Michelin Winterreifen-Test 2026/27 in Lappland

Michelin-Test in Lappland: Eis, Schnee und Matsch
Ganzjahresreifen kommt dem Winterpneu sehr nahe

Auf dem Arctic Proving Ground in Lappland testet Michelin drei Reifenkonzepte für unterschiedliche Winterbedingungen. Dabei zeigt sich, wie nah Ganzjahresreifen dem Winterpneu kommen.

Winterreifen 2026
Foto: Michelin

Es geht ganz schön weit nach Norden. Das Michelin-Testcenter liegt in Lappland im hohen Norden Finnlands. Das Areal des französischen Reifenherstellers ist riesig und ermöglicht so ziemlich alle denkbaren und sinnvollen Testszenarien. Wir sind schon Mitte März dieses Jahres zu einer ausführlichen Session auf dem Michelin Arctic Proving Ground angereist, um die Pneus für den Winter 2026/27 auszuprobieren. Richtig knackig kalt ist es nicht mehr, tagsüber bildet sich auf den Parcours schon eine dicke Matschschicht. Auch nicht schlecht. Denn in den gemäßigten Regionen Mitteleuropas ist es ja selten dauerhaft bitterkalt – häufig bestimmen Matsch und Nässe das Bild.

Eis, Matsch, Nässe: Was ein Winterreifen können muss

Welchen Reifen nimmt man denn nun für die bei uns üblichen Straßenbedingungen? Für die meisten Autofahrenden steht Sicherheit an erster Stelle. Das bedeutet: Ein Winterpneu muss nicht nur auf Eis, Matsch und Schnee liefern. Sondern auch noch auf trockener und auf regennasser Fahrbahn. Michelin hat für die Testfahrten zwei Kandidaten vorbereitet – und schickt einen sozusagen außer Konkurrenz auf die Piste.

X-Ice Snow+: gebaut für den Polarkreis

Außer Konkurrenz bedeutet beim neuen X-Ice Snow+, dass der Reifen nicht für unsere Gefilde, sondern für den Einsatz am und jenseits des Polarkreises optimiert ist. Die neu entwickelte Gummimischung namens Flex-Ice 3.0 senkt den Rollwiderstand und damit den Verbrauch, neue Elastomere, Weichmacher und Silica-Füller sorgen für verbesserten Grip – beim Bremsen, beim Beschleunigen und bei der Richtungsstabilität. Dass mit diesen Verbesserungen auch noch ein deutlich geringerer Abrieb und laut Michelin eine um bis zu 40 Prozent höhere Kilometerleistung einhergehen, wird die Kundin oder der Kunde gerne hören.

Winterreifen 2026
Michelin

Reichlich Platz: Auf dem riesigen Testgelände können die Winter- und Ganzjahresreifen ausführlich getestet werden.

Mit rund 220 Stahlstiften durch den Winter

So richtig wohl fühlen sich die neuen nordischen Reifen zwischen minus 40 und plus 7 Grad. Und wer ganz auf Nummer sicher gehen will, ordert einen Satz der im hohen Norden noch immer zulässigen Spikes – mit je rund 220 Stahlstiften pro Pneu heißt das runde Angebot dann X-Ice North 4. Unser Urteil – wie gesagt außer Konkurrenz: Beeindruckend, was damit auf unterschiedlichsten Untergründen möglich ist.

Alpin 7: Reserven auch bei strammem Tempo

Nächster Testkandidat ist der aktuelle Alpin 7, der gerade im ADAC-Winterreifentest den guten zweiten Platz erreicht hat. Er ist auf einen Temperaturbereich von minus 20 bis plus sieben Grad hin entwickelt. Der 7er verfügt über ein laufrichtungsgebundenes Profil mit speziellen Lamellen, die gerade auf nasser und schneebedeckter Straße für reichlich Haftung sorgen sollen. Weil sich die Lamellen mit zunehmendem Verschleiß verbreitern, soll er zudem lange sicher nutzbar bleiben. Auf den von Michelin bereitgestellten Volvo XC60 machte er jedenfalls auch im Vergleich zu den nordischen Pneus einen guten Eindruck: Nach kurzer Eingewöhnungszeit ließ sich der Handlingkurs trotz nicht gerade optimaler Bedingungen mit erstaunlich hohem Tempo durchfahren. Und mit dem angenehmen Gefühl, auch bei strammem Tempo noch reichlich Reserven für schnelle Brems- oder Ausweichmanöver zu haben.

Winterreifen 2026
Michelin

Gefühlvoll: Beim Fahren auf Zeit mit dem Corolla kommt es auf Beschleunigen ohne durchdrehende Räder an.

Crossclimate 3: Ganzjahresreifen nah am Winterpneu

Ein rundum überraschendes Ergebnis konnte Testkandidat Nummer drei verbuchen. Der für die kommende Wintersaison überarbeitete Ganzjahresreifen namens Crossclimate 3 und Crossclimate 3 Sport ist für Regionen mit gemäßigten Wetterbedingungen konzipiert. Konkret: für Temperaturen zwischen minus 10 und plus 30 Grad. Die beiden Kandidaten mit ihrer 3PMSF-Markierung (Three Peak Mountain Snow Flake) erfüllen die gesetzlichen Vorschriften für Winterreifen und zeigen sich bei den Testfahrten auch allen Herausforderungen der anspruchsvollen Strecke gewachsen. Überraschend ist auch die Eis- und Matsch-Performance, die der des „echten“ Winterreifens schon ziemlich nahe kommt. Michelin empfiehlt die „Allrounder“ speziell auch für schwere und drehmomentstarke Elektroautos.

Winter- oder Ganzjahresreifen: Die Region entscheidet

Kurzes Fazit des Reifentests nördlich des Polarkreises: Im Voralpenland und in Mittelgebirgs-Regionen ist es nach wie vor sicher und sinnvoll, sein Auto mit speziellen Winterreifen auszustatten. Wer in gemäßigten Breiten mit eher milden Temperaturen und wenig Schnee lebt, kann durchaus auch Ganzjahresreifen in Betracht ziehen – und sich den zweimaligen Reifenwechsel sparen.