Reichweite über 1.000 Kilometer kehrt zurück
Schon eine Stunde gefahren und der Bordcomputer zeigt noch immer über 1 000 Kilometer Reichweite. Solche Zahlen sind selten geworden auf dem Display, seitdem der Diesel auf dem Rückzug ist. Doch so langsam kehren die hohen Reichweiten zurück und einmal mehr sind die Chinesen die Schrittmacher. Und zwar ganz ohne XXL-Akkus oder Wunderzellen und auch nicht mit der späten Liebe zum Selbstzünder.
Plug-in-Hybrid mit neuem Langstrecken-Ansatz
Um auch noch die zögerlichsten Zweifler vom E-Auto zu überzeugen und die letzten Lücken im Versorgungsnetz zu schließen, haben sie die europäische Idee vom Plug-in-Hybriden übernommen und mit ihren eigenen Vorzeichen perfektioniert: Der Akku wird größer, der E-Motor übernimmt die Führung und der Benziner sorgt hinten raus für einen langen Atem. Während Audi, BMW, Mercedes oder VW bei ihren Teilzeitstromern mit Mühe und Not auf 100 Kilometer E-Reichweite kommen, bieten sie deshalb schnell mal doppelt so viel.

In der stärkeren Version des XC70 gelingt der Sprint von 0 auf 100 in 5,3 statt 8,0 Sekunden. Schluss ist – wie immer bei Volvo – da wie dort bei 180 km/h.
Volvo zwischen Europa und China
Das spielt womöglich als erstem Quasi-Europäer Volvo in die Karten. Schließlich stehen die Schweden wie kein anderer Hersteller am oberen Ende der Mittelklasse an der Nahtstelle zwischen Europa und China und haben als Tochter des Giganten Geely Zugriff auf alles, was im Reich der Mitte gerade hip ist. Während sie bei uns deshalb gerade die Vorfreude auf den voll elektrischen EX60 anheizen und angesichts von mehr als 800 Kilometern Reichweite und knapp 400 kW Ladeleistung schon vom kommenden Bestseller für die Generation E schwärmen, haben sie in China im letzten Sommer ihren ersten Langstrecken-Hybriden eingeführt und den schon mal vorsichtig für Europa angekündigt.
Brücke in die Elektromobilität statt Rolle rückwärts
Statt wie die deutschen Konkurrenten eine komplette Rolle rückwärts zu machen und nochmal neue Verbrenner-Modelle zu entwickeln, wollen sie damit eine alltagstaugliche und trotzdem zukunftsfähige Brücke in die E-Mobilität bauen.
Positionierung zwischen EX60 und EX90
Ihren Einstand gibt die Technik zu Preisen ab umgerechnet gut 42.000 Euro (alle Preise netto) in einem XC70. Das klingt vertraut, hat aber nichts zu tun mit jenem Allrad-Kombi, der bei uns ab der Jahrtausendwende gegen Audi Allroad und Subaru Outback angetreten ist. Das Kürzel steht für ein betont cleanes und schnörkelloses SUV, das mit einer Länge von 4,82 Metern und 2,90 Metern Radstand die Lücke zwischen EX60 und EX90 schließt.
Innenraum: digital, funktional, geräumig
Innen folgt der XC70 dem üblichen Volvo-Stil mit einem nordisch nüchternen Ambiente und einem stark digitalisierten Cockpit, das dominiert wird von einem mittlerweile quer montierten Mittel-Bildschirm. Dazu gibt’s viele praktische Ablagen, reichlich Platz auf allen Plätzen und so viel Kofferraum, dass einem der Frunk nicht wirklich fehlt.

Innen folgt der XC70 dem üblichen Volvo-Stil mit einem nordisch nüchternen Ambiente und einen stark digitalisierten Cockpit.
Neue Plattform und XXL-Hybridtechnik
Unter dem Blech dagegen nutzt der XC70 die neue SMA-Plattform und mit ihr den ersten XXL-Hybrid der Firmengeschichte. Statt 18,8 kWh wie im europäischen XC60 hat die Batterie nur im Einstiegsmodell des XC70 21,2 kWh und reicht schon damit für bis zu 100 statt 63 europäische Normkilometer. Im Top-Modell verdoppelt die Schweden die Kapazität und mit ihr die Reichweite: 39,6 kWh und 180 Kilometer im EU-Zyklus stehen dann im Datenblatt.
Bis zu 462 PS Systemleistung
Außerdem gibt’s dann zur 145 PS starken E-Maschine im Bug auch noch einen Stromer mit 212 PS an der Hinterachse. Zusammen mit dem immer gleichen 1,5-Liter-Turbo mit 156 PS macht die Systemleistung dann einen Satz von 318 auf 462 PS und der XC70 wird vom gemütlichen Pampersbomber zu Papas verkapptem Sportwagen. Schließlich gelingt der Sprint von 0 auf 100 dann in 5,3 statt 8,0 Sekunden, Schluss ist – wie immer bei Volvo – da wie dort bei 180 km/h.
Fahrcharakter klar auf Komfort ausgelegt
Das mag auf der deutschen Autobahn ein Schaden sein, ist in China aber gleich doppelt egal. Erstens, weil man dort ohnehin nicht schneller als 120 Sachen fahren darf, und zweitens, weil das lokale Setup für Fahrwerk und Lenkung nicht unbedingt zum engagierten Fahren einlädt. Genau übrigens wie der erschreckend präsente Sound des Vierzylinders. Aber das ist nichts, was auf dem Weg in den Westen nicht mit ein bisschen Feintuning gelöst werden könnte.

Mit einer Länge von 4,82 Metern und 2,90 Metern Radstand schließt der XC70 die Lücke zwischen EX60 und EX90.
1200 Kilometer Gesamtreichweite
Die wahre Stärke des XC70 ist aber ohnehin nicht seine Leistung, sondern sein langer Atem. Denn zum Akku gibt’s noch einen 60-Liter-Tank und damit unter dem Strich Reichweiten von bis zu 1.200 Kilometern. Und wem danach die Geduld fehlt, die Akkus in bestenfalls 23 Minuten zumindest wieder auf 80 Prozent zu bringen, der biegt statt an der Ladestation eben an der Tanksäule ab und fährt in drei Minuten munter weiter.
Cross Country neu interpretiert
Zwar hat er mit dem alten XC70 auf den ersten Blick nicht viel mehr als den Namen gemein. Doch wenn man‘s genau bedenkt, sind sich die beiden auch vom Wesen her erschreckend ähnlich. Denn XC steht bei den Schweden für Cross Country Und das beherrschen das alte wie das neue Modelle. Der eine, weil er fürs Gelände taugt, und der andere, weil er wirklich einmal kreuz und quer durchs Land kommt, ohne zwischendurch an die Ladesäule zu müssen. Vielleicht nicht in China oder Schweden. Aber in den meisten anderen europäischen Ländern dürfte das klappen.
Volvo XC70 – Technische Daten
Viertüriges, fünfsitziges SUV; Länge: 4,82 Meter, Breite: 1,89 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k.A.), Höhe: 1,65 Meter, Radstand: 2,90 Meter, Kofferraumvolumen: 420–1.456 Liter
Plug-In-Hybrid FWD 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo; 115 kW/156 PS, maximales Drehmoment: 255 Nm bei 2.500–4.000 U/min, E-Motor an der Vorderachse: 107 kW/145 PS, Systemleistung: 234 kW/318 PS, Frontantrieb, Dreigang-Automatik, 0-100 km/h: 8,0 s, Vmax: 180 km/h, Batteriekapazität: 21,2 kWh, elektrische Reichweite (WLTP): 100 km, Gesamtreichweite: 1203 km, Normverbrauch: ka Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: k. A. g/km, Abgasnorm: k. A. Effizienzklasse: k. A., Preis: ab ca. 42.860 Euro netto.
Plug-In-Hybrid FWD 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo; 115 kW/156 PS, maximales Drehmoment: 255 Nm bei 2.500–4.000 U/min, E-Motor an der Vorderachse: 107 kW/145 PS, E-Motor an der Hinterachse: 156 kW/212 PS, Systemleistung: 340 kW/462 PS, Allradantrieb, Dreigang-Automatik, 0–100 km/h: 5,3 s, Vmax: 180 km/h, Batteriekapazität: 39,6 kWh, elektrische Reichweite (WLTP): 180 km, Gesamtreichweite: 1201 km, Normverbrauch: k. A. Liter/100 Kilometer, CO2-Ausstoß: k. A. g/km, Abgasnorm: k. A. Effizienzklasse: k. A. Preis: ab ca. 51.260 Euro netto.
Volvo XC70 - Kurzcharakteristik
Warum? Weil Laden plötzlich kein Thema mehr ist
Warum nicht? Weil niemand mehr mit einem E-Auto zum Tanken fahren will
Wann kommt er? In China gibt’s ihn schon








