Design & Abmessungen: kantig statt glatt
Der Suzuki e-Vitara tritt bewusst unaufgeregt auf – technisch wie optisch. Als technischer Zwilling des Toyota Urban Cruiser wirkt er im direkten Vergleich kantiger und robuster. Während der Toyota stärker auf glatte Flächen und Zurückhaltung setzt, zeigt der Suzuki mehr SUV-Charakter: markant ausgeformte Radläufe, unlackierte Kunststoffbeplankungen und eine höher wirkende Front. Mit 4,28 Metern Länge bleibt er handlich, die 18 Zentimeter Bodenfreiheit zeigen, dass er nicht nur für den Bordstein vor dem Büro gedacht ist.
Fahreindruck: Komfort vor Dynamik
Wir sind mit dem Fronttriebler unterwegs. Schon nach den ersten Kilometern wird klar, dass Suzuki beim ersten Elektroauto bewusst auf eine defensive Auslegung setzt. Im Stadtverkehr spielt der e-Vitara seine Stärken aus. Die Sitzposition ist hoch, die A-Säule vergleichsweise schmal, die Motorhaube gut einsehbar. Das macht das Rangieren einfach und nimmt den Stress. Auch auf schlechten Straßen bleibt der Suzuki angenehm komfortabel.
Fahrwerk & Antrieb: ruhige Gangart
Das Fahrwerk ist weich abgestimmt, filtert Unebenheiten sauber heraus und passt gut zum insgesamt ruhigen Charakter des Fahrzeugs. Der Frontantrieb arbeitet unauffällig, zeigt bei Nässe aber die bekannten Grenzen. Wer regelmäßig auf rutschigem Untergrund unterwegs ist, dürfte mit der Allradversion besser bedient sein.
Innenraum vorn: bequem, aber konventionell
Vorn sitzt man angenehm erhöht, die Sitze sind bequem – und vermutlich lassen sich auch längere Etappen ohne Rückenschmerzen abspulen. Materialwahl und Verarbeitung gehen völlig in Ordnung, echte Aha-Momente bleiben aber aus. Etwas irritierend ist die breite Mittelkonsole, die viel Raum beansprucht, ohne einen Mehrwert zu liefern. Wir vermuten ein Relikt klassischer Innenraumgestaltung, welches eigentlich nicht mehr nötig wäre.
Fond & Kofferraum: Platz mit Grenzen
Im Fond macht der e-Vitara zunächst einen großzügigen Eindruck. Die verschiebbare Rückbank ist ein praktisches Detail und erlaubt es, wahlweise den Knieraum oder den Kofferraum zu strecken. Trotzdem bleibt das Platzangebot im Heck der wunde Punkt: 258 bis 310 Liter Kofferraumvolumen sind für ein kompaktes SUV schlicht knapp. Für den Dienstwagenalltag heißt das: Laptop-Trolley, Musterkoffer oder Sporttasche passen – viel mehr aber nicht. Und damit wird Stauraum schneller zum Thema, als es die Außenabmessungen vermuten lassen. Das gilt auch für die 750 Kilogramm Anhängelast. Die mag für kleinere Anhänger ausreichen, für viele gewerbliche Anwendungen jedoch nicht.
Batterie & Laden: robust, aber langsam
Sportliche Ambitionen hat der e-Vitara nicht – will er aber auch gar nicht. Suzuki setzt auf LFP-Batterien mit 49 oder 61 kWh Kapazität, die vor allem für ihre Robustheit und Langlebigkeit bekannt sind, allerdings bauartbedingt keine hohen Ladeleistungen ermöglichen. Die WLTP-Reichweite von bis zu 426 Kilometern klingt damit zunächst solide, relativiert sich im Alltag jedoch durch die begrenzte DC-Ladeleistung von rund 60 bis 70 kW. Entsprechend lang fällt der Stopp an der Schnellladesäule aus: Rund 45 Minuten für 10 bis 80 Prozent sind heute kein Spitzenwert mehr.
Einsatzprofil: regional statt Langstrecke
Spontane Langstrecken oder eng getaktete Etappen liegen dem e-Vitara daher weniger – stattdessen passt er besser zu planbaren Einsatzprofilen mit regelmäßigem Laden über Nacht, etwa im regionalen Dienstwagen- oder Flottenbetrieb. Suzuki geht mit dieser Einschränkung offen um. „Der e-Vitara ist kein Fahrzeug für Fernstreckenfahrer oder Außendienstler mit 60.000 bis 100.000 Kilometern im Jahr“, erklärt Daniel Schnell, Deputy Managing Director bei Suzuki Deutschland. Wer dagegen überwiegend regional unterwegs ist, über Nacht lädt und Elektromobilität planbar nutzt, bekommt mit dem e-Vitara ein kalkulierbares Firmenfahrzeug.
Assistenzsysteme: viel Serie fürs Geld
Erfreulich ist die Assistenz-Ausstattung ohne Aufpreisliste. Schon in den unteren Linien bringt der e-Vitara einen adaptiven Tempomaten mit Spurführung serienmäßig mit. Bei der Testfahrt hat das System Abstand und Tempo sauber geregelt, die Spur gehalten und vorsichtig eingegriffen. In dieser Preisklasse ist das keineswegs Standard – bei vielen Wettbewerbern steht dafür ein teures Paket auf der Optionsliste. Für Dienstwagenfahrer heißt das: mehr Komfort im Alltag, ohne dass der Preis durch zusätzliche Pakete aus dem Ruder läuft.
Infotainment & Bedienung: Luft nach oben
Weniger überzeugend ist die Bedienlogik. Die Software ist nicht wirklich schnell und einige Funktionen wie zum Beispiel die Sitzheizung sind mit insgesamt vier „Arbeitsschritten“ tief verschachtelt. Auch die Navigation lässt noch Wünsche offen. Es ist nachvollziehbar, dass man aus Sicherheitsgründen kein neues Navigationsziel während der Fahrt per Touch eingeben kann – problematisch wird es jedoch, wenn etwa Ladestationen in der Nähe gesucht werden. Hier hätte man sich eine klarere, intuitivere Lösung gewünscht.
Markt & Technik-Zwilling: günstiger als Toyota
Erst an dieser Stelle lohnt sich der Blick über das Auto hinaus. In Deutschland ist Suzuki heute eine Randerscheinung, global aber ein Schwergewicht – vor allem in Indien. Der e-Vitara entsteht dort gemeinsam mit dem technisch nahezu identischen Toyota Urban Cruiser. Unterschiede gibt es vor allem im Design und beim Preis. Der Suzuki ist rund 2.500 Euro günstiger – und genau darin liegt sein größtes Argument.
Fazit für Flotten: planbar und bodenständig
Der Suzuki e-Vitara ist kein Elektroauto für alle. Er ist kein Ladechampion, kein Raumwunder und kein Technologieträger. Aber er ist ein ruhiger, komfortabler und fair bepreister Einstieg in die Elektromobilität, der vor allem dort funktioniert, wo Einsätze planbar sind. Wer das sucht, findet im e-Vitara einen guten Begleiter.
Werkstätten & Service: Nähe als Vorteil
Hinzu kommt ein Aspekt, der im Flottenalltag nicht zu unterschätzen ist: das vergleichsweise dichte Werkstätten- und Servicenetz von Suzuki. Gerade für kleinere und mittlere Fuhrparks kann die Nähe zum Händler ein entscheidender Faktor sein – etwa bei Wartung, Reparatur oder kurzen Standzeiten. In diesem Sinne passt der neue Markenclaim „By your Side“.







