MG4 EV startet mit starkem Preis-Leistungs-Ansatz in Deutschland
Kein Elektroauto aus China dürfte man bei uns häufiger im Straßenverkehr wahrnehmen als den MG4 EV. Das Kompaktmodell in Golf-Größe zählte nicht nur zu den ersten Stromern, die aus dem Reich der Mitte nach Deutschland kamen, sondern die Vertriebs-Manager von MG zeigten auch, wie man im schwierigsten und anspruchsvollsten Automarkt der Welt Fuß fasst: mit guter Qualität zu attraktiven Preisen. Motto: kommen, um zu bleiben.
Elektroplattform mit Heckantrieb als Basis des MG4 EV
Der MG4 EV war bei seinem Debüt 2022 das erste Modell der Marke, das auf einer eigens dafür entwickelten Elektroplattform basierte, der MSP (Modular Scalable Platform). Sie wurde speziell für den europäischen Markt ausgelegt und ist in ihrem Grund-Layout ein Heckantriebskonzept, ganz ähnlich, wie es Volkswagen bei seiner MEB-Architektur gemacht hat. Über 32.000 Einheiten konnte MG bislang in Deutschland vom Vierer absetzen.

Oberhalb des Einstiegsmodell rangiert die Long-Range-Version mit 77 kWh Kapazität.
MG4 EV erhält ein deutlich besseres Interieur
Jetzt spendieren die Chinesen ihrem Bestseller ein umfangreiches Update. Während man sich äußerlich auf optische Retuschen (modifizierter Heckspoiler, LED-Signatur) beschränkte, punktet der neue MG4 EV mit einem deutlich aufgewerteten Interieur. Es stammt aus dem im vorigen Jahr eingeführten SUV MGS5. Vergangenheit sind damit die halbe Stummelmittelkonsole, die kleinen Bildschirme und die teils billig wirkenden Materialien. Das neue Interieur bietet angenehme Oberflächen und wirkt wohnlicher, der zentrale Touchscreen wuchs auf eine Diagonale von 12,8 Zoll.
Bedienung überzeugt, Sprachsteuerung schwächelt
Grundsätzlich kommt man mit der Handhabung schnell zurecht, zumal die Designer bewusst Touch-Bedienung mit physischen Tasten für oft genutzte Funktionen wie Klima oder Radio kombiniert haben. Auch die Logik hinter den Displaydarstellungen erschließt sich einem schnell. Etwas enttäuscht waren wir jedoch von der Sprachsteuerung (Anweisungen werden häufig nicht verstanden) und den manchmal etwas trägen Reaktionen der Routenführung, die einen mitunter die richtige Abfahrt verleiden oder gänzlich fehlsteuern.

Während man sich äußerlich auf optische Retuschen (modifizierter Heckspoiler, LED-Signatur) beschränkte, punktet der neue MG4 EV mit einem deutlich aufgewerteten Interieur.
Neue LFP-Batterie steigert Reichweite und senkt Ladezeit
Auch technisch hat sich gegenüber dem Vorgänger einiges getan. Hatte dieser in der 64-kWh-Ausführung noch eine Batterie auf NMC-Basis (Nickel-Mangan-Kobalt), steckt im Boden des MG4 nun ein Akku mit LFP-Zellchemie (Lithium-Eisen-Phosphat). Der Unterschied: geringere Kosten für den Hersteller, höhere Zyklenfestigkeit, mehr Reichweite und schnelleres Laden für den Kunden. So schafft der MG4 nach WLTP-Zyklus jetzt 452 Kilometer am Stück (zuvor waren es 435 Kilometer) und der Akku ist nach 28 Minuten von zehn auf 80 Prozent gefüllt.
Heckantrieb sorgt für solide Fahrleistungen im MG4 EV
Die 140 kW/190 PS im Heck sorgen für völlig ausreichende Fahrleistungen, zumal die E-Maschine ihr Drehmoment (hier sind es 350 Newtonmeter) prinzipbedingt vom Start weg an die Hinterräder schickt. Das Fahrgefühl ist souverän, Lenkung und Fahrwerk sind gut abgestimmt, das Fahrverhalten wirkt sicher und solide. Wer es ein wenig spontaner im Ansprechverhalten haben möchte, kann übers Display auf den Modus "Sport" wechseln. Gewünscht hätten wir uns lediglich eine bessere akustische Dämmung. Besonders auf rauerem Asphalt dringen zu viele Geräusche aus den Radhäusern nach innen.
Angenehm sind Raumgefühl und die guten Platzverhältnisse. Auch hinten sitzen Gäste nicht beengt. Mit seinen 388 Litern bietet der Kofferraum dagegen eher Durchschnitt. Werden die Rücksitzlehnen umgelegt, entsteht eine ebene Fläche und es passen bis zu 1.165 Liter in den Laderaum. Ein zusätzliches Fach unter der Fronthaube – in der Elektro-Szene "Frunk" genannt – bietet der MG4 nicht, obwohl der Antrieb ja hinten sitzt.

Den MG4 gibt es derzeit nur in einer Premium-Version. Wählen kann der Kunde lediglich die Motorleistung und die Farbe.
Long Range und XPower erweitern das MG4-Angebot
Oberhalb des Einstiegsmodells rangiert die Long-Range-Version mit 77 kWh Kapazität (netto 74,4 kWh). Hiermit sind bis zu 545 Kilometer Reichweite möglich. Verbunden damit ist ein Motor, der anstelle der 140 flotte 180 kW/245 PS leistet. Die Höchstgeschwindigkeit beließ MG dennoch bei 180 km/h – der besseren Reichweite wegen. Erst wer die Allradvariante XPower wählt, darf sich jenseits der 200-km/h-Marke bewegen und sich aufgrund der 320 kW/435 PS starken Systemleistung an einer sportwagenähnlichen Fahrdynamik erfreuen.
Attraktive Preise und viel Ausstattung
Gut strukturiert ist MG bei der Modell- und Preisgestaltung. Den MG4 gibt es derzeit nur in einer Premium-Version. Wählen kann der Kunde lediglich die Motorleistung und die Farbe. Preislich geht es bei 36.126 Euro (alle Preise netto) los, was in Anbetracht der äußerst üppigen Serienausstattung ein recht verlockendes Angebot darstellt. Ein ganzes Bündel an Assistenzsystemen sowie 360-Grad-Kamera, Klimaautomatik, Wärmepumpe und Vehicle-to-load-Funktion (V2L) sind an Bord. Hier dürfte es die Konkurrenz schwer haben, preislich mitzuhalten. Die beiden höheren Versionen des MG4 EV kosten jeweils 1.681 Euro mehr.
Kleinere Basisversion des MG4 EV dürfte noch folgen
Vermissen werden einige Kunden gewiss die ehemalige Standardversion mit dem kleineren Akku (51 kWh) und der abgespeckten Serienausstattung. Doch Geduld, sie will MG vermutlich noch in diesem Jahr nachschieben. Optisch wird sie sich ein wenig von ihren Brüdern unterscheiden, da unterm Blech eine andere Plattform steckt. Statt Heck- hat sie Frontantrieb. Wie weit MG den Preis in Richtung 25.210 Euro drücken kann, bleibt abzuwarten.
Kurzcharakteristik
Warum: Weil China zeigt, wie cool Kompaktklasse sein kann
Warum nicht: kein Raum für Individualisierung
Wann kommt er: Frühjahr 2026
MG4 EV– Technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges Kompaktfahrzeug mit Steilheck; Länge: 4,29 Meter, Breite: 1,84 Meter, Höhe: 1,52 Meter, Radstand: 2,71 Meter, Kofferraumvolumen: 388-1.165 Liter
Premium 64: PSM-Motor mit 140 kW/190 PS, Drehmoment: 350 Nm, Heckantrieb, 0-100 km/h: 7,5 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 17,6 kWh/100 km, Akkugröße: 61,7 kWh, Reichweite: 452 km (WLTP), Ladeleistung: 154 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 10-80 % in 25 Minuten, AC: 0-100 % in 6:30 Std. Preis: ab 36.126 Euro
Premium 77: PSM-Motor mit 180 kW/245 PS, Drehmoment: 350 Nm, Heckantrieb, 0-100 km/h: 6,2 s, Vmax: 180 km/h, Verbrauch: 16,1 kWh/100 km, Akkugröße: 74,4 kWh, Reichweite: 545 km (WLTP), Ladeleistung: 144 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 10-80 % in 40 Minuten, AC: 0-100 % in 7:50 Std. Preis: ab 37.807 Euro
XPower: E-Motor mit 320 kW/435 PS, Drehmoment: 600 Nm, Allradantrieb, 0-100 km/h: 3,8 s, Vmax: 200 km/h, Verbrauch: 19,0 kWh/100 km, Akkugröße: 61,7 kWh, Reichweite: 405 km (WLTP), Ladeleistung: 140 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC: 10-80 % in 30 Minuten, AC: 0-100 % in 6:30 Std. Preis: ab 39.487 Euro









