Nissan schickt den elektrischen Ariya ins Modelljahr 2026. Äußerlich belassen es die Designer bei feinen Retuschen. Die neue Preisliste offeriert dagegen frisch geschnürte Ausstattungs- und Zubehörpakete. Kunden wählen bei den Motoren weiterhin aus zwei Leistungsstufen. Das frontgetriebene Einstiegsmodell Evolve Pack (4x2) mit 178 kW/242 PS startet bei 49.445 Euro (alle Preise netto). Die Allrad-Topversion e-4ORCE (4x4) verteilt 225 kW/306 PS auf beide Achsen und kostet mindestens 53.647 Euro. Wir testeten den frontgetriebenen Ariya.
Warum der Ariya weiterhin aus der Masse heraussticht
Ein geschlossener Kühlergrill prägt die Frontpartie mit dem markentypischen V-Motiv. Flache LED-Scheinwerfer rahmen das Ganze ein und sorgen für eine – wie inzwischen bei vielen Herstellern üblich – eigenständige Lichtsignatur. In der Seitenansicht dominieren 20-Zoll-Leichtmetallräder das Erscheinungsbild. Eine flach abfallende Dachlinie verleiht dem SUV eine gestreckte Silhouette. Verdunkelte Scheiben ab der B-Säule schützen die Fondpassagiere vor zu starker Sonneneinstrahlung sowie neugierigen Blicken. Am Heck verbindet ein durchgehendes Band die LED-Rückleuchten.
Komfort gehört zu den größten Stärken
Im Innenraum empfängt der SUV seine Passagiere wie gewohnt mit einem großen Platzangebot. Fahrer und Beifahrer nehmen auf vielfach elektrisch einstellbaren Sitzen Platz. Diese verfügen über eine Heiz- und Kühlfunktion. Die Japaner haben das Mobiliar mit einer schwarzen Mischung aus Ledernachbildung und synthetischem Wildleder überzogen. Reichlich verbaute Dämmmaterialien halten Wind- und Abrollgeräusche in der Kabine auf angenehm leisem Niveau. Ein cleveres Detail bleibt die elektrisch längs verschiebbare Mittelkonsole. Per Knopfdruck gleitet sie stufenlos nach vorn oder hinten.
Google Maps plant nun direkt im Nissan Ariya
Direkt vor der Mittelkonsole platziert ist nun eine induktive Ladeschale. Das Smartphone ruht dort gut erreichbar und rutscht in Kurven nicht umher. Das Infotainment arbeitet ab sofort mit integriertem Google Maps, das Routen nicht nur schnell, sondern mit bekannt akkuraten Verkehrsinformationen plant. Zwei 12,3 Zoll große Bildschirme liefern scharfe Grafiken, ergänzt durch ein 10,8-Zoll-Head-up-Display. Ein Bose-Soundsystem mit zehn Lautsprechern übernimmt die musikalische Untermalung.
Warum das E-Pedal nicht bis zum Stillstand bremst
Das Fahrwerk mit McPherson-Federbeinen vorn und einer Verbundlenkerachse hinten ist vergleichsweise straff abgestimmt. Das fällt insbesondere beim Überfahren von Bodenschwellen in verkehrsberuhigten Zonen auf. Der SUV beschleunigt in 7,6 Sekunden auf 100 km/h und erreicht maximal 160 km/h. Die bei Nissan e-Pedal Step genannte Funktion erlaubt fast durchgängiges Beschleunigen und Verzögern mit dem Fahrpedal – aber leider nicht bis zum Stillstand. Der Fahrer muss auf den letzten Metern das Bremspedal betätigen. Die Lenkung reagiert sportlich-direkt.

Das Fahrwerk mit McPherson-Federbeinen vorn und einer Verbundlenkerachse hinten ist vergleichsweise straff abgestimmt.
Fast 25 kWh trotz Frontantrieb und moderater Leistung
Während der Ausfahrten in Spanien verlangt das Wetter der Klimaanlage alles ab. Das Thermometer klettert während der Fahrt von 30 in Richtung 40 Grad Celsius. Die Teststrecke rund um Barcelona kombiniert zähfließenden Stadtverkehr mit Landstraßen und Autobahnabschnitten. Unter diesen realen Bedingungen legt der Elektromotor überraschend großen Energiehunger an den Tag. Der Bordcomputer weist einen Durchschnittsverbrauch von fast 25 Kilowattstunden pro 100 Kilometer aus. Für ein modernes Fahrzeug mit Frontantrieb in dieser Gewichts- und Größenklasse ist das hoch.
Vom WLTP-Wert bleiben im Test bis zu 181 Kilometer weniger
Im Ariya ist eine Batterie mit 87 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität verbaut. Die Herstellerangabe für den Stromkonsum liegt zwischen 18,2 und 18,7 kWh auf ebenfalls erhöhtem Niveau. Dieser Normwert rückt in der spanischen Hitze außer Reichweite. Und wirkt sich natürlich auf diese aus: Während nach WLTP theoretisch bis zu 531 Kilometer mit einer Batterieladung möglich sind, schmelzen sie im Alltag zusammen. Echte 350 bis 400 Kilometer liegen bei diesen Bedingungen und dem Kühlbedarf im Bereich des Machbaren. Bei milderen Temperaturen dürfte der Aktionsradius jedoch etwas höher sein.
Wenig charmant agieren die vorgeschriebenen digitalen Helfer. Der Spurhalteassistent greift früh in die Lenkung ein. Auch der Geschwindigkeitswarner drängt sich akustisch penetrant in den Vordergrund. Wer ungestört reisen möchte, schaltet beide Funktionen lieber ab. Neu im Infotainment ist zudem eine 360-Grad-Rundumsicht. Eine Skelett-Ansicht macht die Motorhaube auf dem Mittendisplay durchsichtig. Allerdings stellt die zusammengesetzte Rundumsicht den Ariya selbst etwas pixelig dar. Die umliegenden Fahrzeuge erscheinen je nach Perspektive deutlich verzerrt.

Am Heck verbindet ein durchgehendes Band die LED-Rückleuchten.
130 kW sind für einen 87-kWh-Akku nur Mittelmaß
An der Schnellladesäule nimmt der Ariya über seinen CCS2-Anschluss maximal 130 kW Gleichstrom auf. Das ist gerade noch solide, aber selbst für eine 400-Volt-Architektur kein Spitzenwert. Wechselstrom fließt durch den integrierten Bordlader dreiphasig mit 11 kW. Positiv hervor sticht die Vehicle-to-Load(V2L)-Funktion. Der mitgelieferte Adapter macht den Ladeanschluss zur leistungsfähigen Haushaltssteckdose. Damit betreiben Fahrgäste unterwegs problemlos auch energieintensivere elektrische Geräte.
468 Liter Kofferraum treffen auf knappe Zuladung
Der SUV beweist im Alltag hohe Praktikabilität. Der Kofferraum fasst 468 Liter Gepäck. Legt der Fahrer die asymmetrisch geteilten Rücksitzlehnen um, wächst das Volumen auf bis zu 1.350 Liter an. Eine elektrisch öffnende und schließende Heckklappe erleichtert es, Koffer im Heck zu verstauen. Sie reagiert auf Fußgesten unter dem hinteren Stoßfänger. Eine Zuladung von bis zu 409 Kilogramm kann je nach Gewicht der Insassen für vier Erwachsene samt Gepäck durchaus knapp werden.
Warum der Grundpreis von 49.445 Euro ambitioniert ist
Nissan verlangt für den Ariya viel Geld. Die umfangreiche Serienausstattung mit Panoramadach und dem kamerabasierten Innenspiegel gleicht den Grundpreis zwar teilweise aus. Das Fahrzeug bewegt sich preislich dennoch in einer anspruchsvollen Liga. Angesichts der eingeschränkten Ladeleistung und des hohen Verbrauchs bleibt der geforderte Betrag ambitioniert. Wen dies nicht stört, viel Platz und ungewöhnliches Design sucht, findet im Ariya trotzdem ein interessantes Angebot.
Technische Daten: Nissan Ariya Evolve Pack
Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Kompaktklasse; Länge: 4,60 Meter, Breite: 1,85 Meter (mit Außenspiegeln: 2,17 Meter), Höhe: 1,65 Meter, Radstand: 2,78 Meter, Kofferraumvolumen: 468–1.350 Liter
E-Motor mit 178 kW / 242 PS, Drehmoment: 300 Nm, 0–100 km/h: 7,6 s, Vmax: 160 km/h, Verbrauch: 18,2–18,7 kWh/100 km (WLTP), Akkugröße: 87 kWh netto, Reichweite: 516–531 km (WLTP), Ladeleistung: 130 kW (DC), 11 kW (AC)
Preis: ab 49.445 Euro
Kurzcharakteristik
Warum: hervorragendes Raumgefühl, clevere V2L-Funktion, leise Kabine
Warum nicht: hoher Stromverbrauch, mäßige Ladeleistung, recht teuer
Wann kommt er: im September










