Xiaomi YU7: Elektro-SUV sorgt für Aufsehen

Alles zum Elektro-SUV Xiaomi YU7
Angriff auf Tesla, Porsche und Audi

Xiaomi landet mit seinem zweiten Elektroauto einen Überraschungserfolg. Der neue SUV stößt auf enorme Nachfrage und rückt etablierte Bestseller ins Visier – mit Folgen für die Wettbewerber und Lieferzeiten. Alle Fakten mit großer Bildergalerie.

Grüner Xiaomi YU7 in Frontansicht während der Fahrt auf einer kurvigen Straße.
Foto: Xiaomi

Nachfrage überrollt Xiaomis Kapazitäten

Erfolg kann manchmal auch erdrückend sein. Nachdem Xiaomi bereits vor einem Jahr unter der enormen Nachfrage nach seinem Elektro-Debüt SU7 gestöhnt hatte, wurde der chinesische Smartphonegigant nach der Premiere seines zweiten Modells YU7 im Sommer regelrecht überrannt. 240.000 Bestellungen in nur drei Minuten brachten den Shootingstar unter Chinas Newcomern an die Grenzen seiner Kapazitäten. Lieferzeiten von zeitweise über zwölf Monaten stellten die Geduld vieler Kunden auf eine harte Probe.

Vom Prestigeprojekt zum Volumenmodell

Dabei war diese Entwicklung absehbar. Während der SU7 als Gran Turismo im Stil eines Porsche Taycan vor allem ein Prestigeprojekt war, mit dem Xiaomi Aufmerksamkeit erzeugte und sich preislich in der Oberliga bewegte, richtet sich der SUV-Ableger klar an ein Massenpublikum. Der YU7 nimmt kein geringeres Ziel ins Visier als das Tesla Model Y – und damit das weltweit meistverkaufte Elektroauto.

Xiaomi YU7 in Seitenansicht auf einer Wiese, mit Fahrrad auf dem Dachträger und Camping-Setup im Hintergrund.
Xiaomi

Selbst seine von außen gedrungen wirkende Dachlinie ermöglicht innen ein luftiges Raumgefühl.

Design zwischen europäischer Elite und Mainstream

Während sich viele Käufer am US-Modell nach mehreren Jahren kaum noch sattsehen können, wirkt der rund fünf Meter lange Chinese frisch und modern. Das Design zitiert bekannte europäische Vorbilder: vorn Anleihen beim Porsche Cayenne, seitlich Erinnerungen an den Ferrari Purosangue, am Heck Anklänge an den Aston Martin DBX. Eigenständig ist das nicht, aber stilistisch wirkungsvoll – und überraschend filigran für ein SUV dieser Größe.

Innenraum folgt konsequent dem Tesla-Prinzip

Im Innenraum orientiert sich Xiaomi klar an Tesla. Das Cockpit ist nahezu komplett aufgeräumt, klassische Bedienelemente sind verschwunden. Die Steuerung erfolgt fast ausschließlich über einen großen zentralen Touchscreen, selbst Spiegel und Lenkrad lassen sich nur digital einstellen. Fahrerinformationen tauchen nicht mehr klassisch hinter dem Lenkrad auf, sondern als schmale Display-Leiste am unteren Rand der Frontscheibe.

Innenraum des Xiaomi YU7 mit Lenkrad, großem Zentraldisplay und durchgehendem Dashboard-Display.
Xiaomi

Das p.it wird von einem großen Bildschirm dominiert.

Mehr Platz und Komfort als im SU7

Im Vergleich zum flachen SU7 ist der YU7 nicht nur moderner, sondern vor allem deutlich geräumiger. Trotz der von außen gedrungen wirkenden Dachlinie bietet der Innenraum ein luftiges Raumgefühl, unterstützt durch das vollständig verglaste Dach. Bei drei Metern Radstand gibt es auch im Fond reichlich Beinfreiheit. Der Kofferraum fasst 678 Liter, hinzu kommen 141 Liter im Frunk unter der Fronthaube.

Komfortorientierter Charakter mit Sport-Option

Auch fahrdynamisch unterscheiden sich die beiden Modelle. Während der SU7 sportlich auftritt, versteht sich der YU7 eher als Gleiter. Die Zweikammer-Luftfederung ist komfortabler abgestimmt, die Lenkung weniger scharf. Für empfindliche Mitfahrer gibt es sogar ein spezielles Fahrprofil gegen Reisekrankheit, das sanfter beschleunigt, verzögert und Wankbewegungen reduziert.

Leistungsstarke Antriebe für unterschiedliche Ansprüche

Sportlich wird es dennoch auf Knopfdruck. Aktiviert der Fahrer den Performance-Modus, spannt der YU7 für kurze Zeit alle Muskeln an. Bereits das Basismodell leistet 320 PS an der Hinterachse, beschleunigt in 5,9 Sekunden auf 100 km/h und erreicht 240 km/h Spitze. Die Pro-Version mit Allradantrieb bringt es auf 496 PS und verkürzt den Sprint auf 4,3 Sekunden.

Heckansicht des Xiaomi YU7 mit durchgehendem Rückleuchtenband während der Fahrt.
Xiaomi

Wo der SU7 gerne den Fighter gibt, ist der YU7 dem Wesen nach eher der Gleiter.

Hohe Reichweiten und extrem kurze Ladezeiten

Sein Akku hat eine Kapazität von 96,3 kWh und reicht für rekordverdächtige 835 Kilometer – wenn auch nur in der etwas laxeren China-Norm. Der YU7 pro hat zwei Motoren und dann 496 PS, so dass der Sprint nur noch 4,3 Sekunden dauert. Dafür schmilzt aber die Reichweite auf 770 Kilometer und im Flaggschiff YU7 Max kommen die beiden Magnetläufer auf solide 690 PS. Dann wird die Tempo-Anzeige schon nach 3,2 Sekunden dreistellig und die Elektronik zieht erst bei 253 km/h den Stecker.

NCM-Akku ermöglicht neue Ladegeschwindigkeit

Zu den stärkeren Motoren gibt’s auch einen anderen Akku mit NCM statt LFP-Zellen. Der ist zwar mit 101,7 kWh kaum größer und ermöglicht deshalb auch nur 760 Norm-Kilometer, verkürzt aber die Ladezeiten nochmal dramatisch. Schließlich klettert die Ladeleistung damit auf deutlich über 500 kW. Statt ohnehin schon knapper 21 Minuten dauert es von 10 auf 80 Prozent bei ihm deshalb nur 12 Minuten und in 15 Minuten fließt der Strom für 620 Kilometer. Dagegen sieht selbst der neue BMW iX3, immerhin der deutsche Lademeister, schon wieder alt aus.

Preis als größter Wettbewerbsvorteil

Diese Eckdaten sind an sich schon eindrucksvoll und lassen die westliche Konkurrenz seltsam blass wirken, egal ob aus den USA oder aus Deutschland. Und dann fällt der Blick auf den Preis und die Kinnlade gar vollends auf den Tisch. Denn mit umgerechnet 30.800 Euro in China ist das Einstiegsmodell des YU7 rund 20 Prozent billiger als ein Tesla Model Y und ein elektrischer Porsche Macan ist mehr als doppelt so teuer. Das ist für die westlichen Hersteller in China ein Riesenproblem, und könnte mittelfristig auch daheim die Geschäfte empfindlich stören.

Europa-Start frühestens ab 2027 geplant

Kein Wunder, dass nicht nur Tesla neugierig auf Xiaomi schaut, sondern auch die Ingenieure in Stuttgart, München, Ingolstadt oder Wolfsburg wissen wollen, was da auf sie zukommt. Ein bisschen Schonfrist bleibt ihnen dabei noch: Vor 2027, so hat es Firmenchef Lei Jun angekündigt, will Xiaomi den Weg in den Westen nicht antreten. Schließlich haben die Chinesen aktuell daheim noch genug zu tun. Aber die ersten 500.000 Autos sind mittlerweile gebaut und die Lieferfristen gehen so langsam wieder zurück. Lange wird der elektrische Ernstfall deshalb womöglich nicht mehr auf sich warten lassen.

Xiaomi YU7 – Technische Daten

Viertüriges, fünfsitziges SUV; Länge: 5,00 Meter, Breite: 1,97 Meter (Breite mit Außenspiegeln: k.A.), Höhe: 1,61 Meter, Radstand: 3,00 Meter, Kofferraumvolumen: 678 Liter, Frunk 141 Liter

YU7:

Elektroantrieb, Leistung 235 kW/320 PS, 528 Nm, Heckantrieb, Automatikgetriebe, Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit 96,3 kWh, max. DC-Ladeleistung 330 kW, Ladezeit 10 – 80 % in 21 min, max. Reichweite 835 Kilometer (CLTC), 0-100 km/h: 5,9 s, Vmax: 240 km/h. Preis: 30.800 Euro in China

YU7 Pro:

Elektroantrieb, Leistung 365 kW/496 PS, 690 Nm, Allradantrieb, Automatikgetriebe, Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie mit 96,3 kWh, max. DC-Ladeleistung 330 kW, Ladezeit 10 – 80 % in 21 min, max. Reichweite 770 Kilometer (CLTC), 0-100 km/h: 4,3 s, Vmax: 240 km/h. Preis: 34.100 Euro in China

YU7 Max:

Elektroantrieb, Leistung 508 kW/690 PS, 866 Nm, Allradantrieb, Automatikgetriebe, Ternary Lithium -Batterie mit 101,7 kWh, max. DC-Ladeleistung 528 kW, Ladezeit 10 – 80 % in 12 min, max. Reichweite 760 Kilometer (CLTC), 0-100 km/h: 3,2 s, Vmax: 253 km/h. Preis: 40.200 Euro in China

Xiaomi YU7 - Kurzcharakteristik

Warum: weil er so viel mehr kann und so viel weniger kostet als Macan, Q6 & Co

Warum nicht: weil es ihn nur in China gibt

Was sonst: Die üblichen Verdächtigen

Wann kommt er: zu uns frühestens 2027