ADAC-Test: Assistenzsysteme bei Regen und Nebel

ADAC testet ADAS bei Nebel und Regen
Funktionieren Sensoren bei schlechtem Wetter?

Regen, Nebel und blendendes Licht bringen viele Systeme an Grenzen. Der ADAC zeigt im direkten Vergleich, wie weit Anspruch und reale Leistung bei unterschiedlichen Modellen teils auseinanderliegen.

Fußgänger-Dummy vor einem Fahrzeug mit eingeschalteten Scheinwerfern in dichter Nebelumgebung während eines ADAC-Tests
Foto: ADAC/André Kirsch

Assistenzsysteme sollen kritische Situationen entschärfen, Hindernisse erkennen und im besten Fall den Unfall verhindern. Das klingt klar. Weniger klar ist, wie zuverlässig diese Systeme arbeiten, wenn die Sicht schlecht wird. Genau das hat der ADAC getestet. In der Wetterhalle in Roding mussten mehrere Fahrzeuge bei Regen, Nebel und Blendung durch tief stehende Sonne zeigen, ob ihre Sensorik unter erschwerten Bedingungen noch sauber arbeitet. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Kein System bleibt ohne Schwäche.

Der Test simuliert genau die Momente, die auf der Straße heikel werden

Untersucht wurde in der AVL-Wetterhalle in Roding. Für den Vergleich wurden unterschiedliche Wetterszenarien simuliert. Die Fahrzeuge fuhren mit 30 km/h und mussten ein stehendes oder bewegtes Hindernis rechtzeitig erkennen und selbstständig bremsen. Gerade dichter Nebel erwies sich dabei als kritischer Punkt. Viele Systeme kamen hier an ihre Grenzen. Der Test zeigt damit nicht nur, ob Sensoren grundsätzlich funktionieren, sondern wie stabil die Abstimmung aus Kamera, Radar oder Lidar in schwierigen Situationen wirklich ist.

Mehrere Fahrzeuge stehen in einer Testhalle bei nasser Fahrbahn für ADAC-Versuche zu Assistenzsystemen unter realistischen Bedingungen
ADAC/André Kirsch

Der Test in der Wetterhalle schafft vergleichbare Bedingungen – und macht die Unterschiede zwischen den Systemen sichtbar.

Die Unterschiede zwischen den Herstellern sind erheblich

Wie groß die Unterschiede zwischen den Herstellern ausfallen, zeigt die ADAC-Infografik deutlich: Der Mercedes CLA kommt im ADAC-Test auf 92 Prozent Erfüllungsgrad und schneidet damit am besten ab. Dahinter folgt der Nio EL6 mit 88 Prozent. Das Tesla Model Y erreicht 78 Prozent, der Subaru Impreza 77 Prozent. Der VW T-Roc landet bei 65 Prozent. Deutlich abgeschlagen liegt der BYD Seal mit nur 38 Prozent und einer mangelhaften Bewertung. Der Abstand zwischen Spitze und Schlusslicht ist damit so groß, dass von einem einheitlich hohen Niveau keine Rede sein kann.

Der Mercedes CLA liefert im Gesamtvergleich die beste Leistung. Selbst bei dichtem Nebel erkennt das System Hindernisse und bremst ohne Kollision ab. Das ist im Testfeld die stärkste Vorstellung. Ganz sauber läuft aber auch dieses System nicht. In einem Szenario erkannte das Fahrzeug zwar einen querenden Fußgänger und leitete eine Bremsung ein, brach diese dann aber ohne erkennbaren Grund wieder ab. Das kostet Punkte und zeigt: Auch das beste System ist nicht frei von Aussetzern.

ADAC-Infografik mit Ergebnissen zu Notbremsassistenten bei Regen, Nebel und extremen Wetterbedingungen im Jahr 2026
ADAC

Die ADAC-Grafik zeigt den Abstand im Feld besonders deutlich: Der Mercedes CLA erreicht 92 Prozent, der BYD Seal kommt nur auf 38 Prozent.

Mehr Sensoren beim Nio helfen nicht automatisch

Besonders interessant ist der Blick auf den Nio EL6. Er fährt mit Radar, Kamera und Lidar vor, also mit einem Sensorpaket, das technisch zunächst nach Vorteil aussieht. In der Praxis reicht das aber nicht für eine Spitzenposition. Mit 88 Prozent liegt der Nio zwar noch ordentlich im Feld, zeigte bei dichtem Nebel mit Sichtweiten unter 20 Metern aber keine oder nur unzureichende Reaktionen. Der Test widerlegt damit die einfache Gleichung, dass mehr Sensorik automatisch zu besseren Ergebnissen führt.

Überraschend ordentlich schlägt sich das Tesla Model Y, das ausschließlich auf Kameras setzt. Regen oder leichter Nebel stellen das Fahrzeug im Test nicht vor grundlegende Probleme. In schwierigeren Szenarien erkennt das System Hindernisse oder warnt den Fahrer, führt aber nicht durchgängig eine Notbremsung aus. Damit bleibt das Auto zwar im Mittelfeld, zeigt aber zugleich, wie schmal der Grat zwischen Erkennen und wirksamem Eingriff ist.

Fußgänger-Dummy überquert bei starkem Regen die Fahrbahn vor einem Fahrzeug in einer ADAC-Testhalle
ADAC/André Kirsch

Gerade bei Starkregen wird sichtbar, ob ein System nur erkennt oder im Ernstfall auch wirklich bremst.

BYD fällt deutlich ab und informiert den Fahrer zu wenig

Besonders kritisch fällt das Ergebnis beim BYD Seal aus. Bei Starkregen und dichtem Nebel zeigte das Fahrzeug laut ADAC teils kaum noch Reaktionen. Noch gravierender ist, dass das System den Fahrer nicht klar darauf hinweist, wenn seine Funktion eingeschränkt ist oder ausfällt. Genau diese Transparenz ist aber entscheidend. Ein Assistenzsystem, das nicht eingreift, muss wenigstens eindeutig signalisieren, dass es gerade nicht hilft.

Der Test trifft auf eine nüchterne Kundenerwartung

Zu diesem Befund passt die Berylls-Studie zum Interesse an automatisierten Fahrfunktionen. Demnach ist die große Mehrheit der Kunden mit einfachen Assistenzsystemen bereits zufrieden. 42 Prozent nennen Level 1 als ausreichend, also etwa Funktionen wie den Abstandsregeltempomaten. Ein nennenswertes Interesse an Level 4 oder Level 5 zeigt sich vor allem in China, während die Zahlungsbereitschaft in Deutschland und den USA gering bleibt. Wer sich für solche Systeme interessiert, würde laut Umfrage meist bis zu 3.000 Euro zusätzlich zahlen. Das ist für Hersteller eine schwierige Rechnung, wenn die Kosten für ein Level-5-System bei 30.000 bis 40.000 Euro liegen.

Fahrzeug fährt bei starkem Regen und Dunkelheit in einer Testumgebung mit nasser Fahrbahn und eingeschränkter Sicht
ADAC/André Kirsch

Starkregen und Dunkelheit zählen zu den schwierigsten Szenarien im ADAC-Test. Hier zeigt sich, wie stabil Sensorik und Bremsassistenten arbeiten.

Verlässlichkeit statt Datenblatt

Entscheidend ist nicht die Zahl der verbauten Komponenten, sondern wie zuverlässig Kamera, Radar oder Lidar zusammenarbeiten. Der ADAC-Test liefert dazu einen ungewöhnlich belastbaren Vergleich und macht deutlich, wie groß die Unterschiede zwischen einzelnen Herstellern tatsächlich sind. Klar ist aber auch: Assistenzsysteme können den Fahrer unterstützen, ihn aber nicht ersetzen. Gerade bei schlechter Sicht sind die Grenzen der Technik schnell erreicht.