Autoproduktion in der Türkei: Togg startet in Deutschland
In der Türkei werden schon seit vielen Jahren Autos produziert; ausländische Hersteller wie Renault, Hyundai, Fiat oder Toyota haben dort Werke errichtet. Seit 2024 ist mit Togg nun auch eine erste "echte" türkische Marke am Start und seit diesem Jahr gibt es die ersten Modelle in Deutschland zu kaufen: die Fließhecklimousine T10F und das SUV T10X, beide mit rein elektrischen Antrieben.
Togg als nationales Industrieprojekt
Togg ist allerdings mehr als ein Automobilhersteller, es ist in gewisser Weise auch ein nationales Projekt, das von Staatschef Erdogan nicht nur gefordert, sondern auch gefördert wurde. So haben einige türkische Großunternehmen ihren Beitrag zum Fahrzeug leisten dürfen – vom Maschinenbau über die Telekommunikation bis zum Handel. Dies spiegelt sich auch im Namen wider: "Türkiye'nin Otomobili Girişim Grubu", also Togg, kann man in etwa mit "Türkische Automobile Joint Venture Group" übersetzen.

Der Innenraum ist hochgradig vernetzt.
Internationale Erfahrung bei Management und Design
Das Projekt wurde teils von auslandserfahrenen Managern umgesetzt, federführend etwa vom ehemaligen Bosch-Manager Gürcan Karakas, fürs Design zeichnet der ehemalige VW-Designchef Murat Günak verantwortlich, der das Auto gemeinsam mit Pininfarina in Form gegossen hat.
Außendesign: bewusst gefällig statt provokant
Entsprechend sieht das getestete SUV T10X modern und gefällig aus, setzt im Außendesign aber keine Maßstäbe. Es ordnet sich in die Vielzahl der Angebote dieses Segments ein – für einen Newcomer eher als Kompliment zu verstehen. Der mächtige, für ein Elektroauto nutzlose Kühlergrill zielt sichtbar auf eine statusbewusste Kundschaft.

Das Design ist modern, aber unaufdringlich.
Innenraum: viel Platz, wenig Kofferraum
Innen erwarten Fahrer und Passagiere die bei einem Elektroauto erwartbar großzügigen Platzverhältnisse, die allerdings ein wenig zu Lasten des Kofferraums gehen, der mit 440 Litern doch recht überschaubau ausgefallen, immerhin durch Umlegen der Rücksitze auf 1.515 Liter erweiterbar ist. Auffällig ist im Innenraum das üppig ausgestattete Armaturenbrett mit einem 29 Zoll messenden Infotainment-Mittendisplay und einem 12,3 Zoll großen Kombiinstrument im Blickfeld des Fahrers.
Trumore und der Anspruch als „Smart Device“
An dieser Stelle kommt Trumore ins Spiel, die digitale Plattform zum Auto. Neben Apps lassen sich per KI individuelle Sounds erzeugen. Der Anspruch: nicht nur Auto, sondern „Smart Device“. Die Umsetzung ist konsequent, die Bedienung allerdings komplex und erklärungsbedürftig. Updates sollen per OTA folgen.

Als Fahrzeug ist der T10X klar der kommoden Seite zuzurechnen, mit gelungener, für sportlichere Autofahrer vielleicht ein wenig zu weich geratener Abstimmung.
Fahreindruck: komfortabel statt sportlich
Als Fahrzeug ist der T10X klar komfortorientiert abgestimmt. Schnelle Kurven liegen ihm weniger, das SUV neigt zum Untersteuern. Überzeugend ist dagegen der Innenraumkomfort, zudem geht es ausgesprochen leise zu.
Antrieb und Fahrleistungen im Überblick
Wir fuhren die Version mit größerer, 88,5 kW/h großen Batterie - eine Variante mit 52,4 kW/h folgt im Frühjahr - und mit Hinterradantrieb. Mit 350 Newtonmetern Drehmoment ist der T10X, wenig überraschend, kraftvoll, aber nicht überbordend unterwegs. Die reinen Fahrwerte überzeugen: 7,8 Sekunden vergehen bis 100 km/h erreicht sind und 185 km/h Spitze bietet nicht jedes SUV in dieser Klasse.
Verbrauch und Reichweite: große Abweichung
Der Verbrauch war trotz überwiegend moderater Fortbewegung zu hoch: Statt der versprochenen rund 19 kamen wir auf über 25 kWh. Entsprechend weit entfernt lagen wir von der mit 523 Kilometern angegebenen Normreichweite, mehr als 350 Kilometer waren real nicht möglich. Auch andere Elektroautos halten ihre Versprechen in Sachen Verbrauch selten ein, hier allerdings fiel der Unterschied besonders hoch aus. Geladen mit übrigens mit bis zu 22 kW an einer normalen Wallbox und bis zu 180 kW an Schnellladern, letzteres ist guter Durchschnitt diesseits der 800 Volt-Welt.
Garantien: Zurückhaltung beim Newcomer
Überraschend geizig zeigt sich Togg bei den Garantien. Neben acht Jahren auf den Akku gibt es lediglich drei Jahre oder 100.000 Kilometer Fahrzeuggarantie. Wettbewerber bieten teils deutlich mehr.
Preis, Varianten und Marktchancen
Unter dem Strich ist das erste SUV eines türkischen Herstellers aber durchaus gelungen, zumal wenn man den bei guter Ausstattung attraktiven Grundpreis von 34.622 Euro (alle Preise netto) einbezieht. Die 2026 kommende Version mit kleinem Akku, soll ab knapp 28.824 Euro angeboten werden, das Spitzenmodell mit großem Akku und Allradantrieb (320 kW/435 PS) ist ab 41.345 Euro zu haben.
Bestellungen können nur über Plattform Trumore
Bestellungen können nur über die eigene Plattform Trumore vorgenommen werden, dabei wird eine Anzahlung von 840 Euro fällig. Man darf gespannt sein, ob Togg auch außerhalb der Türkei reüssieren wird, wobei vor allem Deutschland mit seinen vielen türkischen oder türkischstämmigen Mitbürgern eine besondere Bedeutung zukommen könnte.
T10X – Technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Mittelklasse; Länge: 4,60 Meter, Breite: 1,89 Meter (mit Außenspiegeln: 2,10 Meter), Höhe: 1,68 Meter, Radstand: 2,89 Meter, Kofferraumvolumen: 441 – 1.515 Liter
Elektroantrieb auf die Hinterräder, 160 kW/218 PS, Drehmoment: 350 Nm, 0-100 km/h: 7,8 s, Vmax: 185 km/h, Normverbrauch: 19,1 kW/h je 100 km, Normreichweite: 523 km, Akkugröße: 88,5 kWh, Ladegeschwindigkeit: 22 kW/180 kW, 20-80 Prozent: 28 Minuten, Testverbrauch: 25,2 kWh
Preis: ab 34.622 Euro
Kurzcharakteristik
Warum: günstiger Preis; viel Platz für Passagiere; leise und komfortabel; hohes Ausstattungsniveau
Warum nicht: wenig Platz für Gepäck; hoher Realverbrauch und damit eingeschränkte Reichweite; Ladetempo und Garantien nur Durchschnitt
Was sonst: viele andere Modelle dieser Klasse – der Wettbewerb ist hart








