Die Flut neuer Marken aus China reißt nicht ab. Mit Omoda tritt der nächste Aspirant aus Fernost an. Die Marke versteht sich als Schwester des ebenfalls neuen Labels Jaecoo. Beide werden seit Jahresbeginn in einer Doppelmarken-Strategie vermarktet und gehören zum Chery-Konzern. Der Hersteller gilt seit mehr als zwei Jahrzehnten als größter Auto-Exporteur Chinas und hat sich mit dem Einstieg in Deutschland vergleichsweise lange Zeit gelassen. Omoda und Jaecoo wurden gezielt für Exportmärkte konzipiert und zum Teil am firmeneigenen Technikstandort in Raunheim bei Frankfurt mitentwickelt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen. Erstes Modell ist der Omoda 9, ein Mittelklasse-SUV mit Plug-in-Antrieb zu Preisen ab 44.454 Euro (alle Preise netto).
Plug-in-Hybrid mit großer Elektro-Reichweite
Optisch nimmt der Omoda 9 mit seinem Crossover-Style unter anderem den Volvo XC60 Recharge ins Visier, der je nach Version als Plug-in-Hybrid mit mindestens 10.592 Euro Mehrpreis deutlich teurer ist. Der technisch aufwändige Antrieb des chinesischen Herausforderers unterscheidet sich deutlich vom Wettbewerb und kombiniert einen 1,5-Liter-Benziner mit gleich drei Elektromotoren und einer dreistufigen Hybrid-Automatik.
Dabei arbeitet der Verbrenner überwiegend als Generator zur Stromerzeugung und wird nur bei höherem Tempo oder niedrigem Batteriestand direkt für den Vortrieb zugeschaltet. Rein elektrisch soll der Omoda 9 mit seiner 34,5-kWh-Batterie bis zu 145 Kilometer weit kommen, die kombinierte Gesamtreichweite mit 70-Liter-Tank beträgt laut Hersteller bis zu 1.100 Kilometer.

Optisch nimmt der Omoda 9 mit seinem Crossover-Style unter anderem den Volvo XC60 Recharge ins Visier.
Laden mit Licht und Schatten
Beim Laden zeigt der Omoda 9 Licht und Schatten. Gut ist die für Plug-in-Hybride nicht immer selbstverständliche Schnell-Ladefähigkeit mit bis zu 65 kW in der Spitze; im Idealfall soll der Bereich von 30 auf 80 Prozent in rund 25 Minuten wieder aufgefüllt sein. Deutlich langsamer fällt die für viele Nutzer wichtigere AC-Ladung aus: Das einphasige Laden ermöglicht in Deutschland maximal rund 4,6 kW, entsprechend dauert eine Vollladung auch an öffentlichen Säulen mindestens 5,5 Stunden. Obacht: Viele Anbieter verlangen bereits nach vier Stunden eine Blockiergebühr. Praktisch ist die V2L-Funktion, über die sich externe Geräte versorgen lassen.
537 PS und komfortorientiertes Fahrverhalten
Die Leistung des Allradsystems liegt im Verbund der Motoren bei 395 kW/537 PS, das maximale Drehmoment wird mit 700 Nm angegeben. Damit absolviert das SUV den Sprint auf 100 km/h in 4,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist auf 180 km/h begrenzt. Dabei ist der Antriebscharakter mehr auf Gelassenheit ausgerichtet, mit gleichmäßiger und gut dosierbarer Entfaltung statt ausgeprägt sportlicher Schärfe.
Im Normalbetrieb arbeitet das System harmonisch, die Übergänge zwischen Elektro- und Verbrenner erfolgen weitgehend unauffällig und ohne spürbare Unterbrechungen. Dazu kommen sechs Fahrmodi von Eco bis Offroad sowie drei Rekuperationsstufen, mit denen sich der Charakter des Antriebs zumindest in Grenzen anpassen lässt.

Sehr umfangreich fällt die Ausstattung aus, denn in Deutschland wird der Omoda 9 ausschließlich in der Linie "Exclusive" angeboten.
Adaptives Fahrwerk mit Komfort-Fokus
Ambitionierter als viele Konkurrenten aus dem Volumensegment gibt sich der Omoda 9 beim Fahrwerk. Das adaptive System passt die Dämpfung abhängig vom Modus an, dabei ist die Abstimmung spürbar auf entspanntes Reisen ausgelegt. Je nach Geschwindigkeit und Straßenverhältnissen schwankt der Eindruck zwischen angenehm und etwas unruhig. Im Normal- und Eco-Modus wirkt der Wagen eher weich, während der Sport-Modus das Set-up strafft und für mehr Karosseriekontrolle sorgt. Unabhängig davon merkt man dem rund 2,2 Tonnen schweren SUV sein Gewicht in schnell gefahrenen Kurven an.
Umfangreiche Ausstattung serienmäßig
Sehr umfangreich fällt die Ausstattung aus, denn in Deutschland wird der Omoda 9 ausschließlich in der Linie "Exclusive" angeboten. Zum Serienumfang zählen unter anderem LED-Projektionsscheinwerfer, Panorama-Glasdach, elektrische Heckklappe und 20-Zoll-Räder. Hinzu kommt eine ansehnliche Bildschirmkombi aus zwei 12,3-Zoll-Screens, die sich gebogen um das Cockpit spannt und von einem Head-up-Display ergänzt wird. Positiv: Wichtige Funktionen lassen sich weiterhin über haptische Drehregler bedienen, außerdem sind kabellose Smartphone-Integration und 50-kW-Induktivladen an Bord.
Selbst sonst teure Komfortdetails wie Sitzmassage oder -belüftung sind serienmäßig. Mit 471 Litern Kofferraumvolumen, erweiterbar auf bis zu 1.783 Liter, und reichlich Platz für fünf Personen erfüllt der Omoda 9 die klassischen Anforderungen an ein Familien- und Reise-SUV.

Die Leistung des Allradsystems liegt im Verbund der Motoren bei 395 kW/537 PS.
Omoda 9 punktet mit Preis-Leistungs-Verhältnis
Mit 44.454 Euro ist der Omoda 9 zwar kein Schnäppchen. Gemessen an Systemleistung, Batteriegröße, elektrischer Reichweite und Serienausstattung aber durchaus attraktiv kalkuliert. Kunden erhalten ein großzügig dimensioniertes, langstreckentaugliches SUV mit viel Komfort, reichhaltiger Technik und einem für Plug-in-Hybride außergewöhnlich starken E-Anteil. Dem stehen ein nur mittelmäßig überzeugendes AC-Ladeverhalten, der noch junge Markenauftritt und ein Fahrverhalten gegenüber, das eher auf Gelassenheit als auf Dynamik setzt.
Omoda 9 PHEV – Technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges Mittelklasse-SUV; Länge: 4,78 Meter, Breite: 1,92 Meter (ohne Außenspiegel), Höhe: 1,67 Meter, Radstand: 2,80 Meter, Kofferraumvolumen: 471 – 1.783 Liter
Plug-in-Hybridantrieb mit 1,5-Liter-Turbobenziner und drei Elektromotoren, Allradantrieb, 3-Gang-Automatik, Systemleistung: 395 kW/537 PS, Drehmoment: 650 Nm, Akkugröße: 34,5 kWh, 0-100 km/h: 4,9 s, Vmax: 180 km/h, Normverbrauch: (WLTP kombiniert): 6,9 l/100 km (bei entladener Batterie) bzw. 1,6 l/100 km plus 19,5 kWh/100 km (gewichtet), CO2-Ausstoß: ca. 38 g/km, elektrische Reichweite (WLTP): bis zu 145 km, Ladeleistung: bis 65 kW (DC), Ladedauer: DC 30-80% in 25 Minuten, AC 0-100% in 5,5 Std.
Preis: ab 44.454 Euro
Omoda 9 PHEV – Kurzcharakteristik
Warum? Starker Plug-in-Antrieb, große Batterie, viel Ausstattung fürs Geld
Warum nicht? Unbekannte Marke mit jungem Händlernetz, zähes AC-Ladeverhalten und Schwächen im Fahrwerk.
Was sonst? Kia Sorento PHEV, Mazda CX‑60 PHEV, Volvo XC60 Recharge.
Wann kommt er? ab sofort








