Skoda Peaq 90 im Fahrbericht: Preis & Reichweite

Fahrbericht Skoda Peaq: das größte E-SUV der Marke
Riesiger Kofferraum, aber nur zwei Jahre Garantie

Erste Runde im Skoda-Flaggschiff: Der Heckmotor arbeitet fast lautlos, die Dämpfer bügeln Bodenwellen glatt, und mit 9,9 Metern Wendekreis passt der Peaq 90 auch in enge Tiefgaragen. Abzüge gibt es bei Bremsgefühl und Garantie. Alle Infos im Fahrbericht mit Bildergalerie.

Škoda Peaq bei der Fahrpräsentation mit Testfahrzeug, Ausstattungsdetails und technischen Informationen zum elektrischen SUV.
Foto: Škoda Auto

Skoda hält sich bei Elektroautos eigentlich an eine klare Regel: vorn ein E, hinten ein q, siehe Enyaq, Elroq und Epiq. Nun mussten sie eine Ausnahme machen: Bereits Ende 2022 nannten die Entwickler ihr Projekt Peaq, nach dem englischen „peak“, also Gipfel, denn etwas Größeres hatte Skoda bis dahin nicht gebaut. Der Arbeitstitel ließ sich danach nicht mehr abschütteln, zumal ein Epeaq zu sehr nach Epiq geklungen hätte.

Mit 4,87 Metern Länge und 2,965 Metern Radstand ist der Peaq das größte SUV der Marke. Als Peaq 90 in der Ausstattungslinie Selection kostet er rund 48.700 Euro netto. Bei der ersten Ausfahrt in Tirol überzeugen Platz und Laufruhe. Dünne Luft herrscht dagegen bei Details, die Fuhrparks im täglichen Einsatz merken: Rekuperationswippen gibt es nur im teuersten Paket, und die Garantie endet nach zwei Jahren - aber eins nach dem anderen ...

Platz für drei hinten, nicht für den Thermobecher

Vorn sitzt es sich richtig gut. Im Testwagen waren belüftete Ergo-Komfortsitze mit elektrisch ausfahrender Beinauflage verbaut, Skoda vergleicht das mit der Business Class auf Langstreckenflügen. In Deutschland stecken diese Sitze im Paket Maxx, die Belüftung gibt es gegen Aufpreis.

Wer hinten einsteigt, merkt den Radstand sofort. In der zweiten Reihe bleibt reichlich Platz für die Beine, und die Innenbreite schrumpft gegenüber vorn um ganze vier Millimeter auf 1.506 Millimeter. Drei Erwachsene kommen da ohne Schulterkontakt aus. 935 Liter fasst der Kofferraum des Fünfsitzers, mehr als bei jedem anderen Skoda, mit umgeklappten Lehnen 2.150 Liter. Fürs Ladekabel gibt es vorn einen 37-Liter-Frunk.

Škoda Peaq bei der Fahrpräsentation mit Testfahrzeug, Ausstattungsdetails und technischen Informationen zum elektrischen SUV.

Erstmals bei Skoda steht der Touchscreen hochkant: Oben läuft die Karte, unten liegen die wichtigsten Tasten griffbereit über der Mittelkonsole.

Weniger großzügig zeigt sich der Peaq im Kleinen. Die Türfächer sind schmal, und ein heute üblicher Thermobecher passt in keinen der Cupholder. Skoda bietet dafür Zubehör aus dem 3D-Drucker an, etwa einen Getränkehalter für den Klapptisch, eine Münzbox und einen Regenschirmhalter. Einfacher wäre ein ordentlicher Becherhalter ab Werk gewesen. Ein Kreuz in der Preisliste wert ist dagegen das Simply-Clever-Paket für 50 Euro netto mit Tablet-Halter, Abfalleimer, zweitem Regenschirm und Ladekabelreiniger. Mit dem Ausstattungspaket Clever hat es außer dem Namen nichts zu tun.

Škoda Peaq bei der Fahrpräsentation mit Testfahrzeug, Ausstattungsdetails und technischen Informationen zum elektrischen SUV.
Nicole Holzer

Kleines Paket, viel Nutzen: Für 50 Euro netto gibt es einen zweiten Schirm für den Beifahrer, einen Abfalleimer, einen Tablet-Halter und einen Ladekabelreiniger.

Warum Skoda den Touchscreen hochkant stellt

Erstmals bei Skoda steht der 13,6-Zoll-Touchscreen senkrecht. Nach Skodas Beobachtung lassen die meisten Fahrer die Karte ständig laufen, auch ohne Ziel. Deshalb liegt sie oben und die wichtigsten Tasten unten, wo die Hand ohnehin auf der Mittelkonsole ruht. Eingewöhnung braucht es trotzdem, denn die Menüs stecken voller Funktionen. Für Temperatur und Gebläse gibt es zum Glück echte Wippen, die Lautstärke regelt eine Walze. Die Qi2-Ladeschale hält zwei Handys magnetisch fest und lädt jedes mit bis zu 25 Watt. Und Sprachassistentin Laura? Die ist stets bemüht, braucht aber offenbar noch etwas Eingewöhnung. Manche Wünsche mussten wir ihr zweimal sagen, aber das soll ja auch unter Menschen vorkommen.

Škoda Peaq bei der Fahrpräsentation mit Testfahrzeug, Ausstattungsdetails und technischen Informationen zum elektrischen SUV.
Nicole Holzer

Fast wie im Flieger: Die Aussicht für die Fahrgäste in der dritten Reihe:

Bei der Rekuperation spart Skoda an der falschen Stelle. Lenkradwippen gibt es beim Selection nur im Paket Maxx für 5.647 Euro netto, beim rund 4.100 Euro netto teureren Sportline sind sie Serie. Wer sie nicht hat, dreht den Fahrhebel auf B und fährt mit einem Pedal, Zwischenstufen fehlen. Einen Startknopf braucht der Peaq nicht mehr. Einsteigen, Hebel auf D, losfahren.

Fast lautlos – und was die Reichweitenanzeige verrät

Der Heckmotor mit 210 kW (286 PS) und 545 Newtonmetern schiebt den Peaq 90 kräftig an und bleibt dabei fast unhörbar. Akustikglas hält Wind und Umgebung draußen, auch das Fahrwerk arbeitet leise. Am stimmigsten fährt er sich mit der Lenkung auf Sport und allem anderen auf Normal. Dann gibt die Lenkung mehr Rückmeldung, während das Fahrpedal sanft anspricht. Bodenwellen bügeln die Dämpfer glatt, ohne dass die Karosserie lange nachwippt. Die Assistenzsysteme halten sich im Hintergrund. Sogar der Tempowarner lässt knappe Überschreitungen durchgehen, man muss ihn also nicht gleich abschalten.

Für einen belastbaren Verbrauchswert war unsere Runde zu kurz. Skoda gibt 15,1 bis 17,6 kWh/100 km an, Klima und Nebenverbraucher weist der Bordcomputer getrennt aus. Mehr verrät die Reichweitenanzeige. Bei 89 Prozent Akkustand prognostizierte sie 384 Kilometer, was rechnerisch rund 20 kWh/100 km entspricht. Hochgerechnet auf einen vollständig geladenen Akku wären das etwa 430 Kilometer statt der über 640 Kilometer nach WLTP. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um eine Momentaufnahme.

Škoda Peaq bei der Fahrpräsentation mit Testfahrzeug, Ausstattungsdetails und technischen Informationen zum elektrischen SUV.
Škoda Auto

4,87 Meter lang, fast drei Meter Radstand: Der Peaq ist das größte SUV, das Skoda je gebaut hat.

Am Schnelllader dauert es laut Skoda 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Die Wärmepumpe ist Serie, über die Steckdose im Kofferraum gibt der Peaq bis zu 3,6 kW ab. Für Vehicle-to-Home braucht es eine bidirektionale DC-Wallbox, zertifiziert ist bisher nur ein Modell, der BiDi Charger 11 DC von Moon Power.

Trommeln hinten, wendig in der Tiefgarage

Weniger überzeugt das Bremspedal. Wer kräftig verzögern will, muss fest treten, und der Druckpunkt bleibt teigig. Der kleine Epiq mit Scheiben hinten macht das besser. Der Peaq setzt an der Hinterachse auf Trommeln, im B-Modus erledigt laut Skoda ohnehin die Rekuperation mehr als 95 Prozent der Bremsarbeit. Beim Siebensitzer sind die Trommeln größer und die Beläge breiter, weil zwei zusätzliche Passagiere direkt über der Hinterachse sitzen. Ob auch das Fahrwerk straffer abgestimmt ist, wusste vor Ort niemand sicher. In engen Tiefgaragen hilft der Heckantrieb. Der Peaq 90 wendet auf 9,9 Metern, der Allradler 90x braucht 11,4. Gezogen werden beim Peaq 90 bis zu 1.800 Kilogramm, beim Allradler 2.000, die Anhängerkupplung kostet 597 Euro.

Was Fuhrparks und Dienstwagenfahrer rechnen müssen

Los geht es beim Peaq 60 mit 41.933 Euro netto. Unser Peaq 90 kostet 48.655 Euro, der Allradler 90x 50.756 Euro, die dritte Sitzreihe 832 Euro extra. Teuer wird es bei den Paketen, weil sie aufeinander aufbauen: Clever, Plus, Advanced und Maxx enthalten jeweils das vorherige Paket. Clever mit Travel Assist und 230-Volt-Steckdose kostet 1.345 Euro, das Top-Paket Maxx mit DCC-Fahrwerk, Sonos und Ergo-Komfortsitzen 5.647 Euro. Nach Preisliste kam unser Testwagen auf rund 57.600 Euro netto. Weil die 0,25-Prozent-Regel vom Bruttolistenpreis ausgeht, ergibt das gut 171 Euro geldwerten Vorteil im Monat, beim Peaq 90 ohne Extras knapp 145 Euro. Erfreulich lange laufen die Online-Dienste. Der Fernzugriff per App ist zehn Jahre kostenlos, die Online-Navigation samt 10 GB Datenvolumen pro Monat fünf Jahre.

Škoda Peaq bei der Fahrpräsentation mit Testfahrzeug, Ausstattungsdetails und technischen Informationen zum elektrischen SUV.
Nicole Holzer

935 Liter fasst der Kofferraum des Fünfsitzers, mehr als bei jedem anderen Skoda. Mit umgeklappten Lehnen sind es 2.150 Liter.

Was nach zwei Jahren Garantie kommt

Bei der Garantie bleibt Skoda knausrig. Zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung gibt es ab Werk, Kia bietet sieben. Wer 36 Monate least, braucht also die Anschlussgarantie, und die lässt sich nur direkt beim Neuwagenkauf abschließen. Ein drittes Jahr bis 90.000 Kilometer kostet 436 Euro netto, zwei weitere Jahre bis 120.000 Kilometer 839 Euro, drei Jahre bis 150.000 Kilometer 1.335 Euro. Für die Batterie gelten acht Jahre oder 160.000 Kilometer.

Ölwechsel entfallen beim Peaq, der auf dem Elektrobaukasten MEB+ des VW-Konzerns aufbaut. Zur ersten Inspektion muss er nach zwei Jahren oder 30.000 Kilometern, danach meldet die Serviceanzeige den Termin. Wer 30.000 Kilometer im Jahr fährt, steht also schon nach zwölf Monaten in der Werkstatt. Jede Wartung beim Skoda-Partner verlängert die Mobilitätsgarantie um zwei Jahre.

Fazit

Viel Platz, eine leise und komfortable Abstimmung und in der Praxis voraussichtlich gut 400 Kilometer Reichweite, und das für weniger Geld als die koreanischen Siebensitzer. Nachbessern sollte Skoda bei Garantie, Bremsgefühl und Becherhaltern. Rekuperationswippen gehören bei einem Flaggschiff auch im Selection in die Serie und nicht in ein Paket für über 5.600 Euro.

Technische Daten: Skoda Peaq

Basisdaten: fünftüriges Elektro-SUV der oberen Mittelklasse mit fünf oder sieben Sitzen, Länge: 4,87 Meter, Breite: 1,87 Meter, Höhe: 1,67 Meter, Radstand: 2,97 Meter, Kofferraumvolumen: 935–2.150 Liter (Siebensitzer: 299–2.075 Liter), Frunk: 37 Liter, Anhängelast gebremst: 1.800–2.000 kg

Peaq 60 (Heckantrieb): 150 kW/204 PS, Drehmoment 350 Nm, 0–100 km/h: 8,4 s, Vmax: 160 km/h, NMC-Batterie mit 59 kWh netto, max. AC-Ladeleistung: 11 kW, max. DC-Ladeleistung: 160 kW, Ladezeit 10–80 %: ca. 27 min., Reichweite: 459 km, Verbrauch: 14,9–17,5 kWh/100 km (WLTP), Leergewicht: 2.125 kg. Preis: ab 41.933 Euro

Peaq 90 (Heckantrieb): 210 kW/286 PS, Drehmoment 545 Nm, 0–100 km/h: 7,1 s, Vmax: 180 km/h, NMC-Batterie mit 86 kWh netto, max. AC-Ladeleistung: 11 kW, max. DC-Ladeleistung: 199 kW, Ladezeit 10–80 %: ca. 28 min., Reichweite: 647 km, Verbrauch: 15,1–17,6 kWh/100 km (WLTP), Leergewicht: 2.309 kg. Preis: ab 48.655 Euro

Peaq 90x (Allradantrieb): Systemleistung 220 kW/299 PS, Drehmoment 545 Nm, 0–100 km/h: 6,7 s, Vmax: 180 km/h, NMC-Batterie mit 86 kWh netto, max. AC-Ladeleistung: 11 kW, max. DC-Ladeleistung: 199 kW, Ladezeit 10–80 %: ca. 28 min., Reichweite: 613 km, Verbrauch: 16,0–18,5 kWh/100 km (WLTP), Leergewicht: 2.382 kg. Preis: ab 50.756 Euro