Kolumne: Fuhrpark ohne Krisenrhetorik

Kolumne vom BBM-Geschäftsfüher Axel Schäfer
Warum der Fuhrpark Wandel übersteht

Neue Regeln, neue Technik, neue Prozesse: Axel Schäfer geht der Frage nach, warum Wandel im Fuhrpark oft erst dramatisiert wird – und später doch professionell in bestehende Abläufe einzieht.

Gedankenwelt 2026
Foto: KI-generiert mit ChatGPT

Wer in diesen Tagen Fachzeitschriften liest, gewinnt leicht den Eindruck: Unternehmen stehen kurz vor dem kollektiven Nervenzusammenbruch. Überall ist von „immer größeren Herausforderungen“ die Rede, vom „noch nie dagewesenen Veränderungsdruck“ und von „radikal neuen Anforderungen“.

Die Herausforderung als Dauerformel

Es gibt Formulierungen, die altern einfach nicht. Die „großen Herausforderungen“ gehört dazu. Sie klingt bedeutend, dramatisch und nach Management-Seminar mit leicht überhitztem Beamer. Vor allem im Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement scheint inzwischen jede neue Vorschrift, jede App und jede Ladesäule eine existenzielle Prüfung der Zivilisation zu sein.

Vom Teufelszeug zum Standardprozess

Dabei sind die Profis erstaunlich routiniert im Überleben ihrer eigenen Untergangsszenarien. Leasing? War mal Revolution. Telematik? Früher Teufelszeug. Digitale Führerscheinkontrolle? Bestimmt völlig praxisfern. Heute ist vieles davon Alltag – und niemand trägt mehr Trauerflor, weil Excel nicht mehr allein regiert. Der Tenor ist zeitlos: „Jetzt aber wirklich – noch nie war es so anspruchsvoll wie heute.“

Natürlich verändert sich viel: Elektrifizierung, ESG, Ladeinfrastruktur, Mobilitätsbudgets, Homeoffice, Sharing, Reporting. Aber mal ehrlich: Wer in einem dynamischen Feld arbeitet und sich dann darüber wundert, dass es dynamisch ist, sollte vielleicht nicht ausgerechnet Mobilität managen.

Gestalten statt dramatisieren

Das eigentliche Problem ist oft nicht die Veränderung. Es ist die reflexhafte Problemrhetorik. „Das geht bei uns nicht.“ „Die Technik ist noch nicht so weit.“ „Unsere Leute machen da nie mit.“ Ein paar Jahre später machen es alle – nur nennt es dann keiner mehr Herausforderung, sondern Standardprozess.

Vielleicht sollten wir den offensichtlichen Lieblingssatz einfach ersetzen. Nicht: „Wir stehen vor immer größeren Herausforderungen.“ Sondern: „Wir haben wieder etwas zu gestalten.“ Klingt weniger nach Krisensitzung, macht aber handlungsfähiger.

Gelassenheit als Führungsaufgabe

Veränderungen wird es auch in den nächsten 45 Jahren geben. Die Frage ist nicht, ob sie kommen, sondern wie wir darüber sprechen – und was wir daraus machen. Krisenvokabular ist en vogue. Dabei brauchen wir gerade jetzt mehr Gelassenheit im Umgang mit Wandel und einen Perspektivwechsel, der Entwicklungen nicht nur als Belastung, sondern auch als echte Chance versteht. Jammern war gestern, gestalten ist heute. Und morgen vermutlich auch.