Xpeng G6 im Test: So gut ist das Elektro-SUV

Im Test: Xpeng G6 RWD Long Range
10 bis 80 Prozent laden in nur 12 Minuten

Der Xpeng G6 will mit viel Platz, kompletter Ausstattung und 800-Volt-Technik überzeugen. Im Test zeigt sich, wo das Elektro-SUV besonders stark ist – und wo noch Luft nach oben bleibt. Alle Infos mit großer Bildergalerie.

XPENG G6 RWD Long Range in Front-Dreiviertelansicht bei der Fahrt auf einer Straße.
Foto: Xpeng

Die chinesischen Autohersteller stehen derzeit nicht nur in Deutschland gleich doppelt im Fokus. Zum einen volkswirtschaftlich, weil die Angst umgeht, die Marken aus Fernost könnten auch aufgrund eventuell unfairer staatlicher Handelspraktiken den europäischen und allen voran den deutschen Herstellern in Sachen Elektromobilität den Rang ablaufen. Zum anderen, weil gerade die in den letzten zwei bis drei Jahren auf den Markt erschienenen Fahrzeuge aus Fernost nicht nur mit vergleichsweise günstigen Preisen, sondern durchaus auch mit einigen Qualitäten aufwarten.

700 Millionen Dollar: VWs Einstieg bei Xpeng

Unter diesen Herstellern nimmt Xpeng nochmal eine Sonderrolle ein. Die Marke gehört nicht zu einem staatlichen Unternehmen, sondern ist eine Aktiengesellschaft, über die Gründer He Xiaopeng trotz eines Anteils von wahrscheinlich nur noch 20 Prozent immer noch die Kontrolle hat. Gegründet wurde das Unternehmen 2014, vorher leitete Xiapeng ein Software-Unternehmen. Die spezielle Expertise auf diesem Gebiet war auch der Hauptgrund für Volkswagen, sich 2023 für 700 Millionen Dollar mit 4,99 Prozent am Unternehmen zu beteiligen und sich damit Zugang zu digitalem Spitzen-Know-how zu verschaffen. Wahrscheinlich eine der klügeren Entscheidungen in der jüngeren, von Fehlschlägen geprägten Unternehmenspolitik.

XPENG G6 RWD Long Range in heller Lackierung bei der Fahrt durch ein urbanes Umfeld.
Xpeng

Die Ausstattung ist relativ komplett.

Der G6 setzt auf Komplettausstattung

Xpeng setzt grundsätzlich auf hohe Verarbeitungsqualität und komplette Ausstattungen. Eine Optionsliste im engeren Sinn gibt es nicht. Das von uns getestete elektrische Mittelklasse-Modell G6 ist bislang mit seinen 4,75 Metern Länge noch das „kleinste“ Modell der Marke. Ab Herbst übernimmt dann der mit 4,65 Metern etwas kürzere und deutlich preiswertere L03 die Rolle des günstigsten Modells der Xpeng-Palette.

Schmale Frontscheinwerfer, steile Dachlinie

Optisch kann man dem G6 wenig vorwerfen. Mit seinen schmalen Frontscheinwerfern und der stark nach hinten abfallenden Dachlinie wirkt das Design durchaus dynamisch. Allerdings ist das Angebot in der Mittelklasse breit gefächert und es ist daher für keine Marke einfach, sich in dieser Hinsicht deutlich vom Wettbewerb abzuheben.

Im Cockpit wird fast alles zur Displaysache

Dies gilt ebenso für den hochwertigen, aber ein wenig steril wirkenden Innenraum mit wenigen Schaltern und Tasten, der stark an Tesla oder andere chinesische Autos erinnert. Viele Einstellungen und Funktionen sind auch hier nur über das gut ablesbare Mittendisplay abrufbar. Das klappt in der Regel gut, wird vom europäischen Fahrer wahrscheinlich aber trotzdem als zu umständlich bewertet.

Innenraum des XPENG G6 RWD Long Range mit Lenkrad, digitalem Fahrerdisplay, zentralem Touchscreen und Mittelkonsole.
Xpeng

Das Cockpit wirkt aufgeräumt, aber etwas steril.

Beim Platzangebot spielt der G6 seine Größe aus

Ein Auto von, wie schon erwähnt, 4,75 Meter Länge – das entspricht zum Beispiel der noch aktuellen C-Klasse von Mercedes – bietet in der Regel schon viel Platz für zumindest vier Passagiere. Bei einem Elektroauto dieser Größe ist das Raumangebot aufgrund des geringeren Platzbedarfs für den Antrieb aber geradezu verschwenderisch. So auch beim G6, der vor allem im Fond trotz der Coupé-Linie in dieser Hinsicht keine Wünsche offenlässt.

Beim Laden zeigt der Xpeng G6 seine größte Stärke

Die zweite große Stärke des Xpeng liegt in seinen Ladefähigkeiten. Von einem Fahrzeug mit 800-Volt-Architektur darf man in Sachen „Tankleistung“ natürlich einiges erwarten, der G6 hat uns aber geradezu verblüfft. Seine maximalen Fähigkeiten, er lädt mit bis zu 451 kW, konnte er mangels geeigneter Säulen zwar nicht unter Beweis stellen, aber an einer 320-kW-Säule schafft er bei einer Nachladung von rund 25 auf 80 Prozent einen Durchschnittswert von über 300 kW! Nicht selten war der Akku schon wieder auf 80 Prozent, wenn wir an einer Raststätte nur mal eben einen Kaffee getrunken und eine Zeitung geholt hatten. Hier hält Xpeng in der Realität, was andere Marken nur vollmundig versprechen.

Das Fahrwerk kann nicht ganz mithalten

Neben einigen kleineren Bedienungsschwächen bleibt vor allem das Fahrwerk ein wenig hinter den Erwartungen zurück, weil es weder wirklich komfortabel ausgelegt ist noch durch besondere dynamische Fähigkeiten auffällt. Ein Manko, das allerdings in der Praxis wohl nur wenige Fahrer stören wird, denn E-Autos werden aufgrund der stark ansteigenden Verbräuche bei hohen Geschwindigkeiten meist sowieso nur im moderaten Bereich bewegt. Obwohl der G6 laut Datenblatt ja immerhin eine Maximalgeschwindigkeit von 202 km/h zulässt, was im Vergleich zu manchen Wettbewerbern ziemlich viel ist.

XPENG G6 RWD Long Range in Heck-Dreiviertelansicht bei der Fahrt auf einer Landstraße.
Xpeng

Im Alltag kommt man gut 400 Kilometer weit.

Nutzt man diese Möglichkeit nicht aus, lässt sich der Xpeng einigermaßen sparsam bewegen. Natürlich nicht mit dem angegebenen Normwert von 17,5 kWh auf 100 Kilometern, aber mit realen 20,8 kWh waren wir nicht unzufrieden. Im Alltag ergibt das eine Reichweite von etwa 400 Kilometern, was ebenfalls okay ist, zumal – siehe oben – das Nachladen des Akkus sehr fix geht.

Das Ausschalten der auch beim G6 nervig bimmelnden Assistenzsysteme geht übrigens zumindest für den Tempolimit- und Müdigkeitswarner recht einfach: Das Auto fragt gleich nach der ersten Warnung, ob es das jeweils aktive System abschalten soll. Ja, bitte.

Was der Xpeng G6 für 40.000 Euro netto bietet

Kommen wir zu den Kosten: Mit 40.000 Euro (alle Preise netto) ist das Mittelklasse-SUV kein Schnäppchen, aber aufgrund seiner rundum kompletten Ausstattung und der 800-Volt-Technologie sehr fair eingepreist. Nicht zu vergessen die umfangreichen Garantien von sieben Jahren auf das Fahrzeug sowie acht Jahren auf den Akku, beide allerdings auf maximal 160.000 Kilometer begrenzt.

Der G6 bietet seinen Fahrern damit ein insgesamt gelungenes Gesamtpaket und greift mehr noch als andere China-Marken aufgrund seiner Verarbeitung, der Ausstattung und der Ladeleistung nicht nur andere Importmarken, sondern auch deutsche Hersteller an. Die müssen sich offensichtlich nicht nur wegen der jetzt einsetzenden kühleren Temperaturen künftig wohl noch wärmer anziehen.

Xpeng G6 RWD Long Range – Technische Daten

Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Mittelklasse; Länge: 4,75 m, Breite: 1,92 m (mit Außenspiegeln: 2,18 m), Höhe: 1,65 m, Radstand: 2,89 m, Kofferraumvolumen: 571 - 1.374 l

E-Motor (Heck), 218 kW/296 PS (Dauerleistung: 110 kW/150 PS), Heckantrieb, 1-Gang-Getriebe, maximales Drehmoment: 440 Nm, 0-100 km/h: 6,7 s, Vmax: 202 km/h, Normverbrauch (WLTP): 17,5 kWh/100 km, Reichweite: 525 km, Akku: 80,8 kWh brutto (LFP), Ladeleistung (800-Volt): 280 kW (DC), 11 kW (AC), Ladedauer: DC (10-80 % ): 12 Minuten, AC ( 5-100 %): 9:20 Std., Testverbrauch: 20,8 kWh/100 km

Preis: 40.000 Euro

Kurzcharakteristik

Warum: sehr schnelles Laden, gute Praxisreichweite, hohe Verarbeitungsqualität, viel Platz, komplette Ausstattung, lange Garantie, angemessener Preis

Warum nicht: schlechte Übersicht nach hinten, Fahrwerk nicht komfortabel, unpräzise Lenkung, teils umständliche Bedienung

Was sonst: Audi Q6 e-tron, Skoda Enyaq Coupé, Opel Grandland Electric