Mercedes X 350 d im Test

Sechs Zylinder für harte Einsätze

Mercedes X-Klasse 350 d 4matic, 2018, rot, fahrend, vorne, links, Schotter, Wasser 16 Bilder

Die X-Klasse schließt zum VW Amarok auf. Beide Pick-ups haben wuchtige V6-Motoren mit 258 PS unter der Haube. Aber der Benz kostet einiges mehr. Lohnt sich der Aufpreis?

Bisher war der VW Amarok der Leitwolf unter den Pick-ups. Dreiliter-Diesel mit sechs Zylindern und 258 PS, da konnte die X-Klasse von Mercedes mit ihrem Vierzylindermotor nur hinterherhecheln. Jetzt aber schließt die Marke auf. Hinter dem wuchtigen Kühler mit Stern verbaut Mercedes nun auch einen Sechszylinder, ebenfalls 258 PS stark und mit einem Drehzahlpotenzial von gewaltigen 550 Nm. Mindestens 44.840 Euro netto (alle Preise ohne Mehrwertsteuer) müssen Kunden für das Kraftpaket anlegen, es sei denn, sie entscheiden sich noch schnell für die Einführungsmodelle ab 39.900 Euro.

Mercedes X-Klasse 2018, schräg, hinten, fahrend,hänger, anhänger, bach, brücke Foto: Mercedes
Mit schweren Hängern kommt der X 350 d mühelos zurecht.

Käufer müssen allerdings damit leben, dass sie mit dem X 350 d den langsam auslaufenden V6 samt Siebengang-Automatik und nicht den neuen, bis zu 340 PS starken Reihensechszylinder mit neun Gängen bekommen. Ein Manko ist das nicht, prinzipiell hat auch der V6-Motor genügend Bumms. Aber im neuen Reihenmotor bringen zwei hintereinandergeschaltete Turbolader praktisch aus dem Leerlauf heraus volle Leistung. Der V6 der X-Klasse hat dagegen nur einen Turbolader. Und bis der auf Touren kommt, dauert es beim Anfahren ein paar Millisekunden. Dosiert der Fahrer das Gas nicht feinfühlig genug, bockt die Fuhre. Spätestens an der dritten Ampel aber hat sich der Gasfuß darauf eingestellt.

3,5 Tonnen am Haken? Spürt man nicht

Doch braucht man wirklich sechs Zylinder? Ein Auto, das man praktisch nicht unter zehn Liter Verbrauch fahren kann? Bauunternehmer, Gärtner oder Pferdefreunde, die ständig einen Hänger an den Haken nehmen und womöglich in den Bergen unterwegs sind, werden nach der ersten Fahrt nichts anderes mehr wollen. Selbst mit einem 3,5-Tonnen-Hänger holt der V6 nur einmal tief Luft, bevor er seine 550 Nm an das zweistufige Verteilergetriebe der Hinterachse schickt und sich unangestrengt in Fahrt setzt. Im Gelände schaltet der Fahrer entweder in den 4H-Modus für verbesserte Traktion.

Oder er wählt gleich das Offroad-Programm mit Untersetzung, Längs- und Querdifferenzial sowie elektronischer Bergabfahrhilfe. Mit 222 Millimetern Bodenfreiheit, 60 Zentimetern Wattiefe und 50 Grad Schräglage klettert der X dann durch Regionen, die man so in Deutschland höchstens im abgesperrten Parcours findet. Besonders hilfreich ist die Frontkamera. Sie weist den Weg, wenn an einem 45 Grad steilen Hügel durch die Windschutzscheibe nichts anderes als blauer Himmel zu sehen ist.

Mercedes X-Klasse 350 d 4matic, 2018, rot,  innenraum, cockpit, armaturenbrett, bildschirm
Ein Mercedes durch und durch.

In der Regel wird der Pick-up jedoch Asphalt unter die Räder nehmen, wo ihr das Pkw-ähnliche Fahrverhalten zu Gute kommt. Langbeinige Fahrer bemängeln zwar, dass sich die Lenksäule nur in der Höhe verstellen lässt. Doch ansonsten fühlt man sich in der X-Klasse wie in jedem Mercedes. Zur Sicherheitsausstattung gehören sieben Airbags, LED-Scheinwerfer und Anhänger-ESP sowie Kollisionswarner mit Bremseingriff, Spurhalteassistent und Verkehrszeichenanzeige. Dass Mercedes weder Abstandstempomat noch Totwinkelwarner liefern kann, erstaunt aber doch.

Ganz schön vernetzt

Schon deshalb, weil der X wie kein anderer Pick-up nicht nur Handwerker oder Bauunternehmer ansprechen soll, sondern auch den Lifestyle-Kunden, der bevorzugt durch die Innenstadt flaniert. Entsprechend breit gefächert ist das Individualisierungs-, Zubehör- und Ausstattungsprogramm. Es bringt neben den branchenüblichen An- und Aufbauten, Zurrschienen, Trittbrettern und Unterfahrschutz auch Connect-Lösungen ins Auto. So kommen über die fest verbaute SIM-Karte Echtzeit-Verkehrsinformationen ins Navisystem, Fahrer oder Flottenmanager können per Smartphone und PC Tankinhalt, Reichweite und Standort des Wagen prüfen oder eine Route direkt aufs Navi schicken.

Das alles verpackt Mercedes in markenüblicher Premiumanmutung und bittet den Käufer entsprechend zur Kasse. Wer das nicht ausgeben will, greift womöglich doch zum VW. Der Amarok 3.0 TDI kostet 3.000 Euro weniger, ist jedoch das spürbar ältere Modell.
 

Mercedes X-Klasse 2018, schräg, hinten, fahrend, Foto: Mercedes
Viele Kunden kaufen die X-Klasse einfach deshalb, weil Pick-up-fahren trendig ist.
Technische Daten
Mercedes X 350 d 4matic
Karosserie
Typ Pick-up
Motor und Kraftübertragung
Zylinderzahl / Motorbauart 6-Zylinder V-Motor
Hubraum 2987 cm³
Leistung 258 PS (190 kW) bei 3400 U/min.
max. Drehmoment 550 Nm bei 1400 U/min.
Antriebsart Allrad
Getriebe 7-Gang Automatik
Schadstoffeinstufung Euro 6
CO2-Ausstoß 237 g/km
Kraftstoff Diesel
Preis
Nettopreis 44.840,- €
Abmessungen und Gewichte
Radstand 3150 mm
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5340 × 1920 × 1819 mm
Kofferraumvolumen 2.480 l
Leergewicht gemessen 2285 kg
Zuladung 965 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 3250 kg
Testwagenbereifung
Reifen (vorne/hinten) 255/65 R 17 / 255/65 R 17
Verbrauch
Verbrauch 9,00 l/100 km
Betriebskosten
20.000 km/60 Monate 40.000 km/36 Monate
Basisdaten
Preis ohne Mehrwertsteuer 44.840,- € 44.840,- €
Betriebsnotwendiges Kapital 33.326,- € 33.672,- €
Teuerung Fahrzeugpreis 7.142,- € 4.158,- €
Feste Kosten (€/Jahr)
Kapitalverzinsung 2.799 2.828
Abschreibung 2.799 2.828
Kfz-Steuer 202 202
Haftpflichtversicherung 1.201 1.201
Kaskoversicherung 894 894
Unterstellung/Garage 564 564
Summe feste Kosten (€/Jahr) 11.799 14.959
Summe feste Kosten (ct/km) 59,0 37,4
Variable Kosten (ct/km)
Kraftstoff 10,0 10,0
Reifen 3,5 3,5
Wartung/Reparatur/Pflege 14,4 8,1
Summe variable Kosten 27,8 21,5
Gesamtkosten
Gesamtkosten (ct/km) 86,8 58,9
Quellenangabe Betriebskosten
Quellenangabe Dekra Dekra
Zeitpunkt der Datenberechnung 6/2018 6/2018
Versicherungshinweis Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung. Versicherung jeweils bei 70 Prozent mit 500 Euro Selbstbeteiligung, einschließlich Teilkasko mit 150 Euro Selbstbeteiligung.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
FA Titel 01 2019
01/2019 14. Dezember 2018 Inhalt zeigen
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