Solarcarports: Fünf Planungsfehler verteuern

Solarcarports für Gewerbe und Kommunen
Fünf Fehler treiben die Kosten hoch

Die Technik ist selten das Problem: Hohe Zusatzkosten entstehen meist unter dem Parkplatz, bei der Statik oder durch verspätete Vorgaben von Behörden und Netzbetreibern vor Ort.

Solarcarport mit Photovoltaikmodulen auf einem Gewerbeparkplatz. Fehler bei Baugrund, Statik und Netzanschluss können Projekte verteuern.
Foto: Pillar GmbH

Solarcarports versprechen Strom vom Parkplatz und Ladepunkte direkt vor der Tür. In der Praxis wird jedoch oft an der falschen Stelle gerechnet: Nicht die Photovoltaik ist das größte Kostenrisiko, sondern Versäumnisse bei Baugrund, Statik, Genehmigung und Netzanschluss. Wer diese Punkte zu spät klärt, zahlt schnell deutlich mehr als geplant.

Die größten Risiken liegen vor Baubeginn

Nicht die Solarmodule machen Solarcarports zwangsläufig teuer. Häufig treiben ein ungeprüfter Baugrund, unpassende Fundamente, späte Genehmigungen oder ein unterschätzter Netzanschluss die Kosten nach oben. Nach Einschätzung des Engineering-Unternehmens Pillar entstehen die größten Risiken lange, bevor die erste Stütze aufgestellt wird.

Besonders kritisch ist der Untergrund. Leitungen, Kabeltrassen, alte Fundamente oder ein hoher Grundwasserstand werden mitunter erst entdeckt, wenn die Bauarbeiten bereits laufen. Müssen Fundamentpositionen daraufhin verschoben oder Bauabläufe gestoppt werden, drohen Nachträge und Verzögerungen. Bei großen Gewerbe- oder Kommunalprojekten können sich die Zusatzkosten laut Pillar auf sechsstellige Beträge summieren. „Die größte Unsicherheit liegt häufig nicht auf dem Parkplatz, sondern darunter“, sagt Vasyl Betsa, Geschäftsführer und Gründer von Pillar.

Porträt von Vasyl Betsa, Gründer und Geschäftsführer von PILLAR, zum Thema Energy Sharing und Solarcarports.
PILLAR GmbH

Vasyl Betsa, Gründer und Geschäftsführer von Pillar, warnt vor teuren Planungsfehlern bei Baugrund, Statik, Genehmigung und Netzanschluss.

Falsche Annahmen gefährden das Tragwerk

Auch standardisierte Tragwerkslösungen stoßen schnell an Grenzen. Wind- und Schneelasten, Bodenkennwerte und die konkrete Parkplatzgeometrie unterscheiden sich von Standort zu Standort. Basieren Statik und Fundamentierung auf falschen Annahmen, muss nicht nur der Unterbau angepasst werden. Im ungünstigsten Fall ist auch das Tragwerk neu auszulegen.

Ein weiterer Kostentreiber sind Genehmigungen, die erst spät vertieft werden. Blendgutachten, Brandschutz, Feuerwehrzufahrten, Prüfstatik oder Umweltauflagen können eine weit fortgeschrittene Planung wieder infrage stellen. Das führt zu zusätzlichen Prüfschleifen und Umbauten auf dem Papier – und später auf der Baustelle.

Netzprüfungen dauern Wochen oder Monate

Besonders widersprüchlich ist, dass Solarcarports häufig als Basis für Ladeinfrastruktur beworben werden, der Netzanschluss aber nicht von Beginn an mitgeplant wird. Reicht die verfügbare Anschlussleistung nicht aus, können neue Leitungen, zusätzliche Tiefbauarbeiten oder technische Alternativen notwendig werden. Netzverträglichkeitsprüfungen dauern zudem häufig Wochen oder Monate. „Ein Solarcarport ist heute kein einzelnes Bauwerk mehr, sondern Teil einer gesamten Energieinfrastruktur“, sagt Betsa.

Pillar nennt insgesamt fünf typische Schwachstellen: Baugrund, Statik, Genehmigungen, Netzanschluss und zu starre Standardlösungen. Die Analyse stammt allerdings von einem Anbieter, der selbst Solarcarport-Systeme und Schraubfundamente verkauft. Die genannten Risiken sind deshalb nicht unabhängig erhoben, decken sich aber mit einem grundsätzlichen Problem komplexer Bauprojekte: Je später Standortbedingungen geklärt werden, desto teurer werden Änderungen.

Wallboxen unter einem Solarcarport: Baugrund, Statik, Genehmigung und Netzanschluss können die Projektkosten stark erhöhen.
Pillar

Solarcarports verbinden Photovoltaik und Ladeinfrastruktur. Teuer werden Projekte jedoch oft durch ungeklärten Baugrund, Statik, Genehmigungen oder Netzanschluss.

Niedrige Kalkulation kann teuer enden

Für Unternehmen und Kommunen bedeutet das: Eine niedrige Modul- oder Stahlbaukalkulation sagt wenig über die tatsächlichen Projektkosten aus. Entscheidend ist, ob Boden, Tragwerk, Behördenanforderungen und Energieinfrastruktur bereits vor der Ausschreibung belastbar geprüft wurden. Sonst wird aus der vermeintlich standardisierten Parkplatzüberdachung schnell ein teures Einzelprojekt.