Künstlicher Sound für E-Autos

Der Klang der Stille

Nissan Leaf 2016 Foto: Nissan

Elektroautos sind gefährlich leise, deshalb müssen sie zukünftig laut werden. Ab Sommer 2019 sind akustische Warnsysteme Pflicht.

US-amerikanische Studien fanden heraus, dass Hybridfahrzeuge bei langsamer elektrischer Fahrt in doppelt so viele Unfälle mit Fußgängern verwickelt waren wie Autos mit Verbrennungsmotoren. Deshalb wurde den elektrischen Flüsterern künstlicher Lärm verordnet. Seit gut einem Jahr müssen alle neuen Elektro- und Hybridmodelle im rein elektrischen Betrieb unterhalb von 30 km/h gezielt Geräusche von sich geben. Der Einbau eines Warngeräuschegenerators, einem Acoustic Vehicle Alert System, wird ab Juli 2019 für alle neu entwickelten Elektro- und Hybridautos auch in der EU Pflicht. Ein Jahr später gilt das Gesetz für sämtliche neu zugelassenen Elektro-Modelle.

Für Fahrzeuge in der EU liegt die Geräuschgrenze allerdings bei 20 km/h. Darunter müssen die Autos Töne erzeugen. Bei schnellerer Fahrt reicht das Rollgeräusch aus, das die Reifen auf der Fahrbahn erzeugen. Der Sound ist klar definiert, er muss sich an einem Verbrennungsmotor orientieren. "Mit dieser vagen Formulierung wird man auch künftig ein Auto am Geräusch erkennen können, weil jeder Hersteller seinen eigenen Elektrosound entwickelt", sagt Prof. Hugo Fastl, der an der Technischen Universität München am künstlichen Sound für Elektroautos und Hybride forscht. Der Klang muss nicht nur ähnlich einem Verbrenner sein, sondern auch den Betriebszustand ausdrücken. "Wenn man losfährt und beschleunigt, wird der Ton höher, beim Bremsen tiefer", so Fastl. Solche Klänge kennt unser Ohr, daran hat es sich gewöhnt. Deshalb sollen strombetriebene Fahrzeuge ähnlich klingen wie Verbrenner und ungefähr so laut sein wie ein Auto, in dem die Passagiere bei geschlossenen Fenstern laut Musik hören.

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Wobei es auf den Klang , genauer: die Frequenzen, ankommt. Deren Zusammensetzung macht den Unterschied im Sound. "Den kann man sich wie ein Bild, bestehend aus mehreren Farben vorstellen", sagt Renzo Vitale, Sounddesigner bei BMW. Er kopiert nicht einfach den Klang von Verbrennern. "Der Sound ist etwas ganz neues und steht für den Paradigmenwechsel vom Verbrenner zum Elektromotor", so Vitale. Bei BMW wird es künftig einen Marken-Grundsound und Derivate davon für unterschiedliche Modelle geben. Der Grundton fürs elektrische Fahren ist dann in allen Modellen identisch. Dieser wird für unterschiedliche Modelle mit passenden Tönen kombiniert. Vitale hat zunächst Gene der Marke definiert: visionär, elegant, dynamisch. Und die in Wortpaaren mit Modellen kombiniert. Beim Sportwagen i8 kam es so zum visionär progressiven Sound. Der drückt die Gene dieses Autos in hohen Tönen aus.

Für Forscher Fastl ist die Situation paradox: "Seit Jahrzehnten versuchen wir, Motoren leiser zu machen. Jetzt sind sie leise, dann ist es wieder nicht recht und sie müssen lauter werden." Das komme vor allem aus den USA, wo Blindenverbände extrem Druck machen. "Dabei erledigt sich das Problem in wenigen Jahren schon von selbst", mutmaßt der Professor. Durch immer mehr Fahrerassistenten auf dem Weg hin zum autonomen Fahren erkennt Elektronik Gefahren und reagiert automatisch. "Unser Vorschlag an die Automobilindustrie ist deshalb, dass ein Elektroauto nur bei Gefahr ein Warnsignal ausstoßen soll und nicht permanent prophylaktisch." Für den Verkehr sei das ungünstig und unnötig.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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12/2018 16. November 2018 Inhalt zeigen
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