Reisen mit dem E-Auto

So planen Sie Ladestopps

Volvo XC40 Recharge 2020 Foto: Hanno Boblenz

Wer lange Strecken mit dem E-Auto fahren will, muss seine Ladestopps vorher planen. In vielen Autos hilft das Navisystem. Alternativ oder zusätzlich gibt es passende Apps.

Die Fahrt von Stuttgart nach Hamburg mit einem Polestar 2 kann so aussehen: Nach zwei Stunden 15 Minuten Pause an einer Ionity-Station bei Würzburg, dann 45 Minuten laden bei Fulda, nach zwei Stunden Fahrt ein knapp einstündiger Ladestopp kurz vor Braunschweig, schließlich Endspurt zum Ziel. So schlägt es zumindest das Onboard-System des E-Autos vor.

Die von solchen Systemen verfolgte Ladestrategie ist dabei in der Regel sehr ähnlich: Aufladen bis etwa 80 Prozent Akkustand, dann Fahren bis 20 Prozent Restkapa­zität. Oberhalb von 80 Prozent verlangsamt die Ladeelektronik das Strompumpen, um den Akku zu schonen. Dann noch länger an der Ladesäule zu warten, kostet unverhältnismäßig viel Zeit. 20 Prozent Restkapazität halten flexibel, falls der Fahrer die Route spontan abändern will oder eine eingeplante Ladestation defekt oder voll besetzt sein sollte.

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E-Autos mit guter integrierter Ladeplanung wie Volvo XC40, Polestar 2, alle Audi oder Mercedes optimieren Fahrzeiten und Ladepausen. Andere helfen nicht einmal bei der Umgebungssuche nach freien Ladepunkten. Soweit von den Ladepunktbetreibern unterstützt, fließt auch die Verfügbarkeit der Stationen in die Planung mit ein. Als defekt gemeldete Ladepunkte oder solche mit permanent hoher Auslastung werden von der Tourenplanung in der Regel ignoriert. Wo die Systeme Schwächen haben oder spezielle Rahmenbedingungen erfüllt werden müssen, etwa das Nutzen von Ladekarten bestimmter E-Mobilitäts-Verbünde, assistieren passende Apps. An diese Werkzeuge gewöhnt man sich als Fahrer schnell und fährt dann auch mit dem Elektroauto viele Hundert Kilometer souverän und stressfrei.

Bordsysteme

Das auf dem Betriebssystem Android basierende Onboard-System des Polestar 2 nutzt die anerkannt guten Verkehrs- und Karten­daten von Google. Im Lauf der Zeit lernt das System zusätzlich den typischen Verbrauch je nach Fahrstil. Wer will, kann Zieleingabe und Routenplanung per Sprache über den Google Assistant anstoßen. Und in jedem Fall ist das Polestar-System eng mit dem Smartphone des Fahrers verknüpft, sodass Fahrzeugführer dort ihr Ziel wählen und dann ins Auto über­tragen können.

Bordsystem 2021 Foto: ETM

Das unterstützen auch die ­Modelle von Audi, BMW und Mercedes. Ihre Navisys­teme sind zwar proprietär, bieten bei der Ladeplanung jedoch ebenfalls Echtzeitdaten und berücksichtigen den persönlichen Fahrstil. Wird die ­Ladestelle als Zwischenziel eingegeben, temperieren die Autos dieser Marken ihre Batterie während der Fahrt vor, um die volle ­Leistung des Bordladers auszunutzen. Praktische Details bei Polestar und Audi: Direkt bei der Zieleingabe lässt sich eine Ladestation in der Nähe der Ankunftsadresse auswählen. Und eine Grafik zeigt auf dem Bildschirm den Radius, den das Fahrzeug mit seinem aktuellen Ladestand auch ohne Zwischenstopp erreichen kann.

Bordsystem 2021 Foto: ETM

ABRP – A Better Route Planner

A Better Route Planner gilt als beste Ladeplanungs-App. Sie hat zwar keinen Zugriff auf Ladestand und Verbrauchsdaten des Fahrzeugs, dafür können Nutzer das Fahrzeugmodell einstellen, was recht zuverlässig eine durchschnittliche Reichweite liefert, denn die Datenbank wird von den Nutzern mit Erfahrungswerten gespeist. Außerdem kann der Fahrer den Ladestand bei Abfahrt und die gewünschte Geschwindigkeit eintragen. Daraufhin schlägt die App Stopps vor inklusive Ladezeit. Zu jeder Station lassen sich Details wie Zahl der Ladepunkte, Ladeleistung und Bezahlmöglichkeiten auswählen.

ABRP 2021 Foto: ETM

Bevorzugt der Fahrer einen anderen Stopp, etwa wegen eines Cafés vor Ort, lässt sich der vorgeschlagene Stopp verwerfen und durch eine mit aktuellem Akkustand ebenfalls erreichbare Station ersetzen. Praxisgerecht: Statt allein nach den Erfordernissen des Fahrzeugs zu planen, erlaubt die App auch gezieltes Suchen nach anderen Kriterien wie Fahrtpause nach einer bestimmten Zeit, Suche nach Restaurants (inklusive der Art der dort servierten Ge­richte), Hotels oder Einkaufsgelegenheiten. Da an solchen fahrerbezogenen Wünschen sogar viele Onboard-Navis scheitern, ist ABRP auch für Fahrer von Autos mit an sich sehr guter Ladeplanung eine empfehlenswerte Ergänzung. Die Bezahlversion liefert zudem Echtzeit­verkehrsdaten, Wetterinfos und wird in Apple Carplay integriert.

Apps von Ladenetzwerken

Praktisch jedes E-Auto zeigt Ladepunkte in seiner Bordnavigation an, allerdings in sehr unterschiedlicher Qualität. Häufig kann man nur in der Umgebung suchen, aber keine Route planen. Oder die Routenführung des Bordnavis inklusive vorgeschlagener Ladestopps ist zwar gut, aber andere Funktionen fehlen, etwa eine Ladepunktauswahl an der Zieladresse oder die Angabe, ob die Säule frei ist. Viele Fahrer verlassen sich deshalb lieber auf gewohnte Systeme wie ein portables Navi, brauchen dann aber zusätzliche Unterstützung bei der Auswahl der Ladepunkte. Hier lohnt es sich, zusätzlich die Apps von Ladepunktanbietern in die Planung einzubeziehen. Damit lassen sich gezielt Ladestationen auf der Strecke oder am Ziel auswählen, deren Standort der Fahrer dann wiederum als Fahrtziel im genutzten Navi eingeben kann. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass es sinnvoll ist, nach einem lokalen Ladeplatz erst kurz vor der Ankunft zu suchen – wenn beispielsweise das gebuchte Hotel keine eigenen Ladeplätze anbietet. Sonst läuft man Gefahr, dass die Station später schon belegt ist.

Ladenetzwerk App 2021 Foto: ETM

Bei der Auswahl der Apps kommt es darauf an, dass sie Ladepunkte anzeigen, an denen ihr Nutzer auch bezahlen kann – beispielsweise per Ladekarte oder über das Kundenkonto in der App. Im Hinblick auf Funktionalität und die Zahl abgedeckter Ladestationen gelten die Apps von EnBW, Maingau, Plugsurfing und Shell Recharge als besonders empfehlenswert. Während EnBW und Maingau große Roaming-Netzwerke unterstützen, fokussieren sich andere Energie­konzerne wie Innogy, Eon oder EWE auf ihre eigenen Kunden beziehungsweise Stromtarife. Auch wenn sich bei der Nutzung schnell eine Lieblings-App herauskristallisiert, empfiehlt es sich, als Back-up auch noch ein, zwei weitere Apps aus dem genannten Sortiment auf dem Mobiltelefon zu installieren.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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