ADAC: Rückrufaktionen bei Autos auf Rekordniveau

Mehr Systeme, kürzere Entwicklungszeiten
Rückrufe werden für Fuhrparks zum Faktor

Mehr als 500 Rückrufaktionen pro Jahr, Millionen betroffene Fahrzeuge: ADAC-Daten dokumentieren den starken Anstieg – getrieben durch Technikdichte, Modellvielfalt und kurze Entwicklungszyklen. Worauf Autofahrer und Fuhrparkmanager achten sollten.

Ein Pkw steht auf einer Hebebühne in einer Werkstatt, sichtbar ist der Unterboden des Fahrzeugs während einer technischen Überprüfung.
Foto: VirragesImagesInc.@viaCanva

Rückrufaktionen galten lange als Randnotiz. Heute gehören sie für Fuhrparkverantwortliche fast schon zur Routine. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass Hersteller Fahrzeuge in die Werkstatt bitten – teils vorsorglich, teils wegen sicherheitsrelevanter Mängel. Eine aktuelle Analyse des ADAC zeigt nun, wie stark sich Rückrufe in den vergangenen Jahren tatsächlich gehäuft haben – und warum das kein kurzfristiger Trend ist.

Rückrufe auf dauerhaft hohem Niveau

Die Zahlen sind eindeutig: 532 Rückrufaktionen registrierte die ADAC-Rückrufdatenbank im Jahr 2025 auf Basis der Daten des Kraftfahrt-Bundesamts. Zum Vergleich: 2010 waren es lediglich 185 – nahezu eine Verdreifachung. Zwar hat sich das Wachstum seit 2018 verlangsamt, doch das Niveau bleibt hoch.Parallel steigt die Zahl der betroffenen Fahrzeuge. Allein 2024 mussten 2,84 Millionen Autos in die Werkstatt, ein Plus von 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders häufig betroffen: Modelle von Mercedes-Benz, während BMW 2025 den Rückruf mit der größten Fahrzeugzahl verzeichnete – ausgelöst durch einen fehlerhaften Anlasser.

Mehr Modelle, mehr Technik, mehr Fehlerpotenzial

Ein zentraler Treiber ist die wachsende Modellvielfalt. Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge und Baureihen steigt ebenso wie die Anzahl der Hersteller auf dem deutschen Markt – insbesondere aus Asien.Hinzu kommt der technische Fortschritt: Moderne Fahrzeuge sind rollende Computersysteme. Assistenzsysteme, Softwarefunktionen und komplexe Antriebsstränge erhöhen das Fehlerpotenzial deutlich. Gleichzeitig verkürzen sich die Entwicklungszyklen. Wo früher Modellgenerationen sieben oder mehr Jahre liefen, folgen heute teils schon nach fünf Jahren komplette Neuentwicklungen.

Großrückrufe verzerren die Statistik

Ein weiterer Faktor sind prominente Großaktionen der vergangenen Jahre. Der Dieselskandal und fehlerhafte Takata-Airbags haben die Statistik nachhaltig nach oben getrieben. Millionen Fahrzeuge waren betroffen – solche Dimensionen bleiben trotz hoher Rückrufzahlen jedoch die Ausnahme.

Offener Umgang statt Vertuschung

Positiv bewertet der ADAC den veränderten Umgang der Hersteller mit dem Thema. Rückrufe gelten heute weniger als Imageschaden, sondern zunehmend als Instrument der Qualitätssicherung. Auch kleinere Mängel werden proaktiv behoben. Für Fuhrparks bedeutet das: Rückrufe sind kein Alarmsignal per se, sondern Teil eines professionellen Risikomanagements. Sie schützen Fahrer, Verkehrsteilnehmer und nicht zuletzt den Restwert der Fahrzeuge.

Klare Kommunikation ist entscheidend

Gleichzeitig formuliert der ADAC klare Erwartungen an die Hersteller. Rückrufinformationen müssen verständlich sein, Werkstattprozesse reibungslos funktionieren und bei längeren Standzeiten sollte die Mobilität der Kunden sichergestellt werden – auch wenn der rechtliche Anspruch begrenzt ist.Ebenso deutlich fällt der Appell aus: Fahrzeuge dürfen nicht als Testplattformen für unausgereifte Systeme dienen. Marktreife muss vor Verkaufsstart erreicht sein – alles andere führt zu unnötigen Rückrufen und zusätzlichem Aufwand in den Fuhrparks.