aufwärts. Mit dem S6 EV will MG ein wichtiges Wörtchen im beliebten Familien-SUV-Segment (Größe um die 4,75 Meter) mitreden. Hier tummeln sich unter anderem bereits VW mit dem ID.4, Skoda mit dem Enyaq, Toyota mit dem bZ4X und Tesla mit dem Model Y. Selbst chinesische Konkurrenz ist vertreten in Form von BYD Seal U, XPeng G6 und Leapmotor C10.

Wie in den meisten Fällen dominiert auch im Cockpit des S6 der riesige, horizontal ausgerichtete Touchscreen in der Armaturenbrettmitte.
MG setzt beim Design des MGS6 EV auf Mainstream
Einfacher wird die Sache dadurch nicht. Zumal MG beim Design eher in Richtung Mainstream anstatt Extravaganz zielt. Man setzt auf Volumen und den Geschmack vieler. Bloß nicht anecken, bloß nicht polarisieren. So fährt eben auch der chinesische Neuling MGS6 EV vorbei, ohne die Köpfe der Passanten zu verdrehen. Selbst das durchgehende 3D-Effekt-Lichtband am Heck ist heute kein Alleinstellungsmerkmal. Punkten muss man dann eben mehr durch innere Werte.
Hochwertiger Innenraum mit viel Komfort
Von denen gibt es reichlich. Schon nach dem Öffnen der Türen wird man angenehm überrascht, wie hochwertig die MG-Designer das Interieur ausgekleidet haben. Klares und reduziertes Layout, Leder in Kombination mit Wildleder, schicke Doppelnähte, weiche Oberflächen auf dem Armaturenträger, Karboneinlagen in der Mittelkonsole. Alles wirkt sauber und sorgfältig verarbeitet. Manch europäischer Volumenhersteller könnte sich hier gerne eine Scheibe abschneiden. Hinzu kommt eine serienmäßiges Panoramaglasdach, das dem Ganzen noch ein helles, luftiges Raumgefühl verpasst.
Touchscreen, Head-up-Display und Tasten im Cockpit
Wie in den meisten Fällen dominiert auch im Cockpit des S6 der riesige, horizontal ausgerichtete Touchscreen in der Armaturenbrettmitte. Die Bedienung über Kachelsymbole ist logisch aufgebaut, für Klima- und Lautstärkenregelung gibt es sogar noch physische Schalter. Erstmals bietet MG sogar ein Head-up-Display an, und dies sogar ohne Aufpreis.
Die Gangwahl erfolgt wie schon beim S5 und MG4 über ein großes Drehrad auf der Mittelkonsole. Daneben wartet eine Schale für das kabellose Laden des Smartphones. Nicht wirklich gefallen hat uns allerdings die Sprachsteuerung. Selbst klar und deutlich formulierte Anweisungen werden oft missverstanden.

Das Panoramaglasdach ist Serie.
Platz und Kofferraum zählen zu den Stärken des Elektro-SUV
Die Elektroplattform des 4,71 Meter langen des MGS6 erlaubt in Kombination mit dem 2,85 Meter großen Radstand recht üppige Platzverhältnisse. Besonders Gäste im Fond genießen reichlich Beinfreiheit. Selbst der hintere Mittelplatz ist vernünftig brauchbar, da im Boden der bei Verbrennern oft übliche Kardantunnel fehlt. Hinter den Sitzen bleiben noch 674 Liter fürs Gepäck, ebenfalls ein guter Wert in dieser Klasse. Mit den umgeklappten Rücksitzlehnen stehen sogar bis zu 1.910 Liter zur Verfügung. Kleiner Makel: Die Lehnen fallen nicht ganz in die Waagerechte und es bleibt eine kleine Stufe, die MG mit einer schrägen Auflage kaschiert.
Frunk im MGS6 EV schafft zusätzlichen Stauraum
Nicht nehmen lassen hat man sich die Chance, vorne unter der Haube einen weiteren Gepäckraum zu installieren. Dieses "Frunk" genannte Fach, das gern zur Unterbringung des Ladekabels genutzt wird, hat immerhin 124 Liter beim Hecktriebler und 102 Liter bei der Variante mit Allradantrieb.

Die Elektroplattform des 4,71 Meter langen des MGS6 erlaubt in Kombination mit dem 2,85 Meter großen Radstand recht üppige Platzverhältnisse.
Zwei Antriebe und bis zu 530 Kilometer Reichweite
Wählen kann der Kunde zwischen zwei Leistungen und zwei Antrieben. Die Basis hat 180 kW/244 PS und Heckantrieb, die Allradversion kommt auf eine Systemleistung von 266 kW/361 PS. Beiden gemeinsam ist ein 77-kWh-Akku. Für den Fronttriebler ergibt sich damit eine Reichweite von 530 Kilometern, der Allradler kommt auf 485 Kilometer. Geht es unterwegs an eine Schnellladesäule (DC), sollen bei 140 kW Ladeleistung 38 Minuten genügen, um den Akku wieder auf 80 Prozent seiner Kapazität zu bringen.
Verbrauch und Ladeleistung im Test
Letzteres konnten wir auf einer ersten Testfahrt im Norden Portugals nicht ausprobieren, interessant war jedoch der Verbrauch. Bei Autobahntempo 120 benötigt das chinesische SUV rund 25 kWh/100 km, was nicht wenig ist. Eine anschließende Tour über Land und durch kleine Städte reduzierte den Strombedarf dann auf 21 kWh/100 km. Zum Vergleich: Der WLTP-Wert liegt bei 16,6 bis 18,1 kWh, was sich im sommerlichen Stadtverkehr sicher erreichen lässt.

Mit dem S6 EV will MG ein wichtiges Wörtchen im beliebten Familien-SUV-Segment (Größe um die 4,75 Meter) mitreden.
Fahrkomfort und Fahreindruck
Keine Blöße gab sich der MGS6, was das Fahren angeht. Überragender Komfort, bequeme Sitze, angenehme Lenkung, leise Abrollgeräusche, souveräne Leistungsentfaltung (wobei schon die 180-kW-Version vollkommen ausreicht) und bedingt durch die angenehmen Materialien im Interieur, ein sehr entspanntes Fahrgefühl. Damit siedelt sich MG am oberen Ende der Klasse an.
MG setzt beim MGS6 EV auf klare Preise und volle Ausstattung
Sehr transparent und simpel halten es die Chinesen mit der Preisstruktur. Es gibt den S6 nur in der Luxury-Version. Mit einem Motor kostet er ab 42.008 Euro (alle Preise netto), mit zwei Motoren ab 45.370 Euro. Der Kunde braucht sich nicht durch den Konfigurator zu quälen, sämtliche Ausstattungselemente sind serienmäßig an Bord. Dazu zählen sogar Sitzbelüftung, Sitzheizung im Fond, fast 20 Assistenzsysteme und eine Wärmepumpe zur Effizienzsteigerung. Anklicken muss der Käufer lediglich die Außenfarbe und ob er das Interieur hell oder dunkel haben möchte. Warum das helle 378 Euro extra kostet, weiß wohl nur MG.
MGS6 EV – Technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges Mittelklasse-SUV; Länge: 4,71 Meter, Breite: 1,91 Meter, Höhe: 1,66 Meter, Radstand: 2,84 Meter, Kofferraumvolumen: 674-1.910 Liter, Frunk 124 Liter
Luxury: PSM-Motor mit 180 kW/244 PS, Drehmoment: 350 Nm, Heckantrieb, 0-100 km/h: 7,3 s, Vmax: 200 km/h, Verbrauch: 16,6 kWh/100 km, Akkugröße: 74,3 kWh, Reichweite: 530 km (WLTP), Ladeleistung: 144 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 10-80 % in 38 Minuten, AC: 0-100 % in 7:50 Std. Preis: ab 42.008 Euro
Luxury AWD: E-Motor mit 266 kW/361 PS, Drehmoment: 540 Nm, Allradantrieb, 0-100 km/h: 5,1 s, Vmax: 200 km/h, Verbrauch: 18,1 kWh/100 km, Akkugröße: 74,3 kWh, Reichweite: 485 km (WLTP), Ladeleistung: 144 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 10-80 % in 38 Minuten, AC: 0-100 % in 7:50 Std. Preis: ab 45.370 Euro
Kurzcharakteristik
Warum: alles dran, alles drin, und das zu einem verlockenden Preis
Warum nicht: wenig Möglichkeiten zur Individualisierung
Was sonst: VW ID.4, Opel Grandland Electric, Peugeot E-5008, Skoda Enyaq EV, Toyota bZ4X, Nissan Ariya, BYD Seal U, Tesla Model Y, XPeng G6, Leapmotor C10
Wann kommt er: Frühjahr 2026










